So tickt die Frau, die Deutschland pfeift

Schiedsrichterin schreibt Fußball-Geschichte: Vor Stephanie Frappart haben alle Respekt!

So tickt Schiedsrichterin Frappart Verschaffe mir Gehör
01:02 min
Verschaffe mir Gehör
So tickt Schiedsrichterin Frappart

30 weitere Videos

Mit großen Aufgaben und erwartungsvollen Debüts kennt sich Stephanie Frappart bestens aus. Die 38-jährige Schiedsrichterin ist eine Vorreiterin der Referee-Szene. Sie ist eindrucksvoll in der immer noch von Männern dominierte Welt der Schiedsrichterei aufgestiegen. Dafür wird sie jetzt belohnt. Sie pfeift das entscheidende WM-Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft.

Frankreich, Supercup, Champions League - WM!

92 Jahre nach der ersten Fußball-WM der Geschichte ist es dann tatsächlich so weit: Eine Frau leitet ein Männer-Spiel. Stephanie Frappart schreibt mal wieder Geschichte. Wieder mal, muss man ausdrücklich betonen, denn die historischen Debüts gehören inzwischen fest zu ihr wie die lobenden Kritiken hinterher. Sie sammelte Meilensteine wie andere Flugmeilen.

Lese-Tipp: Stéphanie Frappart pfeift DFB-Spiel gegen Costa Rica

Sie pfiff als erste Frau (2019) in der französischen Ligue 1, bis heute ist sie dort eine feste Größe. In dieser Saison kam sie sechs Mal zum Einsatz. Es folgten Auftritte im europäischen Supercup, Europa League, der Champions League, im Frauen-WM-Finale und auch in der WM-Qualifikation.

Da ist der nächste und größte Schritt nur logisch. Auf der weltgrößten Bühne tanzen nun die Nationalspieler Costa Ricas und Deutschlands nach ihrer Pfeife. Und das wieder mal als erste Frau. Bei dieser WM. Und auch generell in der WM-Historie. Die Augen werden also nicht nur auf die Jamals Musialas, Manuel Neuers und Niclas Füllkrugs gerichtet sein, sondern auch auf die Französin.

Gündogan und Klopp feiern Frappart

Große Sorgen kann man sich deswegen machen – vor allem weil sexistische und dumpfe Aussagen, bzw. Beleidigungen, durchs Netz dröhnen könnten, wie man es ja auch rund um TV-Kommentatorinnen kennt. Über die Klasse Frapparts kann man indes völlig unbesorgt sein. Von den Profis und Experten ist sie vor allem Lob gewohnt.

So sprach Ilkay Gündogan nach dem fehlerfreien Champions-League-Debüt (Juventus Turin gegen Dynamo Kiew) im Dezember 2020 (als erste Frau natürlich) in höchsten Tönen von ihr. Sie sei eine „große Errungenschaft und Inspiration für andere“, schrieb er nach der Partie in den sozialen Netzwerken. Der Nationalspieler hoffe, dass dies sehr bald zur Regelmäßigkeit werde. „Es wurde Zeit“, so Gündogan weiter. Glückwünsche hatte es auch vom französischen Außenministerium gegeben.

Die nicht unbedingt handzahme italienische Presse zeigte sich damals beeindruckt. Sie brauche sich "nicht autoritär zu zeigen, um zu beweisen, wer das letzte Wort hat", und fürchte "keine Konfrontation", schrieb „La Stampa“. Ein "Debüt ohne Schatten" titelte „Corriere dello Sport“.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Video: DFB-Elf darf aufs Weiterkommen hoffen

DFB-Elf darf aufs Weiterkommen hoffen DFB-Elf darf aufs Weiterkommen hoffen
02:17 min
DFB-Elf darf aufs Weiterkommen hoffen
DFB-Elf darf aufs Weiterkommen hoffen

30 weitere Videos

"Kleine" Frau, großer Respekt

Nun also das nächste Debüt in Katar. Die Unparteiische erhielt den Vorzug vor Salima Mukansanga (Ruanda) und der Japanerin Yoshimi Yamashita. Die anderen beiden Frauen in der Riege der 36 Schiedsrichter für diese WM. Neben Frappart stehen die Brasilianerin Neuza Back sowie die Mexikanerin Karen Diaz Medina auf dem Platz.

Historisch große Aufgaben nimmt Frappart traditionell gelassen. „Jedes Spiel ist dasselbe“, hatte sie schon vor dem Debüt beim europäischen Supercup 2019 gesagt. Dem Lob schloss sich hinterher Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, an. „Es gibt so viel Druck in so einem historischen Moment. Ich könnte nicht mehr Respekt vor Stéphanie Frappart haben“, sagte der Deutsche damals.

Bedenken der Funktionäre gab es offiziell nie, das bestätigte auch UEFA-Schiri-Boss Roberto Rosetti. "Stephanie hat über mehrere Jahre bewiesen, dass sie eine der besten Schiedsrichterinnen ist, nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt."

Am Donnerstag wird sie das auf ganz großer Bühne zeigen können und sich vermutlich wieder bei allen Profis Respekt verschaffen - trotz ihrer nur 1,64 Meter Körpergröße. "Ich bin nicht groß. Ich bin nicht so stark wie einige meiner männlichen Kollegen. Aber ich werde mir dennoch in jedem Fall Gehör verschaffen." (msc)