RTL-Versicherungsexperte Timo Heitmann beantwortet die wichtigsten Fragen

Sturmschäden: Wer haftet wann wofür?

Versicherungsexperte Timo Heitmann ist auch als "Versicherungsdetektiv" bekannt.
Versicherungsexperte Timo Heitmann ist auch als "Versicherungsdetektiv" bekannt.
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21. Oktober 2021 - 16:15 Uhr

Ihre Fragen an RTL-Versicherungsexperten Timo Heitmann

Der Herbst ist da und die ersten Herbststürme sorgen in Deutschland bereits für Unwetter-Chaos. Am Donnerstagmorgen raste sogar ein Tornado durch Schwentinental bei Kiel und hinterließ dabei eine "Schneise der Verwüstung" auf etwa 100 Metern Breite, wie die Feuerwehr berichtet. Aber was passiert, wenn durch einen Sturm Schäden am Haus, der Wohnung oder dem Auto entstehen? Welche Versicherung greift wann ein? RTL-Versicherungsexperte Timo Heitmann, bekannt aus der RTL-Serie "Die Versicherungsdetektive", beantwortet Ihre Fragen.

Wann habe ich überhaupt Anspruch auf Schadenersatz?

Bei Schäden am Haus, am Auto, Kleidung oder Mobiliar haben Sie Anspruch auf Schadensersatz, sofern Sie eine Hausratversicherung besitzen.

Wenn der Sturm beispielsweise eine verschlossene Tür eindrückt, der Hagel ein Dach oder die Fassade zerschlägt oder Regen Möbel oder Kleidung beschädigt, dann übernimmt die Hausratversicherung die Kosten für die Wiederbeschaffung - und zwar zum Neuwert.

Wichtig zu wissen: Das Unwetter muss zunächst das Haus beschädigt haben. Falls der Schaden durch ein offenstehendes Fenster entstanden ist, zahlt die Versicherung nicht.

Im Video: Hausratversicherungen im Test: Wer vergleicht, kann hunderte Euro sparen

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Wann haftet welche Versicherung?

Es ist wichtig, zu unterscheiden, wo welcher Schaden passiert:

  • Schäden an Haus oder Wohnung → Wohngebäudeversicherung
  • Schäden an Kleidung und Gegenständen → Hausratversicherung
  • Schäden am Auto → Kaskoversicherungen
  • Schäden durch Überschwemmungen → Elementarschaden-Versicherung


Wichtig zu wissen: Bei Sturm gilt die Grundregel: Der Wind muss mit Stärke 8 - das sind mindestens 61 km/h - geweht haben, sonst muss die Versicherung nicht zahlen.

Versicherungsexperte antwortet auf RTL-Zuschauer-Fragen

Im Februar 2020 fegte Sturmtief "Sabine" durch Deutschland und richtete einige Schäden an. Damals durften RTL-Zuschauer auf der "Guten Morgen Deutschland"-Facebook-Seite Fragen stellen. RTL-Versicherungsexperte Timo Heitmann antwortete!

+++ Susi Engel: Die Tanne von meinem Nachbarn gefällt mir ganz und gar nicht. Wenn sie fällt, dann direkt bei uns ins Haus bzw. Dach. Wer kommt dafür auf: seine Versicherung oder meine? +++

Primär kommt dafür die eigene Gebäudeversicherung auf - das hat den Vorteil, dass man sich nicht mit dem Nachbarn streiten muss. Je nach Windstärke und je nach Pflegezustand des Baumes wird nachgelagert vom Gebäudeversicherer geprüft, inwieweit Schadensersatzansprüche des Betroffenen gegen den Nachbarn geltend gemacht werden können.

+++ Steve Wetzig: Welche Unwetterschäden übernimmt überhaupt die Versicherung?! +++

Sturm und Hagel sind die Grundgefahren bei Hausrat- beziehungsweise Gebäudeversicherung. Wenn Starkregen und Überflutung von Grund und Boden dazu kommt, sollte man im Rahmen seiner vorgenannten Versicherung zusätzlich eine Elementarschadendeckung abgeschlossen haben.

+++ Jessica Wittmann: Unser Auto parkt direkt gegenüber auf einem öffentlichen Parkplatz. Wir Anwohner selbst haben keine. Zahlt mir da irgendjemand den Schaden, wenn einer aufkommt? Ich glaube nicht, dass wir in der Versicherung gegen Sturmschäden versichert sind. +++

Dafür kommt die eigene Kfz-Teilkasko-Versicherung auf.

+++ Kathleen Pilz: Ich habe mein Vogelhäuschen vergessen rein zu stellen und es steht bissl nah am Fenster. Greift die Versicherung, wenn es beim Umfallen Schäden am Fenster verursacht? +++

Dafür kommt definitiv die Gebäudeversicherung auf. Wenn ich Mieter bin hat der Vermieter in der Regel eine Gebäudeversicherung abgeschlossen. Wenn Sie Eigentümer sind, sollten Sie eine eigene Gebäudeversicherung  abgeschlossen haben - sonst tragen Sie den Schaden selbst.

+++ Jana Heimann: Ich bin seit 3 Jahren Pächter eines Kleingartens im Kleingartenverein. Wenn die riesigen Tannen umkippen, wer kommt dann für den Schaden auf anderen Grundstücke auf? +++

Die Frage lässt sich so auf die Schnelle leider nicht vollständig beantworten. Es kommt auf Aspekte an wie: Wer trägt die Gefahr/Verantwortung für den Baumbestand? Ist es der Eigentümer oder wird die Verantwortung über den Pachtvertrag übertragen? Die nächste Frage ist: Sind die Bäume in gepflegtem und ordnungsgemäßen Zustand? Zum Beispiel: Bäume müssen in der Regel zweimal im Jahr von einem Profi inspiziert werden - belaubt und unbelaubt. Morsche Äste werden dann erkannt und entfernt. Als Faustformel gilt: Je stärker der Sturm und je gepflegter der Baum desto geringer ist das Verschulden des Einzelnen. Unabhängig wären noch Ansprüche aus Nachbarschaftsrecht zu prüfen - dies würde hier aber jetzt zu weit gehen. Idealerweise versichert sich jeder nach Bedarf gegen das Sturmrisiko.

+++ Jessica Brockmeyer: Wir waren heute morgen unterwegs, da war der Wind nicht so stark wie jetzt, aber es reichte, um dickere Äste von den Bäumen abzuknicken. Diese Äste sind während der Fahrt auf unser Auto gefallen und jetzt haben wir wie so Steinschläge an der Windschutzscheibe. Welche Versicherung greift da? +++

Glück im Unglück in diesem Fall. Wenn die Scheibe gebrochen ist, kommt dafür die eigene Kfz-Teilkasko-Versicherung auf.