"Für mich persönlich ein kleiner Schritt, aber wahrscheinlich ein großer Schritt für die Gesellschaft"

Tessa Ganserer: Die erste offen transidente Politikerin Deutschlands

Tessa Ganserer: Erste transidente Politikerin Abgeordnete in Bayern
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Abgeordnete in Bayern
Tessa Ganserer: Erste transidente Politikerin

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Tessa hieß früher Markus Ganserer

Tessa Ganserer ist Abgeordnete der Grünen im Bayerischen Landtag. Der 23. Januar 2019 ist für sie ein besonderer Tag, denn heute wird sie das erste Mal an einer Plenarsitzung des Parlaments teilnehmen. Das erste Mal als Tessa. Denn der Mensch, der hinter dem Namen Tessa steckt, sitzt bereits seit 2013 im bayrischen Parlament. Allerdings die letzten fünf Jahre noch als Markus Ganserer, wie sich Tessa vorher nannte. Tessa ist transident. Sie wurde mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren, identifiziert sich aber mit dem weiblichen Geschlecht. Und jetzt, mit 42 Jahren, will Tessa auch nicht mehr als Mann, sondern als Frau leben. Sie ist damit die erste offen transidente Frau in einem deutschen Parlament.

Viele Kollegen im Bayerischen Landtag haben positiv reagiert

Es ist für alle eine Umstellung. Für Tessa ist es ungewohnt, sich auch an ihrem Arbeitsplatz als Frau zu zeigen. Sie trägt eine Perücke, einen schicken Rock, etwas Lippenstift. Bis zum Ende des letzten Jahres lebte sie nur heimlich als Frau, zu Hause und unter Freunden. Als Markus Ganserer hat sie geheiratet und auch zwei Kinder bekommen. Ihre Ehefrau weiß bereits seit einigen Jahren, dass Tessa transident ist. "Ich bin da sehr dankbar, dass sie mich die ganze Zeit begleitet und unterstützt hat, alleine hätte ich das gar nicht durchgestanden", erzählt Tessa im RTL-Interview. Und auch viele Kollegen haben positiv auf Tessa als Frau reagiert. Wie die Abgeordneten im bayrischen Landtag mit ihrer Verwandlung umgehen, zeigt unser Video.

Für die Betroffenen ist das Leben mit dem falschen Geschlecht ein langer Kampf

Markus Ganserer
Tessa Ganserer war 42 Jahre lang Markus Ganserer. Jetzt führt sie ein Leben als Frau.
deutsche presse agentur

Wie schwer das Leben im falschen Körper wirklich ist, können wohl nur Betroffene nachfühlen. "Das ist kein Entschluss, das ist keine Entscheidung. Ich kann mir meine Geschlechtsidentität nicht aussuchen, ich kann sie auch nicht ablegen wie ein Kleidungsstück", erklärt die Politikerin. Für die Betroffenen sei es oft ein jahrelanger Kampf, sich selbst anzuerkennen. Auch Tessa litt lange darunter, nicht sie selbst sein zu können. Irgendwann ging es dann nicht mehr, das Leben als Mann. "Es war nicht die Frage, ob ich mich für irgendwas entscheide, sondern es war die Frage, möchte ich überhaupt noch weiter leben. Dieses Coming Out war ein klares Bekenntnis zum Leben."

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Noch sind transidente Menschen in der Gesellschaft nicht vollständig toleriert und akzeptiert

Ein großes Hindernis auf dem Weg zum Coming Out ist für transidente Menschen nach wie vor die Haltung der Gesellschaft. Nicht alle akzeptieren Menschen wie Tessa. Gerade in den sozialen Medien wurde Tessa nach ihrem Schritt, fortan als Frau zu leben, stark angefeindet. "Es sind teilweise vulgäre Worte dabei, wo sich jede Mutter für ihr Kind schämen würde", erzählt sie uns im Interview. Umso wichtiger ist es deshalb, dass transidente Menschen im Alltag sichtbarer werden. Und Tessa zeigt, wie das möglich ist: Als erste offen transidente Person in einem deutschen Parlament. "Für mich persönlich ein kleiner Schritt, aber wahrscheinlich ein großer Schritt für die Gesellschaft."

Warum transident und nicht transsexuell?

Lange Jahre sprach man von transidenten Personen als Transsexuelle. Dieser Begriff ist aber heute umstritten, da Transidentität nichts mit der Sexualität der betreffenden Person zu tun hat, sondern mit dem nach außen sichtbaren Geschlecht. Daher hat sich für Menschen wie Tessa, die sich im falschen Körper fühlen, der Begriff Transidente oder Transgender etabliert. Vielen Trans*-Menschen ist diese Unterscheidung sehr wichtig. Auch der Begriff "Transvestit" für transidente Menschen ist nicht richtig. Transvestiten leben ihre "andere" Seite aus, indem sie sich entsprechend kleiden. Im Gegensatz zu Transmenschen fühlen sie sich in der Regel aber wohl mit ihrem körperlichen Geschlecht.