Top-Star klar geschlagen

SIE holt Deutschlands erstes GOLD

27. Juli 2021 - 17:24 Uhr

Das Warten hat ein Ende!

"Es war mein Traum – und mein Traum ist jetzt Realität geworden. Mega. Das ist der Wahnsinn", erklärte sie am Mikrofon der ARD. Dabei hatte sie zuvor noch vollkommen ungläubig auf den Zeitenmonitor gestarrt, ehe sie mit ihrem Trainerteam ist Wasser gesprungen war und ihre Freude keine Grenzen mehr kannte: Slalomkanutin Ricarda Funk, das Leichtgewicht im Wildwasserkanal, tanzte wunderschön auf den Wellen – ihre Fahrt sah aus wie ein Kinderspiel. Und brachte ihr Gold.

Gold-Gewinnerin Funk: Größter Erfolg nach vielen emotionalen Rückschlägen

"Ich kann es einfach nicht glauben, ich kann es einfach nicht glauben", sagte Funk mit Tränen in den Augen.

Die 29-Jährige rauschte am Dienstag im Kanuslalom zur olympischen Goldmedaille und feierte nach vielen Rückschlägen den größten Erfolg ihrer Karriere. Sie siegte im 25-Stangen-Parcours im Kasai Canoe Slalom Centre vor der Spanierin Maialen Chourraut und Jessica Fox aus Australien – dem Star des Sports und der absoluten Top-Favoritin. Statt Fox jubelte jedoch Funk. Und das ganze Team D mit ihr!

Endlich stand Funk ganz oben - nach all den Rückschlägen: 2016 hatte sie Olympia verpasst. Bei Weltmeisterschaften wurde sie Zweite und Dritte im Einzel, nur für den Sieg hatte es nicht gereicht. Bis zu ihrem perfekten Tag in Tokio. Das Leichtgewicht schlängelte sich mit Kraft und Eleganz durch die Tore und zeigte keine Nerven. Aufgeben? War für sie nie eine Option. Und das zahlte sich nun aus.

Ohne ihre Familie wäre es nicht möglich gewesen

In Rio hatte sie noch zusehen müssen, obwohl sie 2016 sogar Weltcup-Gesamtsiegerin war. Nun bangte sie lange um die Tokio-Spiele. "Ich habe mir sehr lange sehr viele Sorgen gemacht, ob das Ganze hier stattfinden wird. Ich habe mich nicht vier - in dem Fall fünf - Jahre darauf vorbereitet, sondern ein ganzes Sportlerleben lang."

Unterstützung fand sie immer in der Familie. "Durch meine Familie bin ich zu dem Sport gekommen, mein Vater hat mich jahrelang trainiert", sagte sie und ist zudem traurig, dass ihre Liebsten nicht vor Ort sein können. "Tickets, alles war schon gebucht". Am liebsten hätte sie die Familie "in den Koffer gepackt".

Während sie den größten Moment ihrer Laufbahn genießt, denkt Funk eben auch an ihre Liebsten in ihrer Heimat Bad Neuenahr-Ahrweiler, die so schwere durch die Flutkatastrophe getroffen wurde. "Es war einfach schrecklich, die ganzen Bilder zu sehen. Mein Mitgefühl gilt zuhause. Kreis Ahrweiler ist stark. Und zusammen sind wir noch viel stärker. Ich drücke die Daumen, dass wir da gemeinsam durchkommen", so Funk.

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Gold-Gewinnerin Funk: Ihr Papa brachte sie zum Kanu-Sport

.Mit Papa Thorsten saß sie im Alter von fünf oder sechs Jahren das erste Mal im Boot: "Ich kann mich daran erinnern, dass wir auf dem Rhein gefahren sind. Wir sagten: die Wellen von den Schiffen sind wie Kindergeburtstag, wir wollen da ein bissel mehr erleben." Die Liebe zum Kanuslalom kam erst später. "Anfangs dachte ich, das ist was für Jungs. Ich wollte lieber eine typische Mädchensportart machen wie Reiten oder Tanzen."

Bei ihrem ersten Wettkampf wurde sie Letzte. "Danach habe ich mir gesagt: Nie wieder." Erst mit 14 entschied sie sich komplett für das Kanu und gab das Tanzen in einer Karnevalsgruppe auf. Ein Glück! (ana/dpa)