Polizei will Eltern, Kinder und Jugendliche aufklären

Kinderpornographie: So schnell werden Kinder selbst zu Tätern

Symbolfoto
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23. Dezember 2020 - 16:14 Uhr

Immer mehr Kinderpornografie im Umlauf

Nur ein Klick, ein Video weiterleiten – das kann weitreichende Konsequenzen haben. Immer mehr Kinder teilen und verschicken über Chats und Messenger kinderpornografisches Material und sind sich der Folgen oft gar nicht bewusst. Mit Kampagnen wie "sounds wrong" oder "#denkenstattsenden" will die Polizei, Eltern, Kinder und Jugendliche über die strafbare Verbreitung solcher Fotos und Videos in den sozialen Netzwerken aufklären und diese stoppen. Denn bundesweit gibt es immer mehr Fälle bei denen Jugendliche unbewusst zu Tätern werden.

Mit diesem Post auf Facebook will die Polizei Sachsen wachrütteln

"Von 2016 bis 2019 hat sich in Sachsen die Anzahl der erfassten Fälle, in denen #Kinderpornografie verbreitet wurde, mehr als verdoppelt. Dabei nahm auch die Zahl der tatverdächtigen Kinder, die solche Inhalte verbreitet haben, von Jahr zu Jahr zu: 2016 waren es drei ermittelte Tatverdächtige unter 14 Jahren, 2019 insgesamt 47.

Meist ist ihnen gar nicht bewusst, dass es sich um die Darstellung echter sexueller Gewalt handelt. Ein Klick im Internet beispielsweise genügt trotzdem, um sich strafbar zu machen. Und: Mit jedem Teilen solcher Videos und Bilder werden die in den Videos gezeigten Kinder erneut zu Opfern gemacht.

  • Wer entsprechende Aufnahmen erhält, sollte dies sofort melden. Anzeige könnt ihr jederzeit bei allen Polizeidienststellen erstatten – persönlich, telefonisch oder schriftlich. In Sachsen gibt es auch eine Onlinewache.

Das Video von der Polizeilichen #Kriminalprävention verdeutlicht die möglichen Folgen des Teilens von kinderpornografischen Inhalten. Wir raten: Sensibilisiert eure Kinder für das Thema. Gerade in Chats und Messenger-Gruppen sind entsprechende Fotos und Videos schnell geteilt.

Weitere Informationen und Antworten auf häufige Fragen gibt es auf der Website der Polizeilichen Kriminalprävention.

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Deutschlandweites Problem

Im Jahr 2019 registrierte die deutsche Polizei 14.362 Fälle von Kinderpornografie. Das entspricht einem Zuwachs von ca. 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Knapp 15.000 registrierte Fälle und trotzdem bildet die Polizeiliche Bundeskriminalstatistik damit nur einen sehr kleinen Teil der tatsächlichen Straftaten ab. Schaut man sich allein die Anzahl der Hinweise 2019 in Deutschland an, so stößt man auf 62.000 gemeldete Fälle beim Bundeskriminalamt.

Wer kindepornografische Inhalte in Chats oder Messengern teilt, macht sich strafbar. 2019 waren laut Polizeilicher Kriminalstatistik etwa ein Drittel der erfassten Tatverdächtigen in Deutschland jünger als 18 Jahre. Viele Kinder oder Jugendlichen sind sich gar nicht bewusst, dass hinter diesen Videos und Fotos ein real existierender Kindesmissbrauch stehen kann und sie zur Dokumentation und Verbreitung beitragen. Dieses Bewusstsein will die Polizei mit ihren Posts und Kampagnen in den sozialen Netzwerken, wie Instagram und Facebook schaffen und stoppen.

Ein Weiterleiten hat weitreichende Folgen

 Smartphone Generation Jugendliche Handy-Nutzer, Hannover, 04.10.2018 Hannover Niedersachsen Germany, Deutschland society society gesellschaft Jugend Jugendkultur *** Smartphone generation Young people Mobile phone users Hannover 04 10 2018 Hannover
Generation Smartphone - nicht immer überlegen Kinder und Jugendliche gut genug, was sie mit Freunden und Bekannten teilen.
© imago images/Bo van Wyk, Bo Van Wyk via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Oft sind die Beschuldigten, die den Missbrauch von Minderjährigen in sozialen Medien verbreiten, selbst noch minderjährig. Die Tragweite ihrer Handlung sind sie sich oft nicht bewusst. Meist verfolgen sie mit dem Versenden vermeintlich "lustiger" Videos oder Fotos gar keine sexuellen Motive.

Aus Rache, Gemeinschafts-, Zugehörigkeitsgefühl oder einfach aus Unwissenheit wird auf 'Share' gedrückt. Dabei wäre 'Löschen' und Melden laut Polizei das einzig Richtige. Nach dem Jugendstrafrecht drohen über 14-Jährigen bei der Verbreitung von Kinderpornografischen Inhalten bis zu 1,5 Jahren Haft. Das Strafmaß hängt davon ab, welche Inhalte auf beschlagnahmten Geräten zu finden ist. Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren sind nicht strafmündig. Hier muss der Jugendhilfeträger informiert werden.

Was Eltern tun können

Suchen sie präventiv das Gespräch in der Familie. Sprechen Sie mit ihrem Kind über ihre eigenen Online-Erfahrungen und Gefahren, die es im Netz gibt. Erklären Sie, welche möglichen Konsequenzen ein unbedachtes Versenden solcher vermeintlich 'harmlosen' Videos und Fotos haben können. In jedem Fall ist es bei Kinder- und Jugendpornografie wichtig die Polizei mit einzubeziehen und strafrechtliche Inhalte bei den sozialen Netzwerken zu melden.

  • Eine telefonisch, kostenlose Beratung für Kinder und Jugendliche gibt es bei 'Rat auf Draht' unter der Notrufnummer 147.
  • Auch betroffene Eltern können sich auf der Elternseite Hilfe holen.
  • Illegale Inhalte können online anonym beispielsweise auf Stopline gemeldet werden.