Tränen im Landtag

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast weint um niedersächsische Schweinebauern

09. Oktober 2020 - 10:49 Uhr

"Ich töte meine Schweine und ich werde mich umbringen“

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hat unter Tränen den niedersächsischen Landtag über die katastrophale Situation von Schweinebauern unterrichtet: "Mich erreichen Telefonate von weinenden Frauen und Männern von den Höfen, die nicht mehr ein aus wissen. Die sagen: Ich töte meine Schweine und ich werde mich umbringen." Die Politikerin musste ihre Rede sogar kurzzeitig unterbrechen.

„Mich erreichen Telefonate von weinenden Frauen und Männern von den Höfen"

"Aus vielen persönlichen Gesprächen weiß ich, dass die Verzweiflung bei den Tierhalterinnen und Tierhaltern in Niedersachsen sehr groß ist", berichtet Barbara Otte-Kinast in einer äußerst emotionalen Rede dem Landtag. "Mich erreichen Telefonate von weinenden Frauen und Männern von den Höfen, die nicht mehr ein aus wissen."

Laut ihren Angaben ist der Schlachthof in Sögel für 3 Wochen coronabedingt geschlossen, jetzt droht eine Schließung in Vechta. Insgesamt könnten Schlachtkapazitäten für 120.000 Schweine die Woche fehlen. Es drohen Notschlachtungen.

Um Pandemiepläne einhalten zu können, will man jetzt in Niedersachsen flexible Arbeitszeiten für die Betriebe einführen. Auch wird darüber nachgedacht, an Sonn- und Feiertage schlachten und zerlegen lassen zu dürfen, so die Landwirtschaftsministerin.

5200 Betriebe in Niedersachsen bereits von Schweinepest bedroht

Doch nicht nur coronabedingte Schließungen machen den Schweinebauern in Deutschland zu schaffen. Auch das Eindringen der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland macht den niedersächsischen Schweinehaltern wirtschaftlich große Sorgen. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften von Vieh und Fleisch (VEZG) setzte bereits Mitte September außer der Reihe den Erzeugerpreis für Schweinefleisch neu fest und senkte ihn von 1,47 Euro um 20 Cent auf 1,27 Euro je Kilogramm. Bei einem Mastschwein mache der Wertverlust etwa 20 Euro aus, so Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen.

Die für Menschen ungefährliche Tierseuche wurde bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nachgewiesen. Der Kadaver des Wildschweins war wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt gefunden worden. Damit hat Deutschland den Status als "seuchenfrei". verloren. Es folgten Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland, vor allem nach China und Japan.

Nirgendwo in Deutschland ist die Schweinebranche größer als in Niedersachsen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Hannover gibt es 5200 Betriebe mit 8,3 Millionen Tieren. Den Umsatz in Niedersachsen beziffert die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands in Damme (Kreis Vechta) auf etwa 3,5 Milliarden Euro in guten Jahren.

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Quelle: DPA / RTL.de