Urlaubsanspruch: Das sind Ihre Rechte als Arbeitnehmer

02. August 2016 - 16:07 Uhr

Urlaubsverzicht aus Angst, den Job zu verlieren

Urlaub ist die schönste Zeit im Jahr – könnte man meinen. Trotzdem lassen hierzulande viele Millionen Menschen ihre wertvollen Urlaubstage verfallen. Das Überraschende: Ausgerechnet die Menschen verzichten auf ihren Urlaub, die Erholung besonders nötig hätten.

Ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland hat im vergangenen Jahr auf Urlaub verzichtet, um stattdessen zu arbeiten. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des 'Deutschen Gewerkschaftsbunds' (DGB). Für den DGB steckt in dem Ergebnis ein besonderer Widerspruch: Menschen, die besonders viel arbeiten und Erholung besonders nötig hätten, nehmen die verdiente Auszeit weniger in Anspruch als andere. Je länger die wöchentliche Arbeitszeit ist, desto häufiger wird der Studie zufolge auf Urlaub verzichtet. Außerdem lassen auch diejenigen den Urlaub häufiger sausen, die regelmäßig länger im Büro bleiben.

Mit Blick auf die Ergebnisse mahnte Amelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied: "Arbeit darf nicht auf die Knochen der Beschäftigten gehen. Der Arbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass die Beschäftigten in seinem Betrieb oder in der Verwaltung ihren Urlaub auch nehmen können." Doch wie viele Tage sind das eigentlich, kann der Urlaub verfallen oder können Sie ihn mit ins nächste Jahr nehmen?

Urlaubsanspruch - Ihre Rechte als Arbeitnehmer

Wie viele Urlaubstage stehen Ihnen zu?

Den Anspruch auf bezahlten Urlaub regelt das Bundesurlaubsgesetz - für Vollzeitmitarbeiter aber auch für Teilzeitbeschäftigte, Volontäre, befristet oder geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer. Wie viele Tage das pro Jahr sind, hängt davon ab, wie viel jemand arbeitet. Wer zum Beispiel eine Sechstagewoche hat, dem stehen mindestens 24 Urlaubstage zu. Bei einer Fünftagewoche sind es 20 und bei einer Viertagewoche 16 Urlaubstage jährlich. Das ist aber nur das vorgeschriebene Minimum. Arbeits- oder Tarifverträge können deutlich längeren Urlaub vorsehen. So sind 30 Tage Jahresurlaub in vielen Branchen üblich.

Zudem billigt der Gesetzgeber manchen Personengruppen mehr Urlaub zu. So erhalten schwerbehinderte Mitarbeiter mit Fünftagewoche über den regulären Urlaub hinaus pro Jahr weitere fünf Tage frei. Auch für Jugendliche oder Azubis gelten andere Regelungen.

Ab wann steht dem Arbeitnehmer Urlaub zu?

Wenn Sie eine Stelle neu antreten, erwerben Sie ihren vollen Urlaubsanspruch erst nach sechs Monaten. Dabei zählt der Tag der Arbeitsaufnahme, nicht etwa das Datum des Vertragsabschlusses. Vor Ab­lauf dieser War­te­zeit können Sie aber gemäß Paragraf 5 des Bundesurlaubsgesetzes Teil­ur­laub in Höhe von einem Zwölftel pro vollem Beschäftigungsmonat nehmen.

Können Sie den Urlaub mit ins nächste Jahr nehmen?

Grundsätzlich können Sie das nicht. Es sei denn, Sie konnten aus betrieblichen oder persönlichen Gründen nicht alle Urlaubstage verbrauchen. Der Resturlaub eines Jahres kann dann auf das Folgejahr übertragen, muss dann in der Regel aber bis zum 31. März genommen werden. Ansonsten - wenn Arbeitgeber und -nehmer sich nicht auf eine Übertragung über den März hinaus einigen - droht er zu verfallen.

Müssen Sie den Urlaub zu einer bestimmten Zeit nehmen?

Arbeitnehmer dürfen den Zeitpunkt ihres Urlaubs frei wählen (Paragraf 7 des Bundesurlaubsgesetzes). Der Arbeitgeber ist nämlich an den Wunsch des Mitarbeiters gebunden und darf den Urlaub nur dann verweigern, wenn zwingende betriebliche Gründe dagegen sprechen.

Ausnahmen bilden hier zum Beispiel Lehrer. Sie müssen den Urlaub laut der Erholungsurlaubsverordnung in den Ferien nehmen, haben aber in dringenden Fällen - während der Schulzeit - das Recht auf Sonderurlaub.

Was passiert, wenn Mitarbeiter im Urlaub krank werden?

Wer seine Erkrankung dem Arbeitgeber meldet, der muss seine Urlaubstage nicht opfern. Der Arbeitnehmer kann die Tage später erneut nehmen (Paragraf 9 des Bundesurlaubsgesetzes). Dahinter steckt der Gedanke, dass Urlaub der Erholung dienen soll.

Kann der Arbeitgeber bereits genehmigten Urlaub wieder zurücknehmen?

Hat der Arbeitgeber den Urlaubsantrag unterzeichnet, so ist die Vereinbarung verbindlich. Diese Genehmigung darf der Arbeitgeber dann nicht mehr zurücknehmen - auch nicht in Notfällen.

Diese und weitere Fragen - zum Beispiel ob Ihr Urlaub ohne Probleme ausgezahlt werden kann - beantwortet Rechtsanwältin Renate Schmid im Video.