Eigentlich sollte der Junge besser atmen können

Neunjähriger stirbt nach Nasen-OP: Zwei Ärzte auf der Anklagebank

Die beiden Angeklagten kurz vor dem Prozess, umgeben von ihren Anwälten. Der eine sitzt bereits, während der andere noch steht.
Die beiden Angeklagten kurz vor dem Prozess, umgeben von ihren Anwälten. Der eine sitzt bereits, während der andere noch steht.
RTL Nord

Es ist ein Horror, den man sich gar nicht vorstellen möchte: Am 14. März 2007 wird der damals neunjährige Faouzane unter Vollnarkose an der Nase operiert, seine Polypen sollen entfernt werden. Dadurch soll seine Atmung verbessert werden. Die OP an sich verläuft nach Plan – doch die Katastrophe beginnt im Aufwachraum. Es kommt zu einer Nachblutung, an welcher der Junge eine Woche später laut Anklage der Hamburger Staatsanwaltschaft stirbt. Ein Fall, der in den letzten 15 Jahren lange Ermittlungen nach sich zieht – seit heute müssen sich zwei Ärzte vor einer Schwurgerichtskammer am Hamburger Landgericht verantworten.

Praxis war nicht nach medizinischen Standards ausgestattet

Die Ermittlungen gegen die beiden Ärzte wurden früher mangels Tatverdacht eingestellt. Die Mutter des Kindes – die auch als Nebenklägerin auftritt - war dagegen immer wieder vorgegangen und sogar zweimal mit dem Bundesverfassungsgericht in Kontakt getreten. Ein Nervenkrieg für alle, wie einer der Verteidiger der Angeklagten gegenüber RTL nach dem Prozess erklärt: "Alle Beteiligten leiden darunter, wenn 15 Jahre lang ein Strafverfahren stattfindet und das immer wieder aufgerollt werden muss". Im Prozess wirft die Staatsanwaltschaft dem heute 64-jährigen Operateur Körperverletzung mit Todesfolge vor, dem mittlerweile 68-jährigen Mitinhaber der Praxis Beihilfe durch Unterlassen. Die Staatsanwaltschaft kommt zu den Schlüssen, dass der Junge im Aufwachraum nicht ausreichend überwacht worden sei und die Praxis personell und auch technisch nicht so ausgestattet war, wie es medizinische Standards vorsehen würden.

Anästhesistin bereits verurteilt

An der Operation war auch eine Anästhesistin beteiligt, die bereits Ende 2009 zu einer Geldstrafe in Höhe von 9.000 Euro wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verurteilt wurde. Im Prozess steht bisher Aussage gegen Aussage. Der Verteidiger eines der Angeklagten betont immer wieder, dass es keine Beweise für die Schuld seines Mandanten gebe. Die Staatsanwaltschaft hingegen weist jedoch daraufhin, dass beide Ärzte Kenntnisse über die mutmaßlich mangelhafte Ausstattung der Praxis gehabt haben sollen und damit die Verantwortung für den Tod des Jungen tragen würden. Der Prozess wird fortgesetzt, insgesamt sind 13 Prozesstage geplant. (dpa/kbü/sün)