Nächstes Tischtennis-Drama

Im 7. Satz: Ovtcharov erkämpft sich Bronze

Bronze in Tokio für Dimitrij Ovtcharov
Bronze in Tokio für Dimitrij Ovtcharov
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30. Juli 2021 - 16:18 Uhr

Ovtcharov der Mann für Herzkasper-Momente

Dimitrij Ovtcharov ist bei den Olympischen Spielen in Tokio der Mann für die Dramen. Einen Tag nach seinem Tischtennis-Epos gegen Chinas Ping-Pong-Monument Ma Long rang der 32-Jährige im kleinen Finale den Taiwanesen Lin Yun-Ju in sieben hochklassigen Sätzen nieder – Bronze! Irre: Im sechsten Durchgang wehrte Ovtcharov vier Matchbälle seines Kontrahenten ab, am Ende hieß es: 4:3 (13:11, 9:11, 6:11, 11:4, 4:11, 15:13, 11:7).

Ovtcharovs Mediallen-Sammlung wächst

Für Ovtachrov war es nach London 2012 die zweite Bronzemedaille im Einzel. Er ist erst der zweite Nicht-Chinese mit zwei olympischen Einzelmedaillen. Vor ihm hatte dieses Kunststück nur Schwedens einstiges Tischtennis-Genie Jan-Ove Waldner (Gold 1992 und Silber 2000) geschafft.

Insgesamt war es für Ovtcharov sogar die fünfte Olympiamedaille nach Silber (2008) und zweimal Bronze (2012, 2016) mit dem deutschen Team. Fünf Medaillen hat bei den Männern neben Ovtcharov bislang nur der Chinese Wang Hao (Team-Gold 2008 und 2012, Einzel-Silber 2004, 2008 und 2012) geholt.

Auf Vorhand ist Verlass

Deutschlands Tischtennis-Ass sank nach dem Matchball ungläubig auf die Knie, auf der Tribüne klatschte Timo Boll begeistert Beifall: Mit Nerven aus Drahtseilen sicherte sich Ovtcharov Bronze, wehrte im sechsten Satz vier Matchbälle von Lin Yun-Ju ab.

Der zweimalige Europameister begann stark, den ersten Durchgang holte er sich nach einem abgewehrten Satzball. Vor allem mit seinem variablen Aufschlag kam Ovtcharov gegen den Linkshänder immer wieder zu Punkten, bei langen Ballwechseln fand er gegen die krachende Vorhand aber zu selten ein Mittel und geriet 1:2 in Rückstand.

Ein starker vierter Satz brachte den Ausgleich, danach verlor der Deutsche aber kurzzeitig den Faden. Mit vier abgewehrten Matchbällen rettete er sich doch noch in den siebten Durchgang, wo er diesmal das bessere Ende für sich behielt.

Der Sieg im Tokyo Metropolitan Gymnasium war daher mehr als nur ein Trostpflaster für das dramatische 3:4 gegen den chinesischen Weltmeister und Rio-Sieger Ma Long. Ovtcharov stand am Donnerstag kurz davor, als erster Deutscher in ein Olympia-Finale einzuziehen, scheiterte aber knapp. "Wir werden ihm helfen und ihn wieder aufbauen", hatte Roßkopf im Anschluss gesagt.

Und das gelang: Gegen den Olympia-Debütanten aus Taiwan konnte sich Ovtcharov wieder auf seine starke Rückhand verlassen. Vor allem im vierten Satz behielt er gegen den aufstrebenden Jungstar die Nerven und schnappte dem Teenager die Medaille weg.

Ovtcharov kann im am Sonntag beginnenden Mannschaftswettbewerb sogar seine sechste Olympia-Medaille holen. Dann steht auch wieder Timo Boll an der Platte, der im Einzel bereits im Achtelfinale gescheitert war. (sid/mar)

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