Nach Todesfall auf Langstreckenflug

Was passiert, wenn ein Passagier im Flugzeug stirbt?

Flugzeug Gang
Was passiert, wenn während eines Fluges ein Todesfall eintritt?
Diy13, iStockphoto

Der tragische Todesfall einer britischen Mutter während eines Langstreckenfluges sorgt international für Bestürzung. Helen Rhodes flog mit ihren Kindern von Hong Kong über Frankfurt nach Großbritannien, als sie im Schlaf an Bord des Flugzeugs verstarb. Ihre Kinder mussten den Rest des stundenlangen Flugs neben ihrer toten Mutter verbringen.

Auch wenn ein solcher Todesfall während eines Fluges zum Glück nur selten vorkommt – er wirft die Frage auf: Was geschieht an Bord mit einer verstorbenen Person?

Drei Kategorien von Todesfällen im Flugzeug

Der Tod gehört zum Leben dazu – und nimmt auch keine Rücksicht darauf, ob jemand gerade eine Reise unternimmt. Auch in Flugzeugen kann es also passieren, dass jemand aus dem Leben scheidet. Das kommt „glücklicherweise nur extrem selten vor“, erklärt Eurowings-Pressesprecher Florian Gränzdörffer auf RTL-Anfrage. „Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass in den allermeisten Fällen, in denen es zu einem medizinischen Vorfall während des Reiseflugs kommt, ein Arzt an Bord ist. Darüber hinaus ist es in Europa aufgrund der sehr hohen Flughafendichte schneller als beispielsweise über dem Atlantik möglich, einen Ausweichflughafen anzusteuern und einen Passagier medizinisch versorgen zu lassen.“

Sollte der schlimmste Fall aber dennoch eintreten, passiert das meist aus einem von drei Gründen, wie Dr. Paulo Alves, medizinischer Direktor für Fluggesundheit beim Flugsicherheitsunternehmen MedAire, im Interview mit „BBC“ verrät:

  1. Beim Passagier tritt völlig unerwartet ein medizinischer Notfall ein
  2. Ein Passagier ist unheilbar krank und reist aus medizinischen Zwecken
  3. Ein Passagier, weiß, dass er oder sie krank ist, möchte aber trotzdem reisen

Nur ein Arzt kann den Tod erklären

Für solche und weitere Ernstfälle erhält die Flugzeugbesatzung ein spezielles Training, wie RTL-Redakteurin Svenja Hoffmann verrät. Sie hat insgesamt sieben Jahre lang als Flugbegleiterin bei zwei verschiedenen deutschen Airlines gearbeitet. „Eine Crew wirklich auf den Tod eines mitfliegenden Passagiers vorzubereiten, ist nahezu unmöglich. Eine solche Situation würde jeden erst einmal aus der Bahn werfen“, sagt sie. „Aber natürlich wird man als Flugbegleiter darauf vorbereitet, wie man in einem Ernstfall zu handeln hat. Man lernt, wie ein Mensch reanimiert wird, wie ein Defibrillator benutzt wird. Und dieses Wissen wird einmal im Jahr in einem speziellen Erste-Hilfe-Training aufgefrischt.“

Da erfahre man auch, wie anstrengend es ist, eine solche lebenserhaltende Maßnahme durchzuführen. Minutenlang werde eine Notsituation, wie sie auch an Bord vorkommen könnte, mithilfe eines Dummys trainiert – schließlich kann es im Ernstfall auch auf einem Flug eine ganze Zeit lang dauern, dass ein Passagier reanimiert werden muss. Denn: „Den Tod feststellen, das dürfen Flugbegleiter nicht. Das darf nur ein Arzt. Und bis das passiert, müssen die Flugbegleiter im Zweifel mit Hilfe von anderen Passagieren die lebenserhaltenden Maßnahmen durchführen.“

Zu dem Training zählt auch „der Umgang mit einer Situation, in der alle Bemühungen seitens der Crew oder eines mitreisenden Arztes nicht zu einer Stabilisierung oder Wiederbelebung eines erkrankten Passagiers führen“, erklärt die Fluggesellschaft Eurowings RTL. „Auf diese außergewöhnlichen Lagen sind Crews vorbereitet und tun alles dafür, die Situation so respektvoll und einfühlsam wie möglich zu bewältigen. Dies schließt dabei in erster Linie auch die intensive Betreuung von mitreisenden Familienangehörigen oder Verwandten ein.“

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Weiterfliegen oder notlanden?

„Ob sich die Crew zu einer außerplanmäßigen Landung entschließt oder aufgrund von anderen externen Faktoren den Weiterflug durchführt, ist von der jeweiligen Situation abhängig“, so Gränzdörffer, Pressesprecher von Eurowings. „Hier spielen Wetter, Treibstoff, Freigaben der Flugsicherung oder beispielsweise die Betreuungskapazität am gewählten Flughafen eine Rolle.“

„Manchmal möchten die Angehörigen mit dem Verstorbenen lieber bis zum Bestimmungsort weiterfliegen“, erklärt Dr. Alves im „BBC“-Interview. Doch es kann auch Gründe geben, einen Flug umzuleiten und zu einer früheren Möglichkeit zu landen. „Nehmen wir an, sie reisen von der Ostküste zur Westküste der USA, und sie sind erst eine Stunde im Flug, und es ist ein kleines Flugzeug, und jeder Sitzplatz ist besetzt“, beschreibt Heidi Macfarlane, Protokollexpertin und Vizepräsidentin für strategische Entwicklung bei MedAire gegenüber „BBC“. Dann könne die Crew auch entscheiden, „dass eine Reise von vier weiteren Stunden mit menschlichen Überresten an Bord zu emotional für die Besatzung oder die Familie ist.“

Wo wird der Leichnam aufgebahrt?

Einen designierten Ort, an dem ein Verstorbener im Flugzeug Platz findet, gebe es nicht, berichtet das Portal „Euflight.de“. Meist suche die Besatzung nach einem möglichst geeigneten Ort, zum Beispiel einer leeren Reihe oder, wenn möglich, einem abgetrennten Abteil. Nur wenn keine andere Möglichkeit gefunden wird, verbleibe der Verstorbene auf seinem Sitzplatz. (dhe)