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Sorgerechts-Drama: Familie flüchtet vor dem Jugendamt

"Bitte, ich brauche dringend Hilfe, egal wie!" Diesen dramatischen Aufruf hat die 13-jährige Antonya aus Rothenburg ins Internet gestellt. Um das Mädchen tobt ein erbitterter Sorgerechtsstreit. Angeblich unter einem Vorwand hatte das Jugendamt Antonya direkt aus der Schule in ein Heim gebracht - und eine völlige Kontaktsperre mit den Eltern verhängt. Antonya flieht - und nun haben sich Eltern und Kind gemeinsam ins Ausland abgesetzt.

"Ich wünsche mir, dass ich einfach ganz ruhig und unbeschwert bei meinen Eltern leben darf“, sagt Antonya. Ihre Eltern sind ins Ausland geflohen - vor einem Jugendamt und einer Richterin in Deutschland. Steckt ein völliges Versagen der Ämter dahinter oder doch etwas anderes? Punkt-12-Reporterin Alexandra Wahl hat die Eltern in ihrem Versteck in Polen besucht.

Auf den ersten Blick wirken die Schandorffs wie eine ganz normale Familie. Doch immer wieder während des Gespräches ist ihnen ihre Ungewissheit und Angst anzumerken. Angefangen hat der Sorgerechtsstreit zwischen dem Jugendamt und der Familie vor einem Jahr mit einer Anzeige von Antonyas Halbschwester.

Die Schwester von Antonya hatte schwere Anschuldigungen erhoben, gegen ihre eigene Mutter und ihren Stiefvater: körperliche Gewalt, Züchtigungen mit Gürteln, Bürsten und Kleiderbügeln. Darüber hinaus gehende Beweise, dass es tatsächlich zu häuslicher Gewalt kam, gibt es nicht. Die Familie weist diese Vorwürfe vehement zurück. "Es ist ungeheuerlich. Ich empfinde das als Rache von meiner ältesten Tochter", sagt Dorte Schandorff. Damals habe sie die Tochter praktisch vor die Tür gesetzt, weil sie ihren Schulabschluss nicht zu Ende machen wollte. "Und dann kam dazu, dass sie uns beklaut hat, da haben wir gesagt: 'So geht das nicht weiter.'"

Deshalb, so erzählt mir die Mutter, habe sie die damals 20-jährige gezwungen auszuziehen. Doch nach der Anzeige schaltete sich das Jugendamt ein, um die Familienverhältnisse zu prüfen. Nach eigenen Angaben bekam Antonya am 25. Januar in ihrer Schule Besuch von der Behörde. Die Beamten hätten sie unter einem Vorwand in einen anderen Raum geführt und später ins Heim gebracht.

Anfangs dürfen die Eltern zu Antonya im Heim noch Kontakt haben. Doch dann verhängt das Amtsgericht am 19. April 2013 eine komplette Kontaktsperre - Begründung: der negative Einfluss durch die Familie. Nach Einschätzung der Einrichtung wurden die sozialen Kontakte dazu benutzt, Antonya noch weiter zu instrumentalisieren und zu steuern. Von da an dürfen Axel Schandorff und seine Frau Dorte ihre Tochter weder anrufen noch besuchen, noch Geschenke zum Geburtstag schicken. Nicht mal, als die Großmutter stirbt, darf Antonya zur Beerdigung, erzählen die Eltern.

Aber wer sagt hier die Wahrheit? Und was ist nun das Beste für Antonya? Mittlerweile hat das Jugendamt wegen der Flucht nach Polen einen Strafantrag gegen die Eltern eingereicht. Bleibt nur zu hoffen, dass beide Seiten irgendwann doch noch aufeinander zugehen und einen Weg finden, der zumindest für Antonya der Richtige ist.

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