Zwei bis fünf Tage nach der Geburt werden die Brüste deutlich größer

Gesundheitslexikon: Milcheinschuss

27. November 2019 - 12:25 Uhr

Milcheinschuss - der Start in die Stillphase

In der medizinischen Fachsprache steht Milcheinschuss im weitesten Sinne für den Beginn der Stillphase, den Frauen unmittelbar nach der Geburt eines Kindes erleben. Im weiblichen Körper verändert sich mit dem erlebten Geburtsvorgang von den Hormonen bis hin zur Psyche einiges. Der Milcheinschuss bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die nachgeburtlichen Veränderungen der Brustdrüse (Mamma). Unter der Steuerung von Hormonen beginnt die Mamma schon während der Schwangerschaft mit der Vormilchproduktion. Beim Milcheinschuss wird die erste Vormilch rund zwei bis fünf Tage nach der Geburt zur Muttermilch.

Was ist der Milcheinschuss?

Der Milcheinschuss ist eine Phase der Laktation. Als solche werden Prozesse zusammengefasst, die im weiblichen Körper zwischen Schwangerschaftsbeginn und Stillphase stattfinden und die Bildung von Muttermilch betreffen. Grob lässt sich die Laktation in Laktogenese, Galaktogenese und Galaktopoese unterteilen. Die Laktogenese ist durch hormonelle Umstellungen geprägt, die die Zusammensetzung des Brustgewebes verändern. Während der Galaktogenese wird ab dem achten Schwangerschaftsmonat die prolaktingesteuerte Vormilchbildung eröffnet, die nach der Geburt der Plazenta in Muttermilchproduktion übergeht. Vor der Ausscheidung der Nachgeburt hemmt das darin gebildete Hormon Progesteron den Milcheinschuss. In der Phase der Galaktopoese erhalten Laktationsreflexe die Muttermilchproduktion aufrecht.

Wer bekommt einen Milcheinschuss?

Die Ernährung des Nachwuchses ist evolutionsbedingt Aufgabe der Frau. Den in diesem Zusammenhang ernährungsrelevanten Milcheinschuss erleben deshalb alle Frauen, die ein Kind geboren haben. Das gilt, insofern sie einen physiologischen Hormonspiegel sowie funktionsfähiges Brustgewebe besitzen. Obwohl Frauen mit Brustimplantaten keine physiologischen Brüste mehr haben, können sie an sich abhängig von der Art des Implantats oft trotzdem einen Milcheinschuss nachvollziehen. Keinen oder nur beschränkten Milcheinschuss erleben Frauen mit Sekretions- oder Produktionsstörungen des Hormons Prolaktin. Auch ein dauerhaft erhöhter Progesteron- oder Östrogenspiegel hemmt den Milcheinschuss.

Wie kommt es zum Milcheinschuss?

Die Laktationsprozesse finden vollautomatisch statt und hängen vom schwangerschaftlichen sowie nachschwangerschaftlichen Hormonspiegel ab. Während den Prozessen der Laktogenese und Galaktogenese differenziert sich das Drüsengewebe in der Brust unter dem Einfluss von Prolaktin aus, was die Bildung von Vormilch bewirkt. Mit der Geburt der hormonproduzierenden Plazenta sinken Progesteron- und Östrogenspiegel im Körper frischgebackener Mütter ab. Prolaktin bindet danach an die während der Schwangerschaft von Progesteron besetzten Prolaktinrezeptoren" und initiiert damit die Muttermilchproduktion. Dieser Milchproduktionsprozess wird von verstärkter Brustdrüsendurchblutung begleitet. Mütter bemerken die Milchproduktion an folgenden Symptomen:

  • pralle, schmerzhaft geschwollene Brüste
  • sich abzeichnende Brustvenen
  • leichtes Fieber.

Warum erleben manche Mütter den Milcheinschuss ohne Symptome?

Ob frischgebackene Mütter den Milcheinschuss als etwas Schmerzhaftes, Langwieriges oder Ähnliches erleben, hängt von vielen Faktoren ab. Je mehr intravenöse Flüssigkeit werdende Mütter während der Geburt beispielsweise erhalten, desto eher schwillt und schmerzt das Brustgewebe beim Milcheinschuss. Auch Wassereinlagerungen während der Spätschwangerschaft lassen den nachgeburtlichen Milcheinschuss heftiger ausfallen. In einigen Fällen verhindert eine starke Brustschwellung die Milchproduktion bis nach Tag neun. Je geringer die Schwellung, desto schneller kann das Stillen beginnen. An stärker geschwollenen Brüsten haben Neugeborene oft Saugprobleme, was sich wiederum negativ auf die Milchbildung auswirkt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.