18. Dezember 2018 - 23:50 Uhr

Spezielles Kühlbett ermöglicht besondere Art der Trauer

Die kleine Jessica liegt in ihrer Wiege. Sie sieht aus, als würde sie friedlich schlafen. Doch sie wird nie aufwachen: Sie und ihre Zwillingsschwester Bella wurden zu früh geboren – und nur Bella überlebte. Ein spezielles Kühlbett ermöglichte es ihrer Mutter und ihrer Familie, das Baby noch zwei Wochen lang bei sich zu behalten und um es zu trauern, wie die "Daily Mail" berichtet.

Eltern durften ihr totes Baby mit nach Hause nehmen

Der Verlust eines Kindes ist wohl das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann. Emma Woodhouse und ihr Mann Paul aus dem englischen Lancaster wählten ihren ganz eigenen Weg, um mit der überwältigenden Trauer umzugehen: Sie nahmen ihr totes Baby für zwei Wochen mit nach Hause, kuschelten mit Jessica, badeten sie und gingen mit ihr spazieren. Eine spezielle Liege, die Jessicas leblosen kleinen Körper dauerhaft kühlt, schenkte dem Paar wertvolle Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten.

Das spezielle Kühlsystem wird vor allem in Ländern wie England, Australien und den USA genutzt. Auch in Deutschland ist es einsetzbar, um ein verstorbenes Baby zu Hause zu betrauern. Je nach Bundesland gestattet das Gesetz Sternenkinder-Eltern dafür allerdings nur zwischen 24 und 48 Stunden.

Zwillinge kamen zu früh zur Welt

Die kleine Jessica war gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Bella per Notkaiserschnitt in der 29. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen – ihre Nabelschnur war gerissen. Die Ärzte kämpften 22 Minuten lang, um sie wiederzubeleben, doch vergebens. Der "Daily Mail" sagte Mama Emma: "Es ist das seltsamste aller Gefühle. Du spürst das Glück über ein neugeborenes Kind, aber auch die Verzweiflung über den Verlust des Kindes. Ich befand mich lange in einem Schockzustand."

Ihre Entscheidung, ihr Sternenkind mit nach Hause zu nehmen, erklärt Emma so: "Sie sah so perfekt aus. Diese zwei Wochen mit ihr und ihrer Schwester zu verbringen, war so wundervoll. Auch wenn sie gestorben ist – sie ist doch meine Tochter, und ich wollte so viel Zeit mit ihr verbringen, wie ich konnte."

Auch die Geschwister durften das Sternenkind kennenlernen

Nicht nur Bella konnte noch einige Tage die Nähe ihres Zwillings spüren, auch Jessicas Geschwister durften ihre kleine Schwester sehen – vor allem der fünfjährige Sohn Jack: "Er war so traurig, aber dann hielt er sie, kuschelte mit ihr und spielte mit ihren Händchen und Füßchen. Es war so schön, das zu sehen." Auch die anderen Kinder Mikey (4) und Nicole (2) durften in ihrer Nähe spielen und sie in ihrem Bettchen betrachten.

Erinnerung an Jessica lebt in Bella weiter

Emma ist sicher, dass Jessica ihr Leben für das ihrer Schwester gab: Denn auch Bellas Nabelschnur war bereits beschädigt, und hätten Emmas Wehen nicht so früh eingesetzt, wäre vielleicht auch sie gestorben.

Nach zwei Wochen der Trauer entschieden sich Jessicas Eltern für eine Feuerbestattung. Die Urne mit ihrer Asche steht nun in dem Zimmer, das eigentlich für zwei Babys gedacht war – wo jetzt nur Bella liegt. Doch in ihr wird die Erinnerung an ihre Zwillingsschwester für immer weiterleben.