Nachts duschen oder Wäsche machen?

Mietrecht: Musik, Flugzeuge, Hähne - welcher Lärm darf im Mietshaus sein?

22. Oktober 2020 - 9:47 Uhr

Duschen, musizieren und Co.: Was dürfen Mieter und was nicht?

Jeder, der einmal in einem Mietshaus gewohnt hat, kennt es mit Sicherheit: Man hat sich gerade ins Bett gelegt und die Augen geschlossen und plötzlich dreht der nervige Nachbar die Musik auf. Oder anders herum: Sie kommen spät nach Hause und wollen noch einmal schnell unter die Dusche springen, obwohl Sie wissen, dass dies die Nachbarn stören könnte. Also welcher Lärm ist im Mietshaus erlaubt und auf was sollten Mieter lieber verzichten? Wir klären auf, was das Mietrecht vorschreibt.

Baden und duschen: Körperpflege kennt keine Ruhezeit - oder doch?

Baden oder duschen können Sie bis zu einer halben Stunde zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das Geräusch ein- und ablaufenden Wassers halten Gerichte nämlich für normale Wohngeräusche, die auch während der Ruhezeiten hingenommen werden müssen. Auch nach 22 Uhr darf der Mieter baden und duschen, ein Verbot in der Hausordnung ist nach der überwiegenden Rechtsprechung unzulässig.

Instrumente, Musik und Party: Was darf ich und was nicht?

Übung macht den Meister, das wissen auch die Gerichte. Bis zu zwei Stunden klimpern, dudeln, flöten sind deshalb erlaubt. Da kann auch die Hausordnung nichts dran ändern. Die Nachbarn müssen sich derweil in Toleranz üben. Auch wenn das Musizieren Zimmerlautstärke übertrifft. Innerhalb der nächtlichen oder mittäglichen Ruhezeiten (mittags zwischen 13 und 15 Uhr und von 22 bis 7 Uhr morgens) hat aber auch Mozarts Kleine Nachtmusik keine Chance.

Etwas anders sieht es beim Musik hören aus: Volles Rohr die Mucke aufdrehen - das sollten Sie schon um des lieben Friedens wegen unterlassen. Sie müssen sich auf Zimmerlautstärke beschränken. Das bedeutet aber nicht, dass der Geräuschpegel beim Nachbarn überhaupt nicht messbar sein darf. Ihr bevorzugter Musikgeschmack darf beim Nachbarn schon ankommen.

A propos Musik. Es gibt keine einheitliche Rechtsprechung dazu, wie oft Partys erlaubt sind. So haben Sie aber auch kein Recht darauf, z.B. einmal im Monat Ihren Nachbarn in der Nachtruhe zu stören. Ab 22 Uhr, da darf die Stimmung sonst wie auf den Siedepunkt zugehen, müssen Sie Ihre Gäste zur Ruhe ermahnen. Hilfreich ist natürlich, die Nachbarn vorher zu informieren oder gleich mit einzuladen. Aber deren Nerven nicht überstrapazieren!

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Wäsche machen: Darf die Waschmaschine auch über Nacht laufen?

Die Ruhezeiten, wie sie im Mietvertrag stehen, gelten aber z.B. für den Lärm durch Waschmaschinen. Wenn Sie eine leise moderne Maschinen haben, dürfen sie auch mitten in der Nacht gerne waschen. Haben sie allerdings ein Exemplar von Anno Pief, das wie ein Panzer durch die Wohnung ruckelt, dann ist damit eine Lärmbeeinträchtigung verbunden und dann dürfen Sie nachts nicht waschen.

Freizeitspaß in der Wohnung - wie sieht es mit spielen und grillen aus?

Kinder dürfen ihren Spieltrieb ausleben. Das gilt auch für die Ruhezeiten. Gerichte gestehen Kindern auch zu, nachts zu schreien. Mutwillig verursachten Kinderlärm müssen Sie dagegen nicht hinnehmen. Zum Beispiel können Sie gegen Kriegsspiele im Hausflur oder Fußballspiele zwischen Grünpflanzen bei ständiger Wiederkehr mit Aussicht auf Erfolg vor Gericht angehen.

Beim Grillen muss zusätzlich darauf geachtet werden, dass kein Qualm entsteht, der den Nachbarn die Wohnräume vernebelt. Auf dem Balkon darf ein Mieter nur dann grillen, wenn ihm dies nicht durch Mietvertrag oder Hausordnung untersagt wurde und keine Brandgefahr besteht.

