Sanitäter nahmen die damals 24-Jährige nicht ernst

Schwanger nach Schlaganfall: Annas (26) Baby wird ein Weihnachtswunder

Mittlerweile ist Anna in der 28. Schwangerschaftswoche.
© Thomas Oberländer | Helios Kliniken, Thomas Oberländer

11. November 2020 - 12:01 Uhr

Schlaganfall hätte sie beinahe das Leben gekostet

Kurz vor Weihnachten soll das kleine Mädchen von Anna B. zur Welt kommen. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine normale Schwangerschaft, ist aber ein kleines Wunder. Denn die 26-Jährige aus dem Berliner Stadtteil Reinickendorf wäre vor zwei Jahren beinahe ums Leben gekommen. Mit gerade mal 24 Jahren erlitt sie einen schweren Schlaganfall.

Diagnose Schlaganfall - Sofort operieren!

Anna B. Schwanger nach Schlaganfall
Anna B. freut sich riesig auf die Geburt ihrer Tochter.
© Helios Kliniken, Thomas Oberländer

Es ist der Morgen des 22. März 2018. Die damals 24-jährige Anna B. wacht mit starken Kopfschmerzen auf, hält das Ganze erst für eine Migräne. Als sie ihrer Schwester aber eine SMS schreiben möchte, bekommt sie keinen vernünftigen Satz zusammen. Ihr fallen Sachen aus der Hand, sie kann nicht mehr richtig sehen und fühlen, ihr fällt es schwer die richtigen Worte zu finden. Ihre Schwester zögert zum Glück keine Sekunde und ruft sofort die 112.

Aber als die Sanitäter eintreffen, halten auch sie das Ganze nur für eine Migräne. Anna solle sich hinlegen und ausschlafen. Erst auf hartnäckiges Drängen kommt Anna B. in die  Notaufnahme. zum Glück. Denn vor Ort dann die Diagnose: Schlaganfall. Sofort operieren!  Bei der Operation wird ihr das Blutgerinnsel im Kopf entfernt. Nach einer Woche Klinikaufenthalt folgen drei Wochen ambulante Reha in Berlin-Mitte. "Eine bewegende Zeit, ich war in Therapie mit Schlaganfallpatienten, die nicht sprechen konnten und im Rollstuhl saßen. Und ich selbst hatte kaum Beschwerden", so Anna B.

Immer mehr junge Menschen sind von Hirninfarkt betroffen

Jetzt zwei Jahre später ist Anna B. schwanger und kurz vor der Entbindung. "Das Risiko für einen weiteren Schlaganfall bei Schwangeren ist statistisch gesehen sehr gering," sagt Dr. Annette Isbruch, leitende Oberärztin Geburtshilfe und Gynäkologie. Einer Schwangerschaft stehe auch trotz der Vorgeschichte eines Schlaganfalls grundsätzlich nichts im Wege.

Dennoch ist das Schicksal von Anna B. kein Einzelfall. Immer mehr junge Menschen sind von einem Hirninfarkt betroffen. Nach einer aktuellen Hochrechnung der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe in Gütersloh erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall, rund 30.000 von ihnen sind jünger als 55 Jahre.

Der Grund: mehr als 80 Prozent davon sind durch klassische Gefäßrisikofaktoren bedingt. Also Lifestyle-Faktoren wie Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol, Fehlernährung.  Für die restlichen 15 bis 20 Prozent sind Herzerkrankungen, Gerinnungsstörungen, Schwangerschaft, Migräne, Medikamenteneinnahme (Pille) und systemische Gefäßveränderungen verantwortlich.