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Neue Allergie entdeckt: Der Biss dieser Zecke macht rotes Fleisch unverträglich

Alpha-Gal-Syndrom durch Zucker statt Eiweiß ausgelöst

Neue Allergie entdeckt: Der Biss der Einzelsternzecke macht rotes Fleisch unverträglich

Zecke und Pinzette auf einer Hand
Einzelsternzecken nehmen beim Befall von Säugetieren, wie Mäusen, Kaninchen oder Rehen, Alpha-Gal-Zucker auf. Beißt eine Zecke danach einen Menschen, kann dies eine allergische Reaktion auslösen. (Symbolbild)
deutsche presse agentur

Wer am "Alpha-Gal-Syndrom" erkrankt, wird allergisch gegen rotes Fleisch

Der Biss von einer Einzelsternzecke könnte eine lebenslange Allergie gegen rotes Fleisch auslösen.

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Weißen Fleck auf dem Rücken: Die Einzelsternzecke verbreitet sich

Ein Biss einer sogenannten Einzelsternzecke, die leicht an dem weißen Fleck auf ihrem Rücken zu erkennen ist, kann eine lebenslange Fleischallergie zur Folge haben, wie die "Washington Post" berichtet.

Die Einzelsternzecke hatte in den USA ihren Ursprung in den Südstaaten, sie hat sich inzwischen jedoch gen Norden und Westen ausgebreitet. Durch ein immer wärmeres Klima überleben mehr Zecken die Wintermonate, wodurch sich auch ihr Verbreitungsgebiet vergrößert.

Anders als die schwarzbeinige (Hirsch-)Zecke überträgt die Einzelsternzecke nicht die gefürchtete Lyme-Borreliose, sie kann aber bei Menschen eine schwere Nahrungsmittelallergie hervorrufen, die als Alpha-Gal-Syndrom bekannt ist, eine Allergie gegen rotes Fleisch.

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Von Hautausschlag bis zu Anaphylaxie: Die Reaktionen auf rotes Fleisch nach Zeckenbiss fallen heftig aus

Wenn Einzelsternzecken Säugetiere wie Mäuse, Kaninchen oder Rehe befallen, nehmen sie Alpha-Gal-Zucker auf. Falls die Tiere dann anschließend Menschen beißen und sich an ihnen laben, injizieren sie den Alpha-Gal-Zucker mit ihrem Speichel in den menschlichen Wirt.

Da Menschen kein Alpha-Gal in ihrem Körper haben, erkennt es das menschliche Immunsystem als Fremdsubstanz und löst eine Reaktion aus, einschließlich der Entwicklung von Antikörpern. Oft schwillt beispielsweise die Bissstelle an und juckt.

Rotes Fleisch kann dann zusätzlich weitere Reaktionen auslösen. Wird rotes Fleisch von Menschen gegessen, die von der Einzelsternzecke gebissen wurden, erkennt das Immunsystem das enthaltene Alpha-Gal aus dem Fleisch als Fremdstoff. Infolgedessen reagiert der Körper oft viel heftiger als die anfängliche bloße Reaktion auf den Zeckenstich.

Die Alpha-Gal-Allergie gegen rotes Fleisch kann zu Hautausschlag, Nesselsucht, Juckreiz, Schwellungen, Atemnot, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen führen. In schweren Fällen kann eine Person gar eine Anaphylaxie erleiden, eine potenziell tödliche allergische Reaktion.

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Nachweis für nicht durch Eiweiße ausgelöste Allergien erst seit 2009

Noch vor wenigen Jahren war es gängige Lehrmeinung, dass Allergien nur durch Eiweiße ausgelöst werden können. "Erst 2009 konnte gezeigt werden, dass auch Zucker Allergien auslösen. So ist die anaphylaktische Reaktion auf den Zucker Galactose-alpha‑1,3‑Galactose die Ursache für die erworbene Fleischallergie“, fasst Prof. Franz Allerberger, Leiter des Geschäftsfeldes Öffentliche Gesundheit der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) in der österreichischen Ärztezeitung zusammen.

Anfänglich war das Alpha-Gal-Syndrom demnach schwer zu diagnostizieren, da die allergische Reaktion meist erst viele Stunden nach der Fleischaufnahme auftritt. Auch erzeugen glücklicherweise nicht alle Einzelsternzeckenbisse das Alpha-Gal-Syndrom. Die weibliche einsame Einzelsternzecke hat einen weißen Fleck auf dem Rücken – das Männchen jedoch nicht – was zusätzlich die genaue Identifizierung der Zeckenart erschwert. Wer möglicherweise betroffen ist, sollte schnellstmöglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de.