Kolumne von Betti Letto

Offene Ehe, offenes Herz: 3 goldene Regeln für Affären - und mein erstes Sex-Date

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20. September 2019 - 4:53 Uhr

Freier Sex statt Frust im Ehebett - kann das klappen?

Liebe und Treue, bis dass der Tod sie scheidet. Nicht weniger versprechen sich die meisten Paare, wenn sie den Bund der Ehe eingehen. Aber was, wenn dieses klassische Konzept der Monogamie für einen der Partner einfach nicht funktioniert? Wenn der Wunsch nach Zärtlichkeit mit anderen Menschen die Liebe und das ganze Leben überlagert? Unsere Autorin Betti Letto (ein selbst gewähltes Pseudonym) hat genau das erlebt und ihren Mann um sexuelle Freiheit gebeten. Er entschied sich dafür, sie mit anderen Männern zu teilen. Sie und ihr Mann schlossen einen Pakt: Beide dürfen ihre Sex-Phantasien mit anderen ausleben. Betti Letto wird von nun an in einer Kolumne über ihr Leben und ihre Erfahrungen in einer offenen Ehe berichten.

Unsere Regeln waren liebevoll naiv...

Da standen wir nun mit unserem Entschluss: Wir wollen eine offene Ehe führen (hier geht's zum ersten Teil der Kolumne). Punkt. Eine riesige Last war nach diesem klärenden Gespräch von mir abgefallen. Ich fühlte mich frisch, hellwach und voller Tatendrang. Aber wie sollte es jetzt weitergehen? Alles war neu. Mein Mann hatte keine Erfahrung mit offenen Beziehungen, ich auch nicht.

Zunächst beschlossen wir, ein paar Regeln aufzustellen. Sie waren liebevoll naiv:
Nummer 1 - Wir nennen uns nicht die Namen oder Wohnorte derjenigen, mit denen wir uns treffen.
Nummer 2 - Wir haben keinen Sex mit anderen in unserem Haus.
Nummer 3 - Wir schützen uns immer mit Kondomen.

Keine Gefühle also. Das Universum muss schallend gelacht haben

Besonders wichtig war uns, dass wir uns nicht verlieben. Wir dachten, nur so könnte jeder seine Bedürfnisse ausleben und trotzdem bliebe genügend Luft zwischen "uns" und "denen". Als wären Gefühle in diesem Zusammenhang etwas Böses und Liebe eine begrenzte Ressource, wie ein Kuchen, der aufgeteilt wird. Und überhaupt kann man ja nur einen Menschen lieben. So oder so ähnlich haben wir es ja gelernt. Keine Gefühle also. Das Universum muss schallend gelacht haben…

Ich sah mich schon ins Dunkel geführt und ins Licht gevögelt

Nachdem wir in der Theorie alles besprochen hatten, ging es jetzt ans Eingemachte. Ich sah mich schon souverän durch Hotelzimmertüren schreiten - ins Dunkel geführt und ins Licht gevögelt. Auf Motorhauben genommen und im Wald verführt... Ok, in der Realität landete ich eines Tages auf der Ladefläche eines Lieferwagens an einem Rastplatz neben der hiesigen Spielothek - so what. Aber der Reihe nach. 

Ran an die Buletten - oder besser an die Männer!

Wo sucht man sich heutzutage einen Kerl? Natürlich online. Über einen kleinen Ableger von C-Date taperte ich recht unbeholfen durch unzählige Männer und Bilder, eine wahre Welle an Mails erreichte mich - totale Reizüberflutung. Ein sehr junger Mann hatte sich auf meiner Netzhaut eingebrannt und obwohl er für das, was ich eigentlich wollte, viel zu weit weg wohnte, kam es zu einem Treffen.

Mein Mann fuhr mich eines Montagmorgens zum Bahnhof, wünschte mir viel Spaß und eine gute Reise und ich war auf dem Weg zu meinem ersten Sex-Date. Der Kleine war 12 Jahre jünger, sehr niedlich und wir haben uns nachmittags vor einem Cafe verabredet. Nervös waren wir wohl beide, als wir uns sahen, aber die erste Aufregung legte sich schnell. Er hatte ein Hotelzimmer gebucht und wir waren uns schnell einig, dass wir einfach die Zeit genießen wollten.

Kurzentschlossen checkten wir ein und kuschelten uns in das große Bett. Allein dieser Moment war unglaublich toll: Ich durfte mit einem anderen Mann im Bett liegen und alles war ok. Ich neckte ihn ein wenig und ging duschen, er folgte und der heiße Teil des Tages begann. Die Kombination Männer und Wasser finde ich sehr prickelnd…

Auch wenn er einige Jahre jünger war, war er nicht unerfahren. Alles in allem war es ein wunderschöner, entspannter Tag. An dem Abend konnte ich mit Freundinnen wieder nach Hause fahren. Unsere Zeit war begrenzt und sehr romantisch, und wir haben noch ab und an Kontakt. Er war für mich das perfekte erste Date!

Zu Hause angekommen wollte mein Mann natürlich wissen, wie es mir gefallen hat. Sicherlich, das war eine komische Situation. Welche Informationen teile ich, welche nicht? Schluckt er es oder wird es zu Spannungen kommen? Ich erzählte ihm einfach, was ich für angebracht hielt. Man muss sich ja erstmal einspielen. Und es geht schließlich um mein ganz eigenes Sexleben - das ich jetzt endlich hatte. Und er auch! Ich werde nie sein Gesicht vergessen, als er nach der ersten Liebesnacht mit einer anderen Frau nach Hause kam... Aber davon später mehr.