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Osnabrück: Erste staatlich finanzierte Imam-Ausbildung in Deutschland

Muslimische Prediger made in Germany

Erste staatlich finanzierte Imam-Ausbildung in Deutschland

Imame kommen bisher überwiegend aus dem Ausland

Mit dem Islamkolleg Deutschland entsteht die erste deutschsprachige Ausbildung zum Imam, also zu muslimischen Predigern, die vom Staat finanziert wird. Bisher kommen die Imame der hiesigen Moscheegemeinden in der Regel aus dem Ausland, geprägt von der dortigen Kultur und Politik. 10 Jahre Vorbereitung hat es gebraucht – heute am Dienstag wurde das erste deutsche Islamkolleg (IKD) in Osnabrück eröffnet.

Erste staatlich geförderte, deutschsprachige Imam-Ausbildung

Die Ausbildung ist dabei ähnlich wie auch bei katholischen Priestern, evangelischen Pastoren oder jüdischen Rabbinern und wird vom Staat mitfinanziert: „Das Ausbildungsprogramm des IKD ist selbstbewusst deutsch und islamisch im Sinne eines Islams, der in unserer Gesellschaft verwurzelt ist, die Werte unseres Grundgesetzes teilt und die Lebensarten unseres Landes achtet.“ sagt Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Zu den Gründungsmitgliedern gehört unter anderem der Zentralrat der Muslime in Deutschland. Mehrere große Dachverbände, wie etwa der türkische Moscheeverein Ditib, sind bislang aber nicht beteiligt. Diese hatte im vergangenen Jahr ein eigenes Ausbildungszentrum in der Eifel gegründet.

Der erste Ausbildungsjahrgang startet

Auf dem Lehrplan stehe Predigtlehre, Koranrezitation, Seelsorge, Politische Bildung, Gottesdienstliche Praktiken, Gemeindepädagogik und Soziale Arbeit. Zwei Jahre dauert die Ausbildung. 19 Frauen und 36 Männer starten jetzt im Kolleg, 18 von ihnen machen die Imamausbildung.

Bülent Uçar, Direktor des Islamkollegs, betont: "Für uns ist sehr wichtig, dass wir deutschsprachige Imame haben, die in Deutschland geboren, hier aufgewachsen und sozialisiert sind, denn nur sie können auf die genoiden Bedürfnisse ihrer Gemeindemitglieder eingehen. Hinzukommt, dass wir auch Brückenbauer brauchen. Wir brauchen Menschen, die als Sprachmittler fungieren und auch auf dem Boden der freiheitlichen Grundordnung stehen." In zwei Jahren gibt es also die ersten staatlich finanzierten Imame made in Germany.