Zuhause wird zur Horror-Falle

Schock-Studie über sexuelle Gewalt an Kindern: Männer aus Familie fast immer die Täter

Kinder und Jugendliche werden häufig zum Opfer sexueller Gewalt in ihren Familien.
Kinder und Jugendliche werden häufig zum Opfer sexueller Gewalt in ihren Familien.
© Liam Blake, istock

07. September 2021 - 13:34 Uhr

Opfer sexueller Gewalt stehen oft alleine da

Die Familie sollte für Kinder und Jugendliche eigentlich ein Zufluchtsort sein. Ein sicherer Heimathafen. Ein Ort der Sicherheit. Für erschreckend viele ist es allerdings genau das Gegenteil – eine Falle sexualisierter Gewalt in der eigenen Familie. Zu diesen Erkenntnissen kommt die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in Berlin. Besonders erschreckend: Die Opfer werden oft im Stich gelassen.

Studie zur sexuellen Gewalt gegen Kinder in der Familie
Prof. Dr. Sabine Andresen, die Vorsitzende der Aufarbeitungskommission, stellt in Berlin die Ergebnisse der Studie vor.
© Welt Pool

Männliche Verwandte sind am häufigsten die Täter

Die Studie basiert auf Erfahrungen von Betroffenen. Sie selbst haben grauenvolle Dinge erleben – als Kinder und Jugendliche. Insgesamt wurden 870 Berichte und Anhörungen betrachtet. "Die Auswertung hat ergeben, dass am häufigsten männliche Verwandte, also Väter und Großväter, Onkel und Brüder, als Täter genannt wurden", erklärt Erziehungswissenschaftlerin Marie Demant. Und weiter: "Betroffene waren Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen. Vom Säuglingsalter bis über das 18. Lebensalter hinaus." Insgesamt wurden 87 Prozent männliche und 13 Prozent weibliche Täter verzeichnet.

Lese-Tipp: So werden Menschen zu Sexualstraftätern.

Erziehungswissenschaftlerin Marie Demant fordert mehr Aufklärung über sexuelle Gewaltübergriffe an Kindern.
Erziehungswissenschaftlerin Marie Demant fordert mehr Aufklärung über sexuelle Gewaltübergriffe an Kindern.
© Welt Pool

Täter von Sexualdelikten erpressen ihre Opfer

Für Kinder, die sexuelle Gewalt erleben, wird der Schutzraum "Familie" zur Falle. Einen Ausweg sehen sie oft nicht. Der Grund: "Täter und Täterinnen nutzen Strategien, damit sie Kontrolle ausüben können und die Gewalt nicht öffentlich wird", schildert Marie Demant. Drohungen, Demütigungen, Abwertung und Herabsetzung wurden am häufigsten als Grund genannt. "Auch Gewalt gegenüber jüngeren Familienmitgliedern ist möglich."

Besonders schockierend: In der Studie geht es auch um das Mitwissen und Schweigen innerhalb der eigenen Familie. "Viele Betroffene haben negative Erfahrungen gemacht, wenn sie nach Hilfe gesucht haben", erklärt Frau Demant. Hilfe gab es häufig nicht.

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Kommission fordert mehr Aufklärung über Sexualdelikte

"Aus der eigenen Familie kann sich ein Kind oder Jugendlicher nicht befreien", erklärt Prof. Andresen und fordert mehr Aufklärung und Wissen über diese Fälle. Denn: "Fast die Hälfte der Betroffenen berichtet, dass die sexuelle Gewalt im Alter unter sechs Jahren begonnen hat und dann über einen langen Zeitrum angehalten hat." Das können die Kinder aber nicht verstehen. Sie verlieren ihren normalen Alltag und können sich niemanden anvertrauen. "Sexuelle Gewalt ist keine Privatangelegenheit."

Kinder sind auf Schutz angewiesen. Kein Kind kann sich alleine schützen und genau deshalb muss Deutschland anhand der Erkenntnisse nun aktiv handeln. (tgr)