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Therapie gegen Stottern bei Kindern: Ab wann ist sie nötig?

Das müssen Eltern dazu wissen

Stottern bei Kindern: Ab wann brauchen sie eine Therapie?

Therapie gegen Stottern
Logopädie hilft Kindern, die Stottern
Dmitry Mordvintsev

Mein Kind stottert - was nun?

Stottern bei kleinen Kindern ist gar nicht so selten: Etwa jedes zwanzigste Kind entwickelt diese Sprachstörung, meist im Alter von zwei bis fünf Jahren. Beim Großteil gibt sich das bis zur Pubertät wieder, aber eben nicht bei allen Kindern: Etwa ein Viertel stottert auch noch im Erwachsenenalter. Was Eltern tun sollen, wenn sie bei ihrem Kind erste Anzeichen von Stottern bemerken, erfahren sie in diesem Artikel.

Was zählt als Stottern?

Die meisten kleinen Kinder reden nicht flüssig, sondern auch mal durcheinander. Sie brechen Sätze ab, finden nicht immer das richtige Wort oder wiederholen Satzteile. All das zählt aber nicht als Stottern. Die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS) erklärt, auf welche Anzeichen Sie als Eltern achten sollten:

Einzelne Wortteile werden sehr gedehnt ("wwwarm"), Wortteile werden wiederholt ("k-k-k-kalt"), beim Sprechen treten stumme oder hörbare Blockaden auf ("----Block") oder das Kind strengt sich beim Sprechen sichtbar an.

Was mache ich, wenn ich diese Anzeichen bemerke?

Wenn Sie bei Ihrem Kind ein leichtes Stottern bemerken, müssen Sie nicht gleich in Panik ausbrechen. Logopädin Martina Wiesmann vom BVSS empfiehlt allerdings: "Abwarten ist hier keine Lösung. Denn gerade aufgrund der Unsicherheit, ob das Kind nun dauerhaft stottern wird oder nicht, ist es gut, wenn Eltern sich frühzeitig beraten lassen, wie sie ihr Kind unterstützen können und ob oder welche Therapie bereits sinnvoll ist."

Spätestens, wenn einer der drei folgenden Fälle zutrifft, sollten Sie sich beraten lassen:

  1. Wenn das Kind sichtbar unter den eigenen Sprachschwierigkeiten leidet. Das können Grimassen sein, die das Kind aus Anstrengung beim Sprechen zieht. Vielleicht macht es auch sogenannte "Körpermitbewegungen", schlägt sich also zum Beispiel beim Sprechen aufs Bein. Oder es vermeidet es zunehmend, überhaupt zu sprechen
  2. Wenn sich ein oder beide Elternteile größere Sorgen machen. Denn die Sorge überträgt sich auch aufs Kind, das sein Sprechen dann als etwas Schlechtes empfindet
  3. Spätestens aber, wenn die Sprachunflüssigkeit ein halbes Jahr oder länger anhält
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Wo bekomme ich Hilfe?

Suchen Sie sich einen Logopäden oder akademischen Sprachtherapeuten, der sich auf Stottern spezialisiert hat. Am besten auf Stottern bei Kindern, da sich die Therapie von der für Erwachsene unterscheidet. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Eine kostenlose telefonische Beratung bietet die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS) , Telefon: 0221-139 1106. Die dortigen Fachberater können Ihnen auch Adressen von geeigneten Therapeuten nennen.

Es gibt auf dem Markt zahlreiche Therapieangebote, sogar Online-Stottertherapien, wie von der Kasseler Stotterhilfe . Allerdings sind leider nicht alle Anbieter seriös. Die BVSS nennt Merkmale, an denen Sie seriöse Therapien erkennen:

  • es wird keine Heilung versprochen
  • die Therapie ist auf eine ausreichende Länge angelegt
  • es werden auch Übungen außerhalb des Therapieraums durchgeführt
  • dem Patienten wird gezeigt, wie er das Gelernte im Alltag anwenden kann
  • es gibt ein Nachsorgeprogramm
  • es gibt ein Programm für Rückfälle

Kann das Stottern durch eine Therapie geheilt werden?

Logopädin
In der Sprachtherapie lernen Kinder, besser mit dem Stottern umzugehen
iStockphoto

Bei vielen Kindern verschwindet das Stottern, bis sie die Pubertät erreicht haben. Entweder von selbst oder durch die Unterstützung einer Therapie. Ob das Stottern letztendlich passiert, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Die Erfahrung zeigt, dass Behandlungen eine größere Chance auf Erfolg haben, wenn sie in einem jungen Alter starten.

In einer solchen Therapie werden übrigens auch die Eltern intensiv mit eingebunden. Sie lernen, wie sie ihrem Kind am besten helfen.

Hält sich das Stottern auch nach der Pubertät, ist es leider so gut wie ausgeschlossen, dass die Sprachstörung noch verschwindet. Therapien zielen dann darauf ab, den Betroffenen Hilfestellungen an die Hand zu geben, mit denen sie leichter sprechen und ihre Sprechangst überwinden können.

Woher kommt das Stottern?

Stottern ist kein psychisches Problem, sondern ein körperliches. Warum genau manche Menschen stottern und andere nicht, ist noch nicht genau erforscht. Es scheint aber eine genetische Veranlagung dazu zu geben. Veranlagung heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand stottert, ist höher als bei Menschen ohne Veranlagung, es muss aber nicht dazu kommen. Mehr über die Ursachen erfahren Sie in diesem Artikel.

Für betroffene Eltern ist es auf jeden Fall wichtig zu wissen, dass sie am Stottern ihres Kindes nicht schuld sind. Sie können aber einiges tun, um es in dieser nicht immer leichten Situation zu unterstützen.