Nach Manipulationsvorwürfen

Weltbank schafft Länder-Rangliste ab

Die Weltbank hat nach Manipulationsvorwürfen ihre Rangliste abgeschafft.
Die Weltbank hat nach Manipulationsvorwürfen ihre Rangliste abgeschafft.
© deutsche presse agentur

17. September 2021 - 8:59 Uhr

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa im Zentrum des Manipulationsskandals

Die Weltbank gibt jährlich eine Rangliste aus, die die Wirtschaftsfreundlichkeit von Ländern bewertet und damit auch das Investitionsklima in den jeweiligen Staaten. Jetzt gibt es schwere Vorwürfe gegen ehemalige Geschäftsführer: Sie sollen für Manipulationen der Rangliste gesorgt haben, damit China besser platziert wird. Die Rangliste wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe abgeschafft. Im Zentrum des Manipulationsskandals steht ausgerechnet die jetzige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Bulgarin Kristalina Georgiewa.

Bekam China im "Doing Business"-Bericht für 2018 bessere Platzierung zugewiesen?

Anlass ist ein Untersuchungsbericht Kanzlei WilmerHale, demzufolge führende Vertreter der Weltbank - darunter die jetzige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa - "unangemessenen Druck" ausgeübt haben sollen, um China im Ranking des "Doing Business"-Berichts für 2018 besser abschneiden zu lassen. China landete schließlich auf Platz 78, nachdem es im ersten Entwurf zunächst auf Rang 85 gelegen hatte.

Kristalina Georgiewa
Kristalina Georgiewa führte die Geschäfte der Weltbank. Zuvor arbeitete die Bulgarin mehrere Jahre als EU-Kommissarin in Brüssel.
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Georgiewa, die damals Geschäftsführerin der Weltbank war, wies die Vorwürfe entschieden zurück. Sie stimme den Ergebnissen und Interpretationen der Untersuchung von Datenunregelmäßigkeiten in Bezug auf ihre Rolle bei dem "Doing Business"-Bericht für 2018 nicht zu, erklärte sie. Sie habe sich mit dem Exekutivdirektorium des IWF getroffen, um die Angelegenheit zu besprechen.

Neben Georgiewa steht auch der damalige Weltbank-Präsident Jim Yong Kim im Zentrum der Vorwürfe. Dem Bericht zufolge übten ranghohe Mitarbeiter aus seinem Büro wahrscheinlich auf seine Anweisung hin "direkten und indirekten" Druck aus, um die Methodologie zur Erstellung des Berichts zugunsten Chinas zu ändern.

WilmerHale verwies auch auf Unregelmäßigkeiten bei den Daten, mit denen das Ranking für Saudi-Arabien und Aserbaidschan in dem "Doing Business"-Bericht für 2020 ermittelt wurde. Hinweise auf eine Verwicklung der Weltbankführung seien hier aber nicht gefunden worden.

Die Weltbank erklärte, sie werde an einem neuen Ansatz zur Bewertung des Investitionsklimas und der Wirtschaftsfreundlichkeit eines Landes arbeiten. (reuters/aze)