Sprachen lernen: So geht’s am besten

03. August 2015 - 11:15 Uhr

Suchen Sie sich die passende Sprache aus

Schon Herman Hesse brachte es auf den Punkt: "Jede neue Sprache, die wir lernen, ist ein Zuwachs an neuen Erlebnissen." Will man im Urlaub mit den Einheimischen in Kontakt treten, in fremde Kulturen eintauchen oder sogar auswandern, kommt man um das Erlernen der Fremdsprache nicht herum. Aber wie geht das eigentlich am besten?

Zuerst sollte man sich im Klaren sein, dass nicht jede Fremdsprache gleich schwierig ist. Die englische Sprache ist gut geeignet, da man in recht kurzer Zeit gute Erfolge erzielen kann. Außerdem ist Englisch besonders weit verbreitet, so dass man sich damit beinahe überall auf dem Planeten verständigen kann.

Für Deutsch-Muttersprachler bieten sich zum einfachen Lernen Sprachen an, die ebenfalls der germanischen Sprachfamilie entstammen. Besonders die skandinavischen Sprachen, allen voran Schwedisch und Norwegisch, sind sehr leicht zu erlernen.

Ungleich schwerer sind Sprachen mit einer vollkommen anderen Grammatik und fremden Schriftzeichen. In Europa gelten vor allem die finnougrischen Sprachen wie Ungarisch und Finnisch als besonders schwer. Außerhalb Europas stellen besonders die ostasiatischen Sprachen wie Chinesisch oder Japanisch die Lerner vor große Probleme. Aber lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Wenn Sie die ersten Lernerfolge haben, ist die Freude umso größer.

Um die Sprache zu lernen gibt es die verschiedensten Herangehensweisen. Das Angebot an Sprachführern, Lernsoftware, Lehrbüchern und Kursen ist nahezu unüberblickbar. Machen Sie sich zuerst Gedanken, wie weit Sie gehen wollen. Reicht Ihnen der kleine Plausch mit dem Zeitungsverkäufer im Urlaub, dann ist ein kleiner Sprachführer möglicherweise schon ausreichend. Sind Sie bestrebt, die Fremdsprache fließend und nahe dem Muttersprachniveau zu sprechen, dann kommen Sie um Sprachkurse und längerfristige Aufenthalte im Ausland nicht herum.

Lernen Sie nicht allein

Das wichtigste ist: Lernen Sie nicht allein. Um eine Sprache zu lernen, müssen Sie sie sprechen. Alles andere ist zum Scheitern verurteilt und bringt Ihnen bestenfalls passive Sprachkenntnisse ein.

Am besten geht das mit einem Sprachkurs. Zum einen sind Sie dann gezwungen regelmäßig teilzunehmen, zum anderen treiben sich die Teilnehmer oft gegenseitig zu neuen Lernerfolgen an. Dabei gibt es drei Möglichkeiten.

Volkshochschulen bieten Kurse in vielen gängigen Sprachen an. Der Vorteil hier ist, dass die Kurse in erträglichen Teilnehmerzahlen stattfinden. Sie haben genug Zeit die Sprache zu praktizieren. Außerdem finden die Kurse meist am Abend statt, was auch Berufstätigen die Teilnahme ermöglicht. Nachteil ist, dass die Kurse oft vergleichsweise langsam voranschreiten. Sie orientieren sich meist an einem Lehrbuch, welches über mehrere Kurse gezogen wird. Volkshochschulkurse sind vor allem für Menschen geeignet, die schon länger aus dem schulischen oder universitären Lernrhythmus heraus sind, oder Menschen, die beruflich zu stark eingebunden sind. Die Kosten liegen meist bei 70-80 Euro je Kurs.

Eine weitere Möglichkeit sind Kurse an Universitäten. Dort können Sie sich als Gasthörer einschreiben um an den Kursen teilzunehmen. Vorteil in den Universitäten ist, dass sie dort nahezu jede mögliche Sprache der Welt lernen können. Auch wenig verbreitete Sprachenkurse wie Isländisch oder Swahili finden sich dort im Programm. Zu bedenken ist aber, dass die Kurse meist tagsüber stattfinden, und ein sehr hohes Lerntempo und selbstständiges arbeiten zuhause erfordern. Außerdem muss man damit rechnen, dass bei sprachen wie Französisch oder Spanisch an größeren Universitäten schnell dreistellige Teilnehmerzahlen zustande kommen. Dafür sind die Kosten ein gutes Argument für diese Kurse. Der Semesterbeitrag als Gasthörer beläuft sich oft um 100 Euro, ist aber je nach Universität unterschiedlich.

In vielen größeren Städten oder Regionen finden sich Kulturinstitute einzelner Länder, wie zum Beispiel das Japanische Kulturinstitut oder das Institut français. Der entscheidende Vorteil dieser Angebote ist, dass die Kurse in sehr kleinen Gruppen oder im Einzelunterricht durchgeführt werden und ein intensives Sprachtraining in sehr kurzer Zeit erfolgt. Dafür sind diese Kurse etwas teurer, als die anderen Varianten.

Aber auch die Kurse allein reichen nicht aus, um eine Sprache wirklich zu erlernen. Sie kommen nicht umhin selbstständig zuhause dafür etwas zu tun. Dabei gibt es einige Hilfen. Kaufen Sie sich Karteikarten und schreiben die Vokabeln auf, mit der Übersetzung auf der Rückseite. Dann können Sie auch die Zeit in der Bahn oder beim Arzt nutzen, um die Vokabeln zu lernen.

Übersetzen Sie Texte von Liedern, aus Zeitungen oder aus dem Internet aus Ihrer gewählten Fremdsprache. Immer, wenn Sie neue Vokabeln finden, die Sie noch nicht kennen, schreiben Sie diese auf die Kärtchen. Sie sollten anfangen, Filme in der Fremdsprache zu schauen, Radio zu hören oder Fernsehen zu schauen. Im Internet bieten sich reichlich Möglichkeiten Sendungen aus anderen Ländern zu sehen. So bekommen Sie ein Gefühl für die Sprache. Fangen Sie an, in der Fremdsprache zu denken. Überlegen Sie sich unterwegs, wie sie etwas in der Fremdsprache sagen würden. Wenn sie es nicht gleich wissen, können Sie die Situation zuhause mit Hilfe des Wörterbuches auflösen.

Suchen Sie sich am besten einen Tandempartner, der die Sprache spricht, die Sie erlernen wollen. Das funktioniert so, dass jeweils eine Zeit lang in der Fremdsprache des jeweils anderen kommuniziert wird. Kontakte zu möglichen Tandempartnern können Sie über die Kulturinstitute oder die entsprechenden Fachbereiche an Universitäten erhalten.

Lernsoftware ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn sie eine Spracherkennung enthält, mit der man die Aussprache trainieren kann. Auch das Internet bietet Möglichkeiten. So kann man zum Beispiel in Second Life an Kursen teilnehmen oder mit anderen Menschen in der Fremdsprache sprechen.

Denken Sie daran: Für eine neue Sprache ist man nie zu alt oder zu beschäftigt. Und am Ende hat man doch eine Vielzahl neuer Erlebnisse.