Stadt Ahlen pfändet Hund

Streit um Mopsdame Edda geht in die zweite Runde

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28. März 2019 - 14:13 Uhr

Die „Mops-Krise“ von Ahlen

Die kleine Mopsdame Edda sorgt für ordentlich Zündstoff. Der Grund: Wegen Steuerschulden wurde der Besitz einer Ahlener Familie gepfändet - darunter auch Hundedame Edda, die dann von der Stadt auf eBay versteigert wurde. Dafür hagelte es Kritik. Wie geht es dem kleinen Hund heute, und darf man überhaupt ein Tier pfänden?

Wie geht es Hundedame Edda heute?

750 Euro für einen reinrassigen Mops – klingt zu schön, um wahr zu sein. Ein städtischer Mitarbeiter hatte den Hund gepfändet und anschließend auf seinem privaten Ebay-Account als gesund und "mit Stammbaum" angepriesen. Und bei diesen großen Kulleraugen dauerte es natürlich nicht lange, bis Hundedame Edda eine neue Besitzerin gefunden hatte.

Mittlerweile lebt Edda unter den Namen Wilma in Wülfrath bei Wuppertal. Ende gut, alles gut? Falsch gedacht, denn die neue Besitzerin fühlt sich von der Stadt Ahlen getäuscht und verklagt sie. Denn Edda wurde als gesunder Hund angepriesen, hatte aber angeblich erhebliche gesundheitliche Probleme, sodass die neue Besitzerin Tierarztkosten in Höhe von 2500 Euro zahlen musste.

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Krisensitzung – „Ein Tier ist doch kein Pingpong-Ball!“

Schon seit Wochen ist das Thema um Hundedame Ella in den Schlagzeilen und hat es sogar in die "New York Times" geschafft. War die Pfändung und der anschließende Verkauf auf eBay tatsächlich rechtens? Immerhin handelt es sich hierbei um ein Lebewesen.

Um das zu klären, gab es kürzlich eine Krisensitzung im Ahlener Rathaus. Nun sieht es danach aus, dass Edda wieder zum ursprünglichen Besitzer zurückkommen soll: "Hier hat jemand aus unserer kreativen Verwaltung vielleicht eine Idee zu viel gehabt", erklärt Bürgermeister Dr. Alexander Berger und entscheidet: Die Stadt Ahlen ist bereit, die Pfändung ohne Anerkennung einer Rechtspflicht rückabzuwickeln. Voraussetzung hierfür sei, dass "die beteiligten Parteien damit einverstanden sind", hieß es in der Pressemitteilung.

Doch davon hält die neue Besitzerin gar nichts: "Ein Tier ist doch kein Pingpong-Ball, den man hin und her schieben kann", sagte sie der "Rheinischen Post". Immerhin sei ihr das Tier mittlerweile auch ans Herz gewachsen und sie würde keinesfalls einer Rückabwicklung zustimmen.

Edda hätte nicht gepfändet werden dürfen

Was mit Edda alias Wilma nun geschehen wird, ist immer noch unklar. Aber eins steht fest: Sie hätte nicht gepfändet werden dürfen, wie eine Sprecherin des Innenministeriums mitteilte: "Gepfändete Sachen sind auf schriftliche Anordnung der kommunalen Vollstreckungsbehörde öffentlich zu versteigern". Wer ein gepfändetes Tier auf einem privaten Ebay-Account anbiete, erfülle die vorgeschriebenen Voraussetzungen nicht. Demnach müsse die Stadt im Falle eines Rechtsstreits das Tier zurücknehmen und sämtliche Kosten übernehmen.

Hoher Wert kann Ausnahme bedeuten

Generell gilt gemäß § 811 c Abs. 1 ZPO, dass Tiere, die im häuslichen Bereich und nicht zu Erwerbszwecken gehalten werden, nicht der Pfändung unterworfen sind. Allerdings gibt es auch hier eine Einschränkung: "Auf Antrag des Gläubigers lässt das Vollstreckungsgericht eine Pfändung wegen des hohen Wertes des Tieres zu, wenn die Unpfändbarkeit für den Gläubiger eine Härte bedeuten würde, die auch unter Würdigung der Belange des Tierschutzes und der berechtigten Interessen des Schuldners nicht zu rechtfertigen ist", heißt es im Gesetz.