Soll der Vierbeiner mit ins Grab?

Pfote und Hand liegen ineinander (Foto: Deutsche Friedhofsgesellschaft)
Pfote und Hand liegen ineinander (Foto: Deutsche Friedhofsgesellschaft)

03. Juni 2016 - 13:31 Uhr

Von Laura Maria Weber

Mit dieser Frage hat sich auch die Deutsche Friedhofsgesellschaft befasst und hat nach zwei Jahren Planungszeit die ersten 'Mensch-Tier-Friedhöfe' in ganz Deutschland geschaffen. Das Streben nach immer mehr Individualität ist nicht nur in unserem Alltag längst angekommen, sondern auch an der letzten Ruhestätte – dem Friedhof. Wie Willi Brandt von der deutschen Friedhofsgesellschaft bestätigte, galt der Friedhof früher einerseits als Ruhestätte, andererseits aber auch als Treffpunkt für ältere Damen, die die Gräber ihrer verstorbenen Männer pflegten und den neuesten Tratsch austauschten. Ein Ort, an dem das Grab noch als Statussymbol galt und die Beerdigung zum krönenden Abschluss allen Seins dazugehörte.

Dieses Bild hat sich gewandelt: Menschen ziehen um, sind mobil und haben keine Zeit mehr für aufwendige und teure Grabpflege, sondern wählen lieber einfache und praktische Lösungen für ihre verstorbenen Angehörigen. In diesem Wissen entscheiden sich deshalb viele Menschen schon zu Lebzeiten, auf welche Art und Weise sie bestattet werden wollen – denn "auch wer es nicht wahr haben will, gestorben wird immer", sagt Brandt. Die Nachfrage nach individuellen und ausgefallenen Bestattungen wächst – und viele Menschen wollen nicht ganz allein ins Grab, sondern am liebsten zusammen mit ihren geliebten Vierbeinern und Haustieren. Das war bislang nicht möglich, doch inzwischen hat die Deutsche Friedhofsgesellschaft eine neue Lösung für Mensch und Tier geschaffen: Auf zwei individuellen Friedhöfen in Braubach bei Koblenz und in Essen gibt es die Möglichkeit, dass ausschließlich Mensch und Tier zusammen in einem gemeinsamen Grab ihre letzte Ruhe finden.

Kreativität sind bei Bestattungen keine Grenzen gesetzt

Hand und Pfote für die Ewigkeit
Hier finden Tier und Mensch letzte Ruhe (Foto: Deutsche Friedhofsgesellschaft)

Da meist Hund und Herrchen oder auch Frauchen nicht zum gleichen Zeitpunkt ableben, können Angehörige oder Tierhalter schon vorher schriftlich festhalten, was nach ihrem Tod mit ihrem geliebten Vierbeiner passieren soll. Auch wenn der Hund bisher als häufigster Grabnachbar gilt, kann vom Hamster bis zum Pferd alles dabei sein – damit sind jedoch nur Urnenbestattungen möglich. Für diesen Fall bietet die Deutsche Friedhofsgesellschaft Freundschafts- und Familiengräber an. Bei der ersten Lösung können bis zu sechs Urnen bestattet werden mit Grabpflege inklusive – dabei wird das Grab anonym gehalten. Wer jedoch sein Grab mit seiner Familie noch zu Lebzeiten individuell gestalten und mit persönlicher Note versehen möchte, kann mit einem Familiengrab mehrere Haustiere und Familienmitglieder unterkriegen – insgesamt bis zu 12 Urnen. Auf persönlichen Wunsch geht es auch noch individueller: Weinliebhaber können sich unter Rebstöcken beerdigen lassen oder auch an ihrem Lieblingsort im Wald. Der Kreativität sind hier bis aufs Finanzielle keine Grenzen gesetzt.

"Wir hätten nie gedacht, dass eine Beerdigung so schön sein kann". Ein Satz, den die Friedhofswärter der 'Mensch-Tier-Friedhöfe' in Essen und Braubach häufig zu Ohren bekommen. Angehörige von Verstorbenen mit Tier sind begeistert, auch wenn die Beerdigung ein Abschied ist. Mit dem Vierbeiner im Grab ihrer Lieben, können sie die Trauer besser verarbeiten. Denn der Tod gehört immer zum Leben dazu.