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Ticket-Betrug bei der Bahn: Berliner Studentin werden mehr als 11.000 Euro vom Konto abgebucht

Eine Frau kauft online ein Ticket bei der Deutschen Bahn
Die neue Stornoregelung bei Sparpreisen ermöglichte Online-Betrügern neue Methoden. © picture alliance

Online-Abzocke durch neue Stornoregelung bei Sparpreisen

Als eine 20-Jährige Studentin ihren Kontostand checkt, ist sie geschockt: Statt der überschaubaren Kosten für ein Onlineticket von Halle nach Berlin hat die Deutsche Bahn unglaubliche 11.213,90 Euro abgebucht. Die Studentin wurde Opfer einer neuen Betrugsmasche, bei der Kriminelle sich die neue Regelung der Bahn bei stornierten Tickets zunutze machen. Wie viele Kunden davon betroffen sind, ist noch unklar.

Stornogutscheine sind nicht an Käufer gebunden

Zwar stellt die Deutsche Bahn laut dem Bericht des Berliner Kuriers klar, dass keine Konten bei bahn.de oder in der DB-Navigator-App gehackt wurden - dennoch melden derzeit offenbar zahlreiche Kunden, dass im Namen der Bahn mehrere Tausend Euro von ihren Konten eingezogen worden sind.

Möglich wurde diese neue Methode des Online-Betrugs erst durch den neuen Umgang der Bahn mit Stornierungen: Wer bis Juli ein Sparpreisticket wieder abbestellte, musste 19 Bearbeitungsgebühr zahlen, der Restbetrag wurde ausgezahlt. Seit dem 1. August fallen nur noch 10 Euro an, der Rest wird jedoch nur noch als Gutschein zurückgegeben. Dieser kann etwa für neue Fahrkarten oder eine Bahncard eingesetzt werden. Der Knackpunkt: Er ist nicht personengebunden und kann an Dritte weitergegeben werden.

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Betrüger greifen Login-Daten und Gutscheine ab

Die Betrüger greifen einem Ermittler zufolge zunächst E-Mail-Zugangsdaten bei zwei großen Providern ab, geben diese bei bahn.de ein und fordern anschließend ein neues Passwort an. Dann bestellen sie Sparpreistickets, stornieren sie sofort wieder und lassen sich die entstandenen Gutscheine an ihre eigene Mailadresse schicken. Abgebucht werden die Transaktionen jedoch vom Konto der unwissenden Kunden. Mit den Gutscheinen kaufen die Täter im nächsten Schritt neue Tickets, die sie im Internet anbieten.

Der Bundespolizei, die für Straftaten zum Nachteil der Bahn zuständig ist, ist die neue Betrugsmasche bereits bekannt, wie der Berliner Kurier berichtet. So gingen offenbar vor allem zu Fällen im September und Oktober in mehreren Bundesländern Anzeigen ein – wie viele genau, gibt die Behörde nicht an. Neben der Deutschen Bahn seien auch große Agenturen für Konzerttickets sowie Versandhäuser betroffen.

Betroffene sollen Lastschrift widerrufen und Anzeige erstatten

Die Bahn selbst hält bisher an ihrer Stornogutschein-Regelung fest, schränkte jedoch die Summe für Lastschriftabbuchungen ein: Sparpreistickets über 150 Euro können online jetzt nur noch mit Sofortüberweisung oder Kreditkarte bezahlt werden. Ein Sprecher empfiehlt: "Stellen Kunden unberechtigte hohe Abbuchungen für Fahrkarten von ihrem Konto fest, dann sollten sie die Lastschrift durch ihre Bank widerrufen lassen und sich umgehend mit uns in Verbindung setzen. Wir wollen natürlich nicht, dass den Kunden durch diese betrügerischen Aktivitäten irgendein Schaden entsteht." Zudem sollten Betoffene umgehend Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

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