Urlaubsmängel: Wie Gerichte entscheiden

19. Juli 2016 - 7:56 Uhr

Diese Ansprüche auf Entschädigung haben Sie bei Reisemängeln

1. "Mein Hotel ist noch nicht fertig. Es gleicht einer Baustelle…"

Gerichte haben in sehr unterschiedlichen Urteilen zwischen 0% und 100% des Reisepreises als Entschädigung zugesprochen. Es kommt also darauf an, wie stark der Erholungswert im Hotel beeinträchtigt wird. Ist die Baustelle im eigenen Hotel überall präsent (z.B durch: starken Baulärm jeden Tag, Staubentwicklung, Teil-Absperrungen der Anlage), dann kann man unter Umständen sogar zusätzlich einen Schadenersatz für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit verlangen. Im Durchschnitt bekommen Urlauber aber rund 50% des Reisepreises zurück.

2. "Ich habe mein gebuchtes Hotel nicht bekommen. Die haben mich ganz woanders untergebracht…"

Ein Ersatzhotel muss grundsätzlich gleich- oder höherwertiger sein als das gebuchte. Es sollte auch ähnlich gelegen sein. Je größer die Abweichung von dem, was Urlauber gebucht haben, desto höher der spätere Anspruch auf Reisepreisminderung. Im Durchschnitt sprechen Gerichte Urlaubern 35% des Reisepreises als Entschädigung zu. Ist die Ersatzunterkunft nicht zumutbar, können es dagegen auch 100% sein. Das würde dann bedeuten, der Reisende kann kündigen, selbst ein zumutbares Ersatzhotel suchen und die Kosten dafür in Rechnung stellen. Ist das gestellte Ersatzhotel aber vergleichbar mit dem Gebuchten, bekommt man selten mehr als 5% bis 10% des Reisepreises zurück.

Kniffliger Fall: Fünf statt drei Sterne

3. "Ich hatte eigentlich ein 3-Sterne-Hotel gebucht. Jetzt haben die mich in ein großes 5-Sterne-Hotel gebracht. Dabei wollte ich aber bewusst ein kleineres 3-Sterne-Hotel…"

Die Urlauber bekamen 20% des Reisepreises erstattet, weil sie eben nicht in einer Bettenburg mit 1100 Zimmern Urlaub machen wollten. Sie hatten sich bewusst ein familiäres Hotel mit 95 Zimmern ausgesucht. Auch wenn das Ersatzhotel zwei Sterne mehr aufweist, ist der Urlaub nicht in der Art und Weise möglich, wie es die Urlauber wollten. Also bekommen Sie in diesem Fall trotz des höherwertigen Hotels ein Fünftel des Geldes zurück.

4. "Wir hatten ein Zimmer mit Zustellbett gebucht. Jetzt haben die einfach ein paar Getränkekisten genommen und dort einen Bettrahmen drauf gelegt. Auf dieser Konstruktion soll unser Kind jetzt schlafen…"

Was hat ein Amtsgericht den Urlaubern in diesem Fall an Schadenersatz zugesprochen? Es waren 5% des Reisepreises. Auch wenn so etwas sehr skurril klingt. Es muss stets bedacht werden, wie stark der ganze Urlaub unter einem solchen Mangel leidet - oder auch nicht. Die Urlauber haben beim Zubettgehen sicher verständnislos den Kopf geschüttelt. Aber wenn Matratze und Lattenrost auf den Getränkekisten in Ordnung waren, wie der Rest des Urlaubs, fällt der 'Gesamtschaden' gering aus.

5. "Mein Zimmer ist verdreckt und schmutzig. Ich habe es beim Personal und dem Reiseleiter jeden Tag aufs Neue bemängelt und nichts ist passiert. Die putzen hier einfach nicht richtig…"

Meistens bewegen sich die Urteile zwischen 10% und 60%. Hierbei ist es aber Voraussetzung, dass die Urlauber belegen können, wie störend die Verschmutzung war und dass sie über die ganze Urlaubstzeit andauerte. Sonst würde die Minderung nur anteilig auf die Tages-Reispreise angerechet, an denen das Zimmer wirklich verdreckt war. Unternahm trotz Beschwerde aber niemand etwas gegen das Problem, haben Gerichte im Durchschnitt ausgewählter Urteile rund 25% des Reisepreises als Entschädigung zugesprochen.