Sexpertin verrät: Ich schaffte den Absprung

Toxische Beziehung: Sogar mein Lachen war ihm zu viel!

Ein junges Paar sitzt auf dem Sofa und streitet.
Eine "toxische Beziehung" - was ist das überhaupt? Sex-Expertin Louisa Noack musste es selbst erfahren
fizkes

von Louisa Noack

Ich wusste gar nicht, dass ich mal in einer toxischen Beziehung gesteckt habe. Ich dachte damals: So richtig schön fühlt sich das mit ihm irgendwie nicht an. Aber eine „toxische Beziehung“? Was soll denn das sein? Was ist das denn nur für ein Modewort? Sagt nämlich irgendwie grad jeder.

Ja, und zuerst mal habe ich mich gefragt, wie und ob eine Beziehung überhaupt giftig sein kann - und erinnerte mich schlagartig an Michael. Michael war, als ich ihn kennen lernte, ein super charmanter Typ. Beruf in den Medien, gut gekleidet, höflich. Er fragte mich total schüchtern und freundlich, ob wir demnächst mal was trinken gehen wollen. Natürlich willigte ich ein - so ein Typ will mich kennen lernen? Super!

Lese-Tipp: Stecken Sie in einer toxischen Beziehung? Machen Sie den Test!

Er sagte mir, ich solle nicht so laut lachen

Und dann ging alles ganz schnell. Er machte mir Komplimente, er unterstützte mich im Alltag, wir machten Pläne, wir fuhren zusammen in den ersten Urlaub. Er fragte mich, ob wir zusammenziehen wollen. Es war ein Traum.

Doch nach ein paar Monaten wurde es komisch. Er sagte mir, ich solle nicht so laut lachen. Er sagte mir, ich würde zu viel Sport machen. Er sagte, dass es komisch sei, dass ich so viele männliche Freunde hätte.

Komischerweise habe ich noch gedacht, dass das durchaus berechtigte Kritikpunkte sein könnten. Zu laut lachen? Ja, das könnte stimmen. Ich lache gern und viel und vielleicht auch mal zu laut. Könnte also durchaus andere nerven. Mein Sport? Naja, wenn er selbst keinen Sport macht, findet er Joggen, Yoga und Krafttraining wohl etwas zu viel. Wenn er mehr Zweisamkeit möchte, dann werde ich wohl auf etwas verzichten müssen. Und meine Kumpels? Also, naja, ich hatte schon immer total viele männliche Freunde, weil ich mit denen auch immer schon sehr gut reden konnte. Ist das unnormal? Sollte ich mehr Freundinnen haben? Ist er vielleicht eifersüchtig? Der Arme!

Ich konnte mich kaum noch im Spiegel ansehen

Reporterin und Podcasterin Louisa Noack
In ihrem Podcast "Let's talk about sex" bespricht Louisa Noack Liebe, Lust und Zärtlichkeit.
Orion Dahlmann

Und dann hörte ich auf, laut zu lachen. Und ließ meine Yoga-Stunden weg. Und traf mich nur noch ganz selten mit meinen Freunden; einige sah ich monatelang gar nicht.

Doch an den Launen von Michael änderte das nichts. Wenn wir gemeinsam auf dem Sofa saßen, war es nicht nett. Wir unterhielten uns kaum. Zuhause war kein schöner Ort. Ich hatte ständig das Gefühl, etwas falsch zu machen. Ich hatte Angst, dass er sich jeden Moment trennen würde, wenn ich nicht lieb und artig bin.

Waren wir aber bei seinen Eltern oder mit Freunden unterwegs, war es immer super. Das tolle Paar! In den Augen der anderen waren wir einfach super schön und super toll.

Mir ging es nicht gut. Ich wusste, dass diese Beziehung einfach nicht schön ist. Trotzdem hielt ich daran fest. Ich war einfach abhängig. Seelisch und vor allem auch finanziell. Ich schrieb gerade meine Abschlussarbeit, hatte keinen Aushilfsjob mehr, die Miete, das Essen - das hätte ich alleine nicht finanzieren können. Außerdem liebte ich ihn. So sehr sogar, dass ich nach einem heftigen Streit und einer Trennung auf Zeit noch gebettelt habe, dass er zu mir zurückkommt. Irre. Meine Lebensfreude war dahin. Meine Freunde fragten mich, warum ich nicht mehr lachen würde. Meine Yoga-Lehrerin fragte, ob alles in Ordnung wäre. Meine Kumpels fragten immer seltener nach, ob ich abends mal Zeit hätte. Und ich konnte mich kaum noch im Spiegel ansehen.

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Endlich wieder ICH

Insgesamt waren wir vier Jahre zusammen. Die letzten Wochen der Beziehung waren hart, aber endlich eine Befreiung. Zu sehr machte mir die Situation zu schaffen. Ich wollte wieder ICH sein.

Unser letztes Gespräch? Er: „Schön, dass du nochmal reden willst“ - Ich: „Ok, was wollen wir besprechen?“ Er: „Ich will schon mit dir zusammen bleiben.“ Ich: „Aber ich darf zum Yoga und mich mit meinen Freunden treffen?“ Er: „Was? Du willst dich nicht ändern?“ Ich: „Nein“. Und das war’s.

Fazit: Auch wenn ich es damals nicht gemerkt habe, als ich mitten drin gesteckt habe: Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, kann ich mich selbst nicht verstehen. So etwas Verletzendes und Gemeines sollte niemand erleben.

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