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Omikron-Ausbruch in Disco: Quarantäne für 820 Party-Gäste - sogar den Chef hat's erwischt

820 Partygäste in Quarantäne

Omikron-Alarm in Disco: Hat sich selbst der Chef angesteckt?

Die verhängnisvolle Weihnachtsparty im "Joy" in Henstedt-Ulzburg.
Die verhängnisvolle Weihnachtsparty im "Joy" in Henstedt-Ulzburg.
Joey Clausen

14 Tage in Quarantäne für alle

Joey Clausen geht es nicht so gut, als RTL-Redakteurin Nicole Ide mit ihm telefonisch Kontakt aufnimmt. Der Geschäftsführer der Diskothek „Joy“ in Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein) bei Hamburg hat wahrscheinlich Corona. Er, sein Personal und rund 820 Gäste seines Tanzlokals müssen in Quarantäne, denn bei mindestens einem Besucher an Weihnachten sei eine Corona-Infektion mit der Omikron-Variante bestätigt worden, teilte der Kreis Segeberg am Mittwoch mit.

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Es hat mich auch erwischt

Alle halbe Stunde mache der Hamburger nun zu Hause einen Schnelltest, um endlich Klarheit zu haben, aber immer falle dieser negativ aus, obwohl er seit gestern Fieber hat. „Es sieht so aus, als hätte es mich auch erwischt“, sagt der 27-Jährige am Donnerstag am Telefon. Noch am gleichen Tag will er einen PCR-Test machen. Wer den Virus ins Lokal eingeschleppt hat, das weiß der Betreiber nicht. „Die Gerüchteküche überschlägt sich dazu“, berichtet er.

Feiern ohne Maske war erlaubt

„Es ärgert mich einfach nur. Wir haben uns über Monate so viel Mühe gegeben. Die ganze Zeit ist alles korrekt gelaufen, aber dann kam jetzt auf den letzten Metern des Jahres der Hammer“, berichtet Clausen. Dabei hatte er alle vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen eingehalten, das bestätigt auch die Behörde. Jeder, der Heiligabend oder am 1. Weihnachtstag im „Joy“ war, gilt aber jetzt als enge Kontaktperson, weil die Omikron-Variante als deutlich übertragbarer als andere Varianten gilt und im „Joy“ ohne Mund-Nasen-Schutz und ohne Abstand gefeiert werden durfte. Die Weihnachtsparty im Joy fand unter 2G-Plus-Bedingungen statt. „Auch Geboosterte mussten einen offiziellen Antigen-Schnelltest vorzeigen“, erklärt der Geschäftsführer der Diskothek.

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Besucher-Daten erfassen keine Pflicht

Dazu hatte die Veranstaltung den großen Vorteil, dass Joey Clausen auf eigene Initiative die meisten Kontaktinformationen seiner Besucher gespeichert hat: „Durch den Vorverkauf haben wir 75 Prozent der Gäste-Daten erfasst.“ Denn obwohl in Schleswig-Holstein an Weihnachten Diskotheken bis zu einer Kapazität von 80 Prozent betrieben werden durften und dabei das Tanzen ohne Maske erlaubt war, waren die Betreiber nicht verpflichtet Besucher-Daten zu sammeln.

75 Prozent der Gäste per E-Mail erreicht

„Es gibt keine Kontaktdatenerfassung mehr, das ist in der Landesverordnung aktuell nicht mehr vorgesehen“, bestätigt auch Sabrina Müller vom Kreis Segeberg. „Alle Registrierten hat der Betreiber angeschrieben.“ Um die restlichen rund 200 Gäste zu erreichen, die sich die Tickets am Heiligabend und am ersten Weihnachtstag direkt an der Tageskasse besorgt haben, bemüht sich der Betreiber auch: „Deshalb haben wir in den Mails geschrieben, sagt euren Freunden Bescheid, dass sie sich testen lassen.“ Auch den Medienrummel findet Clausen jetzt richtig: „Um die größte Menge an Leuten zu identifizieren.“ Auch über Instagram versucht er seine Gäste zu erreichen.

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Aus Quarantäne freitesten geht nicht

Alle Gäste, ob mit Symptomen oder ohne, müssen jetzt 14 Tage in Quarantäne bleiben. „Die Betroffenen können sich auch nicht freitesten, weil es sich um eine von der WHO besorgniserregende Variante handelt. Deshalb sieht das RKI vor, dass eine Freitestung nicht möglich ist“, erklärt Müller. Jeder Besucher müsse sich aber auch an sein jeweilig zuständiges Gesundheitsamt wenden. Der Geschäftsführer vom Joy habe bis Mittwoch bereits von vielen Gästen Nachrichten erhalten. Die meisten davon hätten ein positives Ergebnis beim Schnelltests erhalten. „Ich geh schon davon aus, dass die Zahlen der Infizierten im schlimmsten Fall dreistellig werden könnten“, befürchtet Clausen.

Diskothek „Joy“ bleibt vorerst geschlossen

Joy-Gäste mit Symptomen müssen einen PCR-Test machen und sollten sich dafür direkt beim Hausarzt oder an einer PCR-Teststation anmelden. „Für diesen einmaligen Fall darf man die Quarantäne verlassen und direkt dort hingehen“, erklärt Müller. Der 27-jährige Hamburger arbeitet seit vielen Jahren im „Joy“, seit 2016 ist er Geschäftsführer und seit 19 Monaten quält ihn als Betreiber die Pandemie. Ohne Corona-Hilfen hätte er es bis hierhin nicht geschafft. „Mir ist einfach nur wichtig, dass uns als Branche kein Strick gedreht wird. Wir haben alles in unserer Machtstehende getan“, betont er. Seine Diskothek bleibt jedenfalls die kommenden Wochen geschlossen. Erst im März oder April, wenn die Pandemie es zulässt, will er wieder öffnen. (nid)