Landgericht Hamburg

Prozess um Tod eines Polizisten bei einer Festnahmeaktion: Sechs Jahre Haft für Angeklagten

Prozess um Tod eines Polizisten bei einer Festnahmeaktion: Sechs Jahre Haft für Angeklagten. Symbolbild Unabhängigkeit der Justiz - Justitia
Prozess um Tod eines Polizisten bei einer Festnahmeaktion: Sechs Jahre Haft für Angeklagten. Symbolbild Unabhängigkeit der Justiz - Justitia
© dpa, David-Wolfgang Ebener, ebe sv sab kre sja pil mjm jai

21. April 2021 - 16:01 Uhr

Polizeiwagen nach Fluchtversuch elf Meter weitergeschoben

Sechs Jahre wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Sachbeschädigung und Fahrens ohne Führerschein: So lautete das Urteil des Richters des Landgerichts Hamburg gegen einen 30-jährigen Mann. Und das soll zuvor passiert sein: Am 25. Februar 2020 versuchen zwei Polizeibeamte den mit drei Haftbefehlen gesuchten Mann festzunehmen. Als einer der Zielfahnder in den Wagen springt, gibt der Gesuchte Gas und stößt frontal mit dem zivilen Polizeiwagen zusammen. Diesen schiebt er noch elf Meter vor sich her. Der 57-jährige Fahrer des Polizeiwagens erleidet schwere Verletzungen, denen er acht Tage später im Krankenhaus erliegt.

Angebliche Fahrzeugübergabe

Auf die Spur des 30-jährigen kommen die Ermittler über ein Verkaufsportal. Der Angeklagte bestreitet seinen Lebensunterhalt, indem er günstig gebrauchte PKW aufkauft, repariert und anschließend gewinnbringend weiterverkauft. Die Polizeibeamten nehmen über Decknamen Kontakt auf und treffen sich mit dem Gesuchten zu einer angeblichen Fahrzeugübergabe an einer Bushaltestelle. Als der Angeklagte die Zivilfahnder auffordert einzusteigen, um zu dem angebotenen PKW zu fahren, soll einer der Beamten den Versuch der Festnahme gestartet haben: Durch das geöffnete Beifahrerfenster soll er in das Auto des Angeklagten gesprungen sein. Dieser habe Gas gegeben, ein Wendemanöver über die vierspurige Straße gestartet und in den Polizeiwagen gekracht sein. Der Zivilfahnder, der den Zugriff gestartet hatte, erleidet dabei nur leichte Verletzungen – sein Kollege verstirbt.

"Keine Verkettung unglücklicher Umstände"

Vor Gericht wirkt der 30-jährige heute reumütig, schaut bei der Urteilsverkündung auf den Boden. Der Richter nimmt dies allerdings anders wahr und befindet in seinem Urteil: "Ihr Verteidigungsverhalten lässt sich auf den Satz zusammenfassen: Es tut mir sehr Leid, was passiert ist, aber eigentlich kann ich nichts dafür. Das ist aber falsch – es ist keine Verkettung unglücklicher Umstände." So hätte der Angeklagte jederzeit auf die Bremse treten können, stattdessen habe er weiter Gas gegeben, auch nach dem Zusammenprall mit dem Polizeiwagen. Für den Richter bleibt heute das Bild eines notorischen, unbelehrbaren Rechtsbrechers, der unbedingt seine bisherige Lebensführung ändern solle.

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