Sie könnten später Leben retten!

Darum sollte man Milchzähne niemals wegwerfen

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22. Juli 2019 - 16:50 Uhr

Stammzellen aus Milchzähnen sind Multitalente!

Wenn die ersten Zähnchen ausfallen, ist das für Kinder ein großes Ereignis. Sie werden größer, bekommen bald die "richtigen" Zähne – und dürfen sich sogar über eine Belohnung von der Zahnfee freuen. Doch Wissenschaftlern zufolge können Milchzähne sogar noch viel mehr. Deshalb sollten Eltern diese besser aufbewahren.

Die Erinnerungskiste in der Schublade reicht leider nicht

Einige tun dies sowieso schon. Die ausgefallenen Zähnchen landen zusammen mit der ersten abgeschnittenen Haarlocke in einer Erinnerungsbox. Doch wenn man die Vorteile von Milchzähnen nutzen möchte, um später sogar Krankheiten des Kindes heilen zu können, sollte man die Aufbewahrung an eine Forschungseinrichtung abgeben. Denn um die nützlichen Stammzellen zu konservieren, bedarf es einer besonderen Behandlung.

Aber erst einmal: Was bringen Milchzähne den Wissenschaftlern zufolge überhaupt?

Stammzellen aus Milchzähnen können bei verschiedenen Behandlungen eingesetzt werden

Grund für den Tipp an Eltern, die Milchzähne ihrer Kleinen aufzubewahren, ist eine Studie von Forschern des National Institutes of Health von 2003, die in "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlich wurde. Teamleiter Songtao Shi startete seine Untersuchungen, nachdem er im Markgewebe eines Milchzahns seiner Tochter Stammzellen fand. Bis zu 20 Zellen ließen sich in der Studie aus den Kinderzähnen gewinnen, die sich anschließend kultivieren und vermehren ließen.

"Mediziner gewinnen bereits seit Jahren erfolgreich Stammzellen aus Nabelschnurblut", zitiert der Spiegel Shi. "Unser Fund ist in mancher Hinsicht ähnlich, zumal es sich bei den Stammzellen in den Zähnen wahrscheinlich um verborgene Überbleibsel eines frühen Entwicklungsprozesses handelt." Im Gegensatz zu den Zellen aus dem Zahnmark Erwachsener sollen die aus Milchzähnen sogar schneller wachsen.

Was passiert mit den Zellen aus den Milchzähnen?

Im Labor werden die Stammzellen mit sogenannten Wachstumsfaktoren angereichert. Dadurch entwickeln sie Eigenschaften von anderen Zellarten – zum Beispiel Nervenzellen, Fettzellen oder Bindegewebszellen.

"Zahnmark hat ein regeneratives Potenzial und kann sich in viele verschiedene Arten von Zellen verwandeln. Sie gelten als neutrale Zellen", heißt es auf der Webseite der "Future Health Biobank", bei der man die Stammzellen seines Kindes lagern lassen kann. "Diese Tatsache kann es ermöglichen, Zellen in Gelenken, Muskeln, Knochen, Nerven und sogar ein verletztes Herz zu reparieren."

Wer sein Kind also jetzt schon für mögliche Krankheiten in der Zukunft absichern möchte, kann eine solche Stammzellenbank beauftragen, das Zahnmark der Milchzähne zu konservieren. Das ist mit rund 2.000 Euro für 20 Jahre Einlagerung jedoch nicht billig. Und da die Erkenntnisse noch relativ neu sind, gibt es keine Langzeitstudien dazu, ob die Zähne tatsächlich Leben retten konnten.