Tierheimen droht Insolvenz trotz Überfüllung

So klappt die Adoption von Tieren mit Vorgeschichte

5. Februar 2019 - 15:13 Uhr

von Lauren Ramoser

Die deutschen Tierheime schlagen Alarm: Mehr als der Hälfte droht die Insolvenz. Zeitgleich platzen die Gehege vor sichergestellten und abgegebenen Tieren. Doch trotz Überfüllung ist es nicht so leicht, ein Tier aus dem Tierheim zu adoptieren, denn viele Faktoren müssen passen. Wir begleiten eine Katzenbesitzerin auf ihrem steinigen Weg zur Wunschkatze und zeigen im Video die ersten Momente im neuen Zuhause von Katze Scampi.

Immer mehr Haustiere landen im Tierheim

Der Deutsche Tierschutzbund schlägt Alarm, denn knapp 50 Prozent der Tierheime stehen vor der Insolvenz. Die Kommunen tragen nur einen Teil der Kosten, verlassen sich aber auf die Arbeit der Tierheime. Den Rest müssen die Heime über Spenden und durch die Schutzgebühren von vermittelten Tieren decken. Eine Tieradoption kostet zwischen 70 Euro für Katzen und etwa 200 Euro für Hunde.

In Deutschland gibt es rund 500 registrierte Tierheime, in denen jährlich mehr als 200.000 Tiere abgegeben werden. Etwa zwei Drittel dieser Tiere werden nach spätestens einem Jahr wieder vermittelt. Viele Tiere müssen aber auch weit länger ausharren.

Und selbst wenn ein Vierbeiner ein vermeintlich neues Zuhause gefunden hat, kann es sein, dass er sich dort nicht wohlfühlt, unsauber wird oder sich mit den neuen tierischen und menschlichen Familienmitgliedern nicht zurechtfindet und dann wieder abgegeben wird.

Tiere mit Vorgeschichte

Im Tierheim Köln-Zollstock leben aktuell viele Tiere, die ihren Besitzern von Ämtern abgenommen wurden. Elke Sanz ist für die Katzen im Heim verantwortlich und kennt die Probleme, die das mit sich zieht. "Wir haben einige Tiere aus Sicherstellungen, die belegen Platz und die 'normalen' Hunde und Katzen kommen ja trotzdem und das staut sich ganz schön an", erzählt die Tierpflegerin.

Denn sichergestellte Tiere können nicht so einfach weitervermittelt werden, schließlich sind sie auf dem Papier in Obhut des Veterinäramts. Und hier macht die deutsche Bürokratie keine Ausnahmen – das kann dauern.

Katze Scampi hat ein neues Zuhause gefunden

Diese lange Wartezeit kennt auch Anne Wenselowski. Die Kölnerin hat Monate auf ihre Wunschkatze gewartet. Jetzt ist Scampi endlich bei ihr eingezogen, allerdings nur als Pflegekatze.

Um anderen Mut zu machen und die Angst vor der Tieradoption aus dem Tierheim zu nehmen, hat Anne einen Instagram-Account für Katze Scampi eingerichtet. Lustig und selbstironisch gibt sie Tipps aus ihrem Katzenalltag und zeigt Scampis neues Leben.

Vor einem Tier aus dem Tierheim schrecken viele Menschen zurück. Schließlich haben die Vierbeiner eine Vorgeschichte und oft schon schlechte Erfahrungen gemacht. Scampi ist eine Sicherstellung und wurde ihrer vorherigen Besitzerin abgenommen, weil die sich nicht mehr ausreichend um ihre zahlreichen Vierbeiner kümmern konnte. In erst vier Lebensjahren hat Scampi also schon viel durchgemacht - daher weiß niemand, wie sie sich im neuen Zuhause entwickelt.

Mit diesen Tipps klappt die Tier-Adoption:

  • Ehrlich sein: Tierheim-Pfleger sollten einen genauen Überblick über Wünsche, Wohnung und Zeitaufwand haben, um das passende Tier zu finden
  • Sich und dem Tier Zeit zur Eingewöhnung geben
  • Keine festen Vorstellungen: Wer sich nicht auf Rasse oder Alter festlegt, hat mehr Optionen, das charakterlich passende Tier zu finden

Viele angehende Tierbesitzer haben ganz genaue Vorstellungen und sind dann schnell enttäuscht. Das Problem kennt auch Katzenpflegerin Elke Sanz vom Tierheim Köln-Zollstock: "Die Leute wollen erstmal alle ein junges, zutrauliches Tier, das gesund ist. Aber es kann ihnen keiner garantieren, dass das auch so bleibt."

Mit Geduld und Feingefühl warten in deutschen Tierheimen viele tolle Tiere, die nur auf ein schönes Zuhause warten.