Heimwerken: Darf ich die Wohnung rund um die Uhr verschönern?

Den Hang zum Heimwerken muss die Hausgemeinschaft Ihnen lassen. Allerdings müssen Sie in den Ruhezeiten lautlose Arbeiten durchführen. Aber: Nachbarn, die ständig als Hobby-Heimwerker tätig sind, müssen nicht geduldet werden. Problematisch dürfte allerdings der Nachweis einer übermäßigen Betätigung sein.

Rasenmäher dürfen übrigens an Werktagen von 19 bis 7 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen nicht genutzt werden. Hier gilt die Rasenmäherlärm-Verordnung (die gibt's tatsächlich: 8. Bundesimmisionsschutzverordnung). Dieses Verbot gilt auch für andere, lärmerzeugende Arbeitsgeräte durch Privatpersonen im Freien, z.B. Laubsauger. Wer dagegen verstößt, riskiert ein Bußgeld. Aber eben nur in der o.g. Zeit sind sie verboten. Und im Dunklen wird wohl kaum jemand die Blätter weg saugen wollen.

Tierischer Lärm: Was dürfen Haustiere und Co.?

Übermäßiges Hundegebell braucht man nicht hinzunehmen, wohl aber, dass Nachbars Katze gelegentlich über das eigene Grundstück streift. Doch nicht nur die eigenen Haustiere können für Lärm sorgen, besonders auf dem Land stören gern mal wilde Tiere die ruhige Idylle. Was darf man sich hier gefallen lassen?

Ein Hahn darf grundsätzlich krähen, dazu ist er ja auch irgendwie da. Zumindest im ländlichen Bereich. Allerdings sind Lärmbelästigungen auch in dörflicher Stadtgegend nicht einschränkungslos zu dulden. Der Hahn ist von 20 Uhr abends bis 8 Uhr schalldicht zu verwahren, urteilten bisher die meisten Richter.

Bei Fröschen sieht es ähnlich aus: Kann das Gequake nicht auch irgendwie entspannend wirken? Frösche stehen unter Naturschutz, egal ob in einem natürlichen Wasserlauf oder im künstlich angelegten Teich nebenan. Sie müssen sie hinnehmen. Bei übermäßiger Lärmbelästigung kann die Naturschutzbehörde aber anordnen, den Teich trockenzulegen, beziehungsweise die Frösche umzusiedeln.

Wo wir gerade beim Leben auf dem Lande sind: Ernte- und Bestellungsarbeiten landwirtschaftlicher Betriebe müssen auch zwischen 5 Uhr und 6 Uhr sowie zwischen 22 Uhr und 23 Uhr, also auch innerhalb der nächtlichen Ruhezeit, hingenommen werden.

Die Stadt schläft nie: Welchen Großstadtlärm müssen Mieter hinnehmen?

Oft haben Stadtbewohner Pech mit dem Lärm, denn man lebt in Deutschland nicht auf einer Insel und muss in einer entsprechend technisierten und auch dicht bevölkerten Gesellschaft in gewissem Umfang Einbußen der eigenen Lebensqualität durch Geräusche Dritter hinnehmen.
Aber der Willkür ist man nicht ausgesetzt: Hier sind vor allem das Bundesimmissionsschutzgesetz mitsamt Durchführungsverordnungen und insbesondere die TA-Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm) sowie die Lärmschutzvorschriften in den Landesimmissionsschutzgesetzen zuständig.

Lärm von der benachbarten Baustelle berechtigt den Mieter zur Mietminderung, auch wenn der Vermieter mit dem Baulärm nichts zu tun hat. Allerdings werden oft Ausnahmegenehmigungen erteilt, Auskunft erteilt im Einzelfall das zuständige Ordnungsamt. Das ist auch für Sanktionen bei Verstößen zuständig.

Aber was ist mit Lärm, der beispielsweise von im Minutentakt startenden bzw. landenden Flugzeugen ausgeht oder Geräusche, die Kraftfahrzeuge auf einer sechsspurigen Ausfallstraße im Berufsverkehr verursachen? Sie können sich auf Dauer bei betroffenen Anwohnern schließlich gesundheitsschädigend auswirken.

Und auch wenn's nervt: Kirchenglocken dürfen läuten. Die dürfen das rund um die Uhr (also nicht ununterbrochen, aber wenn es Uhrzeit und Gottesdienst verlangen). Der Kirchturm war vermutlich auch eher da als die Anwohner.