Als der Fußball ihm gehörte

Ronaldinho wird im Knast 40: Erinnerungen an einen Superstar

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21. März 2020 - 14:20 Uhr

Happy Birthday, Ronaldinho!

Ronaldinho wird heute 40 Jahre alt. Seinen Geburtstag verbringt der Brasilianer im Knast, weil er mit gefälschten Papieren unterwegs war. Wir wollen an die besseren Zeiten des Fußball-Künstlers erinnern. Die, als er als Megastar die Welt begeisterte.

Von Sebastian Fuhrmann

In einer seiner größten Stunden stehen Jungs wie Raúl oder Carles Puyol auf dem Rasen. Der 19. November 2005 ist der Tag, an dem Ronaldinho Real Madrid in dessen Stadion nahezu im Alleingang zerlegt. Die Gegenspieler sind von Anpfiff an so dicht an dem Brasilianer dran, dass sie sich quasi die Hose mit ihm teilen könnten. Aber Ronaldinho ist ihnen immer einen Schritt voraus. Wird er mit dem Rücken zum Tor angespielt, leitet er den Ball mit unvergleichbarer Raffinesse direkt in Richtung Strafraum - und ab geht die Post. Starke Techniker brauchen kaum Zeit, um solche Bälle zu verarbeiten, der Maestro noch eine Ecke weniger.

3:0 gewinnt der FC Barcelona das Spiel beim Erzrivalen. Das zweite und dritte Tor macht Ronaldinho selbst. Nach dem 2:0, ein Dribbling mit sagenhaftem Tempo, engster Ballführung und starkem Abschluss, klatschen selbst die Fans von Real Madrid dem Star des verhassten FC Barcelona Beifall. Mehr geht nicht. 2005 ist Ronaldinho ein Fußball-Gott.

40. Geburtstag im Bau

15 Jahre später kickt Ronaldinho vor anderer Kulisse - und zwar in Haft in Paraguay. Dort sitzt der Ballzauberer, weil er mit falschem Reisepass und Personalausweis eingereist war, in einer fünf mal fünf Meter großen Zelle. Seine Anwälte versuchen, den Kicker rauszuholen, aber das ist nicht leicht, weil die Corona-Krise auch Paraguay heimsucht und die Behörden nur auf Sparflamme arbeiten. Hier geht es zu unserem Corona-Ticker mit allen News und Entwicklungen.

Womit auch sonst sollte sich der Dribbel-Künstler die Zeit vertreiben als mit Fußball. Bei einem Spiel im Gefängnis macht er fünf Tore und gibt sechs Vorlagen. Sein Team gewinnt 11:2.

Ronaldinho festgenommen

Champions-League-Sieg mit dem FC Barcelona

Gelernt hat Ronaldinho sein Handwerk beim brasilianischen Traditionsclub Grêmio Porto Alegre, von wo aus er 2001 zu Paris St. Germain wechselt. Seine beste Zeit aber hat Ronaldinho eben beim FC Barcelona, bei dem er im Sommer 2003 unterschreibt. Nach 15 Toren in seiner Premieren-Saison unter Trainer Frank Rijkaard holt er gleich seine erste spanische Meisterschaft, in der zweiten Barcelona-Saison eine weitere. In dieser Zeit wird Ronaldinho auch zwei Mal zum Weltfußballer gewählt und holt den Ballon d'Or als bester Kicker in Europa. Der größte Titel, abgesehen von der Weltmeisterschaft 2002 mit Brasilien, aber sollte noch kommen: der Gewinn der Champions League.

Das Finale 2006 führt Ronaldinho dorthin zurück, wo seine Europa-Reise begonnen hatte, nach Paris. Im Stade de France ist der FC Arsenal aus London Gegner. Es ist das Spiel, in dem der damalige Arsenal-Keeper Jens Lehmann nach 18 Minuten und einer Notbremse gegen Stürmer Samuel Eto'o die Rote Karte sieht. Ronaldinho trifft in diesem Spiel nicht, in den Partien auf dem Weg ins Endspiel aber sieben Mal.

Ronaldinho die Werbe-Ikone

Die Branchenriesen stehen schon lange Schlange, um mit ihm als Gallionsfigur zu werben. Der Wiedererkennungswert des Mannes mit den schiefen Zähnen und dem Zopf ist hoch. In einem Spot hält der Zauberer den Ball mit seinen weißen Schuhen, die er aus einem goldenen Koffer nimmt, hoch, knallt ihn aus 16 Metern gegen die Latte und fängt ihn mit dem Oberschenkel wieder auf. Drei Mal wiederholt er dieses Spektakel. Bald kommen die Leute darauf, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zuging. So wie Ronaldinho das im Trainingsstadion des FC Barcelona direkt neben dem großen Camp Nou mache, sei das nicht möglich. Aber wenn überhaupt einer das nötige Ballgefühl hätte, um so eine Nummer abzuziehen, dann dieser Ronaldinho, der den Ball messerscharf schießen kann. Mit der Nasenspitze, wenn das nötig ist.

Er liebt den Fußball - und das Leben

Fußball und Ronaldinho - das ist eine Liebesbeziehung. "Nur dank des Balles habe ich ein erfülltes Leben", sagte er einmal. "Wenn ich spazieren gehe, wenn ich fernsehe, wenn ich schlafe: Immer habe ich einen Ball an meiner Seite. Der Ball ist meine Freundin, mein Kumpel, er ist alles für mich. Wenn ich könnte, würde ich den Fußball essen." Aber Ronaldinho ist auch ein Lebemann. Er feiert die Feste, wie sie fallen. In Spanien, aber später auch in Italien.

2008 wird Pep Guardiola neuer Trainer in Barcelona. Er plant nicht mehr mit dem Brasilianer, stattdessen setzt er auf den jungen Lionel Messi. Ronaldinho flüchtet zum AC Mailand, wo er ein letztes "Hallo" in die Fußball-Welt schickt, aber bald wegen mangelnder Fitness verdrängt wird. 2011 geht Ronaldinho zurück nach Brasilien. Es ist das Ende eines großen europäischen Schauspiels.