Wie stark wirkt sich Corona auf die Sterbezahlen aus?

Münchener Professor: 2020 bisher keine ausgeprägte Übersterblichkeit in Deutschland

Eine Atemschutzmaske wurde drapiert für ein Foto *** A respirator was draped over a mask for a photo Foto:xC.xHardtx/xF
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15. Dezember 2020 - 19:03 Uhr

Der Einfluss von Corona auf die Sterblichkeit in Deutschland

Bereits über 20.000 Menschen sind 2020 an oder mit Corona gestorben. Doch ob dieses Jahr deshalb insgesamt mehr Menschen in Deutschland sterben als in den vergangenen Jahren, ist eine andere Frage. Wir haben mit Prof. Helmut Küchenhoff von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München gesprochen, der zu dem Thema forscht.

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Sind die Sterbefallzahlen 2020 höher als sonst?

Betrachtet man die Daten des Statistischen Bundesamtes und des Robert-Koch-Instituts, erkennt man sowohl im April als auch im Oktober, dass die Sterbefallzahlen über dem Durchschnitt der Vorjahre liegen. In beiden Phasen sind die Zahlen der Todesfälle im Zusammenhang mit Corona besonders hoch. Übersterblichkeit bedeutet, dass in dem betrachteten Zeitraum mehr Menschen gestorben sind als in den vorherigen Jahren im Durchschnitt. Liegt die für das Jahr 2020 vor?

Studie: Keine ausgeprägte Übersterblichkeit

Prof. Helmut Küchenhoff von der LMU in München, hat die Sterblichkeit in Deutschland genauer untersucht und kann insgesamt keine ausgeprägte Übersterblichkeit feststellen. "Es gibt eine leichte Übersterblichkeit in der Gruppe der Über-80-Jährigen." Bei den 35- bis 59-Jährigen gebe es dagegen es in diesem Jahr zeitweise sogar eine Untersterblichkeit. Das könnte zum Beispiel darauf zurückzuführen sein, dass weniger Unfälle passiert sind oder die Corona-Schutzmaßnahmen dazu geführt haben, dass jüngere Menschen weniger Reiseunfälle hatten.

Auf das Jahr gesehen könnten sich Phasen der Unter- und Übersterblichkeit in verschiedenen Altersgruