Urteil untersagt Großeltern den Kontakt zu den Enkelkindern

Opa und Enkel
Wie weit dürfen Großeltern in die Erziehung eingreifen? Gar nicht, urteilt der der Bundesgerichtshof.
Bojan Kontrec, iStockphoto

Großeltern können vor Gericht um Besuche bei Enkeln kämpfen

Wenn Oma und Opa weit weg wohnen, wünscht man sich mitunter sehnlichst ihre Nähe. Schließlich tut Kindern der Kontakt mit den Großeltern gut. Und Mamas tut es gut, wenn jemand sie unterstützt, der die Kleinen wirklich liebt. Wenn die Großeltern zu nahe wohnen, wünscht man sie mitunter auf den Mond. Weil sie sich zu engagiert in die Erziehung einmischen oder die Kinder permanent verwöhnen. Manchmal eskalieren solche Konflikte: Etwa 150.000 Kinder in Deutschland dürfen ihre Großeltern überhaupt nicht sehen, weiß die 'Bundesinitiative Großeltern'. In extremen Fällen verhindern Eltern sogar per Gerichtsurteil Omas Besuche beim Enkel - wie jetzt geschehen. Da hat der Bundesgerichtshof den Umgang mit Oma und Opa aus Kindswohlgründen untersagt.

Funkstille, weil Großeltern mit Erziehung nicht einverstanden sind

Von Ursula Willimsky

Dass Oma und Opa prinzipiell ein Recht darauf haben, ihre Enkel zu sehen, ist gar nicht so selbstverständlich: Erst seit 1989 gibt es dafür ein entsprechendes Gesetz. Blockieren die Eltern Omas Besuche, kann diese vor Gericht ziehen und fordern, dass sie ihre Enkel sehen darf. Was für Oma auch böse enden kann. Denn die Gerichte entscheiden im Sinne des Kindswohls und nicht danach, wer bei etwaigen innerfamiliären Konflikten Recht hat oder sich besonders mies verhalten hat. Ist zu befürchten, dass die Kinder als Spielball eines Streits zwischen die Fronten geraten, können Gerichte den Kontakt der Großeltern zu den Enkeln unterbinden. Oft jedoch enden die Verhandlungen in einer Mediation oder die Parteien finden noch während des Verfahrens doch wieder zueinander.

In einem aktuellen Fall gab es kein Happy End für alle. Ohnehin ein verzwickter Fall, und einer der seltenen Fälle, in denen nicht eine Scheidung der Ursprung für die Gräben in der Großfamilie war.

Offenbar zerkrachte sich die Familie, weil die Großeltern sich nach dem Empfinden der Eltern zu sehr in die Erziehung einmischten. Zwei Jahre war Funkstille, dann nahm die Familie einen neuen Anlauf. Allerdings erst, nachdem die Großeltern ein zinsloses Darlehen gewährt hatten unter der Bedingung, dass sie von nun an die beiden Enkelkinder regelmäßig sehen dürfen.

Mit der Erziehung ihrer Enkel blieben sie jedoch unzufrieden, wandten sich - so Presseberichte - sogar an das Jugendamt. Woraufhin die Eltern den Umgang erneut verboten. Letztendlich zogen die Großeltern vor Gericht. Der Bundesgerichtshof entschied nun: Die Eltern dürfen den Großeltern das Umgangsrecht entziehen. Schließlich haben sie bei der Erziehung Vorrang - und nicht die Großeltern.

Großeltern sollten sich in einem Punkt zurück nehmen

Grandmother and granddaughter hugging in backyard
Kinder profitieren davon, ihre Großeltern um sich zu haben.
Getty Images/OJO Images RF, Robert Daly

Ein Gedanke, den sich auch Großeltern in nicht ganz so verfahrenen Familienkonstellationen immer mal wieder vor Augen führen sollten. Wir: Großeltern. Ihr: Erziehungsberechtigte. Hat ja auch eine Menge Vorteile für die Großeltern. Sie müssen sich um die Basisarbeit nicht kümmern, sondern sind eher fürs Rahmenprogramm zuständig. Sehr hilfreich ist es dabei, so empfehlen es viele Experten, wenn die Eltern ihre Erziehungsprinzipien klar formulieren und die Großeltern diese Prinzipien akzeptieren. Fernsehzeiten, Größe und Häufigkeit von Geschenken, Süßigkeiten-Konsum: Punkte, über die man vortrefflich streiten kann, die man aber auch einfach in einem Gespräch unter Erwachsenen regeln kann.

Das kann schwierig werden. Großeltern müssten sich trotz ihrer unbestreitbaren Erfahrung in Sachen Kindererziehung einen Hauch zurücknehmen und damit klar kommen, dass ihr Kind erwachsen ist, eigene Entscheidungen trifft und in der Lage ist, selbst die Erziehung eines Kindes zu verantworten. Und Mütter müssten lernen, dass sie auch dann erwachsen sind, wenn ihnen die eigene Mutter gegenübersitzt. Klar, man bleibt immer Kind, muss sich aber trotzdem nicht unbedingt immer wie die trotzige 14-Jährige von damals benehmen. Wozu auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein gehört.

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Am meisten profitieren die Kinder von ihren Großeltern

Im Gegenzug können alle Seiten von einer intakten Großeltern-Eltern-Enkelkinder-Konstellation profitieren. Wenn es die räumliche Nähe zulässt, können Oma und Opa die Familie im Alltag unterstützen. Auch wenn es darauf natürlich keinen Rechtsanspruch gibt. So stellte ein Gerichtsurteil klipp und klar fest, dass Großeltern nicht verpflichtet sind, am wöchentlichen Besuchstag des Enkels mit ihm Hausaufgaben zu machen. So etwas muss man wohl akzeptieren, auch wenn sich dem Außenstehenden - wie bei so vielen Urteilen in Familienangelegenheiten - die Frage aufdrängt, ob man dafür wirklich prozessieren muss?

Gehen wir lieber davon aus, dass Oma und Opa gerne mit den Enkeln zusammen sind und auch bereit sind, die ein oder andere lästige Pflicht zu übernehmen. Dann haben die Enkelkinder viele Vorteile. Unter anderem lernen sie, dass in anderen Haushalten andere Regeln gelten ("Jetzt musst du eine Stunde ruhig sein, ich leg mich aufs Sofa"). Sie lernen, wie man den perfekten Käsekuchen backt, wie das war, als Telefonieren noch im Minutentakt abgerechnet wurde und dass Papa, anders als er immer angedeutet, nicht nur Einser im Zeugnis hatte. Außerdem lernen sie so, wie man sich verhält, wenn jemand sich in einem anderen Tempo durchs Leben bewegt als das Zuhause üblich ist. Eine prima Übung in Sachen Rücksichtnahme.

Obwohl: Viele Großeltern entsprechen heutzutage nicht mehr dem klassischen Oma-Opa-Bild. Durchschnittlich mit Mitte 50 wird hierzulande aus Sabine die Oma und aus Stefan der Opa. Das fühlt sich ganz schön jung an und lässt sich nur schwer mit dem inneren Bild der gütigen ewig backenden Großmutter in Kittelschürze in Einklang bringen. Und Opa steckt wahrscheinlich auch eher noch im Business-Anzug als in der gemütlichen Strickjoppe.

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