Olympia-Haue gegen Brasilien

DFB-Team staunt über eigenen "Witz"

Puh...
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© dpa, Swen Pförtner

22. Juli 2021 - 18:36 Uhr

Der Dank gilt vor allem dem Torhüter!

Stefan Kuntz suchte nach dem kapitalen Fehlstart der deutschen Fußballer gegen Brasilien erst gar nicht nach Ausreden. "Wir haben eine Unzahl an Fehlpässen gespielt. Wir können uns bei unserem Torhüter bedanken, dass wir nicht höher verloren haben", sagte der DFB-Trainer sichtlich geknickt nach dem deutlichen 2:4 (0:3) zum Start ins Abenteuer Olympia. Am Ende war das Ergebnis fast noch das Beste an einem enttäuschenden Abend.

"Ich war bei jedem Gegentor nicht auf der Höhe"

Germany's Amos Pieper blocks Brazil's Richarlison during a men's soccer match at the 2020 Summer Olympics, Thursday, July 22, 2021, in Yokohama, Japan. (AP Photo/Kiichiro Sato)
Der große Pechvogel: Amos Pieper.
© AP, Kiichiro Sato

Zur Pause habe er "noch Schlimmeres befürchtet", gab Kuntz nach der Partie in Yokohama zu. Everton-Stürmer Richarlison (7./22./30.) hatte das "Team D" da schon mit einem Blitz-Hattrick zerlegt, Torhüter Florian Müller parierte vor der Halbzeit zudem einen Handelfmeter (45.+2). Immerhin: Nadiem Amiri (57.) und Ragnar Ache (83.) brachten Deutschland noch einmal heran, ehe Paulinho (90.+4) in der Nachspielzeit alles klar machte.

Nach der klaren Pleite in der Neuauflage des verlorenen Endspiels von 2016 steht das DFB-Team im Kampf um das Viertelfinale bereits unter Zugzwang. Am Sonntag zählt gegen den krassen Außenseiter Saudi-Arabien nur ein Sieg, um die Chancen auf die K.o.-Runde zu wahren. Dort wird allerdings Kapitän Maximilian Arnold fehlen, der zu allem Überfluss die Gelb-Rote Karte (63.) sah. "Das kreide ich mir an. Ich hätte Maxi zu seinem Schutz rausnehmen sollen", sagte Kuntz.

Auch Routinier Max Kruse war bedient. "Wer die Tabelle lesen kann, weiß, dass es am Sonntag schon ein Endspiel ist", sagte der 33-Jährige. Besonders vor der Pause war das deutsche Team komplett überfordert und leistete sich einen Fehler nach dem anderen. "Was wir da gemacht haben, war ein Witz", sagte Benjamin Henrichs. Teamkollege Amos Pieper, einer von vier U21-Europameistern in der Startelf, stand in dieser Phase völlig neben sich. "Ich war bei eigentlich jedem Gegentor nicht auf der Höhe. Es tut mir für das Team leid. Da habe ich jetzt kurz dran zu knabbern", sagte er niedergeschlagen.

Das "wenig Positive" mitnehmen...

Im Yokohama International Stadium, wo Deutschland 2002 das WM-Finale gegen Brasilien verloren hatte, machte zumindest die zweite Halbzeit etwas Mut. Auch in Unterzahl gab sich das Kuntz-Team nie auf, ein Remis wäre aber schlicht nicht verdient gewesen. "Wir haben nicht aufgesteckt, haben weiter Gas gegeben. Daran müssen wir anknüpfen und versuchen, dass wenig Positive mitzunehmen", sagte Kruse. Der Unioner hatte vor dem Turnier Gold als Ziel ausgegeben, doch davon scheint das Team weit entfernt.

Das gab auch Kuntz zu, der ohnehin kleinere Brötchen backt. "Das erste Ziel hat sich nicht geändert: Wir wollen die Gruppenphase überstehen." Dafür bedarf es aber einer deutlichen Steigerung. (tno/sid)