Lønne macht den Anfang

Seehundstation Friedrichskoog: Auswilderung des ersten Heulers der Saison

Lønne hatte hier bei seiner Einlieferung am 11. Mai 2021 in die Seehundstation in Friedrichskoog 8,6 Kilogramm gewogen.
Lønne hatte hier bei seiner Einlieferung am 11. Mai 2021 in die Seehundstation in Friedrichskoog 8,6 Kilogramm gewogen.
© dpa, Seehundstation Friedrichskoog, ogu

20. Juli 2021 - 15:00 Uhr

Als erster drin - als erster wieder draußen

Da macht aber jemand große Augen: "Lønne" kann als erster kleiner Seehund zurück ins Wattenmeer. Der Heuler war im Mai auch als erster in die Seehundstation Friedrichskoog gekommen – nun macht er auch den Start bei der Auswilderung. Nach einer ordentlichen Gewichtszunahme hat er die dafür nötige Abschlussuntersuchung erfolgreich bestanden.

Lønne hat über 17 Kilogramm zugenommen

Lønne wurde am Dienstag in dieser Box zurück ins Wattenmeer gebracht und schnupperte direkt frische Seeluft. Nach zehn Wochen im Aufzuchtbereich der Seehundstation in Friedrichskoog darf er wieder in die Freiheit.
Lønne wurde am Dienstag in dieser Box zurück ins Wattenmeer gebracht und schnupperte direkt frische Seeluft.
© RTL Nord

Am Dienstag (20. Juli) ist es soweit für "Lønne": Die Seehundstation Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) wildert den ersten Heuler der Saison aus – und das macht der Kleine sehr gut: "Lønne hat seine Auswilderung sehr gut gemeistert. Er ist ziemlich straight direkt ins Wasser gerobbt und dann ist er auch in Richtung des großen Priels gegangen", erzählt Tierärztin Ulrike Meinfelder im RTL Nord-Interview. "Ohne sich großartig umzuschauen, ist er Richtung Freiheit gerobbt."

Die kleine Robbe wurde als Frühgeburt und erster Seehund-Heuler des Jahres 2021 am 11. Mai mit einem Gewicht von 8,6 Kilogramm in List auf Sylt gefunden. "Die Kriterien für eine Auswilderung sind ein Mindestgewicht von 25 Kilogramm", erklärt Meinfelder. "Außerdem muss das Tier vollkommen gesund sein." Mittlerweile hat "Lønne" ordentlich gefuttert und bringt 26,1 Kilogramm auf die Waage. Somit war die Abschlussuntersuchung nach zehn Wochen im Aufzuchtbereich für den Kleinen ein Klacks.

126 weitere Heuler warten in Friedrichskoog auf die Auswilderung

Der tierische Instinkt wird Lønne, der fast sein ganzes Leben in der Seehundstation verbracht hat, in der Nordsee helfen, Nahrung und auch Artgenossen zu finden, wie Tierärztin Ulrike Meinfelder im RTL Nord-Interview erklärte.
Der tierische Instinkt wird Lønne, der fast sein ganzes Leben in der Seehundstation verbracht hat, in der Nordsee helfen, Nahrung und auch Artgenossen zu finden, wie Tierärztin Ulrike Meinfelder im RTL Nord-Interview erklärte.
© RTL Nord

Auch wenn sich die Hauptgeburtenzeit dem Ende zuneigt, werden derzeit immer noch Seehunde auf den Sandbänken geboren, wie die Seehundstation mitteilt. Derzeit befinden sich, "Lønne" noch mitgezählt, 127 von der Mutter verlassene Seehundjunge zur Aufzucht in Friedrichskoog. Die Jungtiere werden in der Seehundstation aufgepäppelt und auf das Leben in Freiheit vorbereitet. Im vergangenen Jahr wurden mit 236 Robben deutlich mehr nach Friedrichskoog gebracht, darunter 199 Seehundheuler.

Was diese Zahlen genau für die den Bestand der Tiere bedeutet, wird sich aber erst im Herbst zeigen, wie Tanja Rosenberger, Leiterin der Seehundstation Friedrichskoog, im RTL Nord-Interview erklärt: "Wir warten mit Spannung auf den Herbst, wenn die Zählergebnisse kommen. Dann können wir nämlich sagen, wie es dem Seehundbestand insgesamt geht und ob mehr bei der Mutter groß geworden sind, was wir natürlich sehr hoffen."

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Warum heißen junge Seehunde "Heuler"?

Wenn ein Jungtier von der Mutter getrennt wird, stößt es Kontaktlaute aus. Diese Laute benutzt der "Heuler", um mit der Mutter in Kontakt zu treten – die Seehundmutter erkennt ihr Junges nämlich unter anderem am Ruf. Hiervon abgeleitet bezeichnet man als "Heuler" junge Seehunde im Alter von erst wenigen Tagen bis zu 3 Wochen – also während der Säugezeit – wenn sie dauerhaft ihre Mutter verloren haben. (dpa/nfi)