RTL-Reporterin testet die Zukunft

So war meine Fahrt im selbstfahrenden Taxi

21. Mai 2021 - 15:53 Uhr

Von Hanna Klouth, US-Korrespondentin in Chandler, Arizona

Ich geb's zu: Ich war ganz schön nervös. Und wurde es noch mehr, in dem Moment, als der weiße Mini-Van um die Ecke gefahren kam. Das Auto fährt vor und hinter dem Lenkrad sitzt: niemand. Willkommen in der Zukunft.

"Ich bin zum Nichtstun auf dem Rücksitz verdammt"

Diesen ganz speziellen Fahrservice gibt es in Chandler, im US-Bundesstaat Arizona. Und ja, ich war ziemlich skeptisch. Denn ich bin, glaube ich, der schlechteste Beifahrer aller Zeiten. Die Sorte, die immer mitbremst, fleißig Kommentare abgibt und am liebsten dem Fahrer ins Lenkrad greifen würde. Um so härter also für mich, jetzt hinten in das Auto einsteigen zu müssen und die Kontrolle komplett abzugeben. An eine Maschine.

Den Startknopf kann ich immerhin noch selber drücken, per Touchscreen. Damit hat es sich dann aber auch erledigt und ich bin zum Nichtstun auf dem Rücksitz verdammt. Das Auto fährt los, das Lenkrad bewegt sich komplett von alleine und ich weiß nicht so richtig, was ich davon halten soll. Und mir fällt ein Stein vom Herzen, als wir an der ersten Kreuzung schon mal bremsen und tatsächlich anhalten. Puh. Das mag sich für nicht Technikverrückte bekloppt anhören.

Während wir die Fahrspuren wechseln, Baustellen umfahren, fällt mir auf, dass das Auto auf alles in der Umgebung reagiert. Verkehr, Fußgänger, Fahrradfahrer - alles nimmt es wahr. Und ich natürlich auch. Das sind für mich die schwierigsten Momente. Nicht zu wissen: bremst er jetzt, oder bremst er nicht. Da hilft nur Vertrauen – und das ist nicht gerade meine größte Stärke. Aber je länger wir durch Chandler fahren, je mehr Situationen ich mit dem Auto erlebe, desto besser wird mein Gefühl. Den Schulterblick hab ich trotzdem zur Sicherheit bis zum Schluss noch mitgemacht. Man kann ja schließlich nie wissen. (aze)