"Schluss mit den Nacktschnecken in einem so seriösen Beruf!"

Nackig bei der Wettermoderation?! Was Eva Imhof davon hält

RTL-Wetterfee Eva Imhof liebt ihren Job!
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28. Juli 2020 - 12:06 Uhr

Kolumne von RTL-Wetterfee Eva Imhof

Heute habe ich mal wieder herzlich gelacht: Über meinen Job und was ich als Wetterfee schon alles erlebt und gesehen habe. Gerade habe ich gelesen, dass eine russische Krankenschwester ein Jobangebot als TV-Wetterfrau bekommen hat, weil sie während des Dienstes unter ihrem durchsichtigen Covid-19-Plastik-Kittel lediglich Unterwäsche trug. Von ihrem Nackidei-Krankenhaus-Einsatz kursierte dann schnell ein Foto in den sozialen Medien und schwupp gab es das Angebot zur Wetterfee?!

Direkt beim Lesen des Artikels schwoll mir die Halsschlagader an

Im ersten Moment dachte ich: Schluss mit den Nacktschnecken in einem so seriösen Beruf! Und warum meinen TV-Macher(innen) offensichtlich immer noch, dass allein eine schlanke Figur (bzw. Ausziehen?!) ausreiche, um kompetent das Wetter zu präsentieren?

Als ich mich dann genauer mit dem "Fall" beschäftigt habe, hat sich meine Sichtweise schnell geändert. Denn die Aufnahmen, die die junge Frau im Fernsehstudio zeigen, sind mega seriös. In ihrem engen Pulli und dem Bleistiftrock könnte sie genauso gut bei uns um RTL-Studio stehen. Was ihre Qualifikationen als Wettermoderatorin angeht, kann ich mir kein Urteil erlauben, aber vielleicht war dem TV-Sender das auch gar nicht so wichtig und es handelt sich einfach um einen cleveren Schachzug, um die Einschaltquote etwas nach oben zu treiben!

„Empfinden Sie Wetter'fee' nicht als diskriminierend?“

Und mal ehrlich: Unsere Welt ist spätestens seit Covid-19 derart aus den Fugen geraten, dass ich versuche, mein Leben mehr und mehr mit Selbstironie zu meistern – das empfehle ich Ihnen an der einen oder anderen Stelle übrigens auch. Und da wären wir auch schon wieder bei dem Wetterfeen-Job und den Vorurteilen, die dieser eben so mit sich bringt. Ich werde des öfteren gefragt: "Empfinden Sie Wetter'fee' nicht als diskriminierend?" Lachend antworte ich dann: "Nein! Eine Fee ist doch etwas Zauberhaftes! Ich bin total stolz drauf."

Für mich gibt es nichts Spannenderes, als bei Schneesturm und gefühlten minus 20 Grad draußen als Reporterin unterwegs zu sein. Außerdem durfte ich mich schon in eine Alpakaherde integrieren, mit Pinguinen schwimmen oder auf Island in heißen Quellen baden.

Nur mit meiner Anatomie als Fee hakt es noch ein wenig

Ich erinnere mich belustigt an die Zeit, als meine Zwillingstöchter noch in den Kindergarten gingen und sich beim Hinbringen und Abholen regelmäßig eine Traube Kinder um mich versammelte, mir den Rücken tätschelte und voll aufrichtigem Erstaunen fragte: "Du bist doch die Wetterfee! Wo sind denn deine Flügel?" Meistens antwortete ich dann so was wie: "Die sind gerade in der Werkstatt!" oder "Momentan bin ich hier ja als Mama im Einsatz, da schnalle ich mir meine Flügel immer ab."

Gerne werde ich auch gefragt ob ich "nur" Wetterfee sei oder auch noch etwas anderes/richtiges mache?! Auch über diese Frage kann ich mittlerweile schmunzeln. Wobei ich ehrlich gestehe, dass mich solche Fragen zu Beginn meiner Karriere doch recht verletzt haben. Viele Menschen machen sich im Übrigen gar keine Gedanken, ob sie jemandem mit ihren unbedachten Fragen oder Aussagen weh tun. Und deshalb empfehle ich: Immer besser nochmal nachdenken, bevor man gewisse Sätze "raushaut". Gilt übrigens für sämtliche Lebenslagen.

Ich arbeite in meinem Traumjob!

Beim Thema Wetterpräsentation denke ich sofort an so was wie den legendären Lachanfall von meiner Kollegin Maxi Biewer oder die unzähligen, schrägen Einsätze von Christian Häckl, der sogar mal als Harry Potter oder Barde im Wetter-Einsatz war. Und spätestens wenn man sich den obercoolen Prince Charles als Wetterfrosch bei der BBC anschaut, merkt man: Das ist ein Traumjob, aber er macht sich nicht von allein.

Und wissen Sie was?! Letztlich zählt für Erfüllung im Beruf das Gleiche, was einen allgemein im Leben glücklich macht: Dinge wie Leidenschaft und Liebe. Für mich gibt es übrigens kein schlechtes Wetter, es ist immer eine Frage der Perspektive und ohne Regen gäbe es beispielsweise auch keine Blumen. Eines meiner Lieblingssprichwörter zum Thema Wetter stammt übrigens aus Südafrika: "Wende dein Gesicht immer der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich."

In diesem Sinne: alles Liebe, Ihre Eva Imhof