Tandemstillen

Baby und Kleinkind gleichzeitig an der Brust: Ist das okay?

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26. Juli 2019 - 13:09 Uhr

Janni Hönscheid ist glücklich mit „Doppel-Belegung“

An der einen Brust saugt der zweijährige Emil-Ocean, an der anderen die neugeborene Tochter Yoko: Janni Hönscheid, Frau von Moderator Peer Kusmagk, lächelt glücklich in die Kamera. Sie hat sich für das sogenannte Tandemstillen entschieden, bei dem sowohl das ältere Geschwisterkind als auch das kleine Baby Milch bekommt. Ist das denn für beide sicher?

Kann Stillen während der Schwangerschaft Wehen auslösen?

Frauen, die ihr erstes Kind noch nicht abgestillt haben und dann erneut schwanger werden, müssen sich keine Sorgen machen: Weiterstillen ist völlig ungefährlich. Zwar wird dabei das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das während der Geburt Gebärmutterkontraktionen auslöst – doch bis kurz vorher ist die Gebärmutter "fast vollständig taub für Oxytocin, egal, wie viel sie davon erhält", wie die Webseite stillkinder.de die zertifizierte Stillberaterin Diane Wiessinger zitiert. Die Autorin weist außerdem darauf hin, dass Oxytocin auch bei einem Orgasmus oder sogar bei einem schönen Abend mit Freunden ausgeschüttet wird.

Nimmt das ältere Kind dem Baby die Nährstoffe nicht weg?

Laut Wiessinger gibt es tatsächlich kaum Mütter, die in der neuen Schwangerschaft keinen Rückgang der Milchmenge bemerken. Manche Kleinkinder reagieren auf den Verlust von Menge oder Süße der Milch und wollen selbst weniger an die Brust oder stillen sogar selbst ab, bevor das Geschwisterchen auf die Welt kommt.

Will das große Kind aber wie gehabt weitertrinken, betont die Expertin: "Es wird reichlich Milch für zwei da sein, wenn es sich entscheidet, weiterzumachen (oder wieder anzufangen, nachdem es in der Schwangerschaft aufgehört hatte). Es kann sein, dass es sich abstillt, weil ihm die viele Milch nicht gefällt – oder es entwickelt still und leise ein ordentliches Doppelkinn!" Grund dafür: Die extrem nährstoffhaltige Vormilch - Kolostrum genannt - die der weibliche Körper kurz nach der Geburt produziert.

Im Video: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen?

Wie jede Stillentscheidung: Ein ganz individueller Weg

Die meisten schwangeren Mütter stellen fest, dass sie das ältere Kind nicht mehr so gerne wie vorher stillen, so Wiessinger – sei es wegen empfindlichen Brustwarzen, richtigen Schmerzen oder allein aus dem Gefühl heraus. Andere, die gerade ihr zweites Baby bekommen haben, nehmen laut der Stillberaterin wiederum gerne die "Hilfe" des älteren Kinds in Anspruch, wenn sie den Milcheinschuss oder einen Milchstau haben.

Gerade die Beziehung zwischen den Geschwistern kann durch das Tandemstillen gefördert werden: Das große Kind kann sich in aller Ruhe ans Geschwisterchen gewöhnen, und nicht selten tauschen die Kinder an der Brust liebevolle Berührungen aus. Ob es letztendlich mit dem Parallelstillen klappt und sowohl Kindern als auch Mutter gut tut, ist jedoch bei jeder Familie unterschiedlich. Wiessinger betont: "Jede Erfahrung ist anders und es gibt keinen falschen Weg, solange du deinem Herzen folgst."