Verurteilter Täter aus Neustrelitz läuft frei herum

Tochter (11) vergewaltigt - Vater: "Leuchten in ihren Augen ist einfach weg"

Vater ist nach Vergewaltigung seiner Tochter einfach nur wütend.
Der Vater ist nach der Vergewaltigung seiner Tochter einfach nur wütend
RTL

Der jugendliche Täter lockte das Mädchen damals unter einem Vorwand in den Schlossgarten in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern), fiel über die Elfjährige her und vergewaltigte sie. Sechs Monate später wird er verurteilt: ein Jahr Haft auf Bewährung. Der Vater des Mädchens ist auch Wochen später fassungslos: „Das ist ein Witz“. Mit ihm sprach Jens Schwarck.

Bewährungsstrafe für jugendlichen Vergewaltiger

„Wissen Sie, wenn Sie einem neugeborenen Baby in die Augen sehen, da ist ein Glanz drinnen, ein Leuchten. Dieses Leuchten ist bei meiner Tochter weg. Es kommt nicht mehr wieder. Egal, was ich machen würde“, sagt Mark S. im Gespräch mit RTL.

Vor knapp sechs Wochen wurde der Vergewaltiger seiner Tochter von einem Richter in Neustrelitz zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Das Urteil sorgte bundesweit für Unverständnis.

Vater musste Gerichtssaal verlassen

Der Prozess war damals, wegen des jugendlichen Alters der Beteiligten, unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt worden. Mark S. ist deswegen noch immer wütend. Er musste damals mit seiner Ex-Partnerin den Gerichtssaal verlassen.

„Damals wollte ich meinem Kind Beistand leisten, weil meine Tochter in Gegenwart des Täters aussagen musste“, erinnert er sich, „ein Kind braucht immer Sicherheit“. Doch bleiben durfte nur eine Mitarbeiterin des Jugendamts. „Mir kam das so richtig abgekatert vor“, sagt S. Auch, weil mehrere Zeugen nicht gehört wurden. Was genau dort passiert ist, wisse er bis heute nicht. Details wurden unter Verschluss gehalten.

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Vater: Täter dachte, Tochter sei 13 Jahre alt

Vom Urteil erfuhr S. später von der Anwältin via Telefon. „Das ist ein Witz, meine kleine Tochter“, kommentiert er noch heute. „Es ist alles zerstört. Das ist nicht mehr dieses fröhliche Mädchen.“

Ein Detail aus der Verhandlung sorgt bei ihm noch immer für Magenschmerzen. Der Täter, ein unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan, dessen Alter von Experten auf 16 Jahre geschätzt wurde, habe das Alter seines Opfers falsch geschätzt. Er dachte, sie sei 13 Jahre alt, erklärt S. „Ich habe die Anwältin dann angeschaut und gesagt, dass es doch keine Rolle spiele. Fakt ist, er ist 15 und hat eine solche Sache getan“, sagt er.

Dabei habe sich seine Tochter im Schlosspark noch gewehrt, als der Täter über sie herfiel, so S. Mehrfach hätte sie ihm „No“ gesagt. „Jugendliche kennen den Begriff ‘No’“, sagt der 39-Jährige. Woher die beiden sich überhaupt kannten, weiß er nicht.

„Sein Anwalt sagte dann nur prompt, sie hätte wissen müssen, was auf sie zukommt. Welches elfjährige Mädchen denkt soweit“, fragt der Vater entsetzt. „Sie möchte raus spielen, was jedes Kind so macht. Ich finde das eine bodenlose Frechheit.“

"Ich bin in Stockstarre gefallen"

​​​​​Mark S. erinnert sich noch ganz genau an den Tag, als er von der Arbeit nach Hause gekommen ist und ihm seine Ex-Partnerin, mit der er zwei Töchter hat, von der schrecklichen Tat berichtet hatte. „Sie hatte die Vermutung, dass unsere Tochter vergewaltigt wurde. Da bin ich natürlich in Schockstarre gefallen“, erzählt er.

Sofort fuhr er zu ihr und sah schon die Polizei vor der Tür stehen. Daraufhin habe er seine Tochter in die Notaufnahme begleitet. Bei der Untersuchung sei dann festgestellt worden, dass es eine Penetration gegeben habe. Das Problem damals: Da seine Tochter nach der Tat blutete, hatte ihre ältere Schwester sie abgeduscht, ohne sich etwas dabei zu denken. Das habe die Beweisführung schwieriger gemacht.

Später am Abend habe sie noch die Kraft gehabt, die Kriminalbeamten zum Tatort in den Schlosspark zu begleiten.

Vater fühlt sich von der Justiz im Stich gelassen

„Ich bin wirklich sehr wütend“, sagt S. im Interview für RTL und „Bild am Sonntag“. Er fühlt sich von der Justiz im Stich gelassen, auch von seiner eigenen Anwältin. „Sie hätte nach dem Prozess sagen müssen, dass wir jetzt in Revision gehen. Nichts dergleichen ist passiert.“

Der aufgebrachte Vater erklärt weiter: "Ich weiß, dass das Urteil rechtskräftig ist. Dennoch habe ich mich an Carsten Stahl vom „Bündnis Kinderschutz & Stoppt Mobbing“ gewandt. Ich möchte meiner Tochter eine Stimme geben und das nicht einfach so hinnehmen“. Auch Stahl klagt an: „Der Schutz von Kinderschändern und Vergewaltigern, steht in unserem Land über dem Schutz von Kinderseelen.“

Für seine Tochter war es wichtig, dass der Täter seine gerechte Strafe bekommt. Doch jetzt läuft vermutlich irgendwo in Neubrandenburg frei herum und könnte täglich seiner Tochter begegnen. (mor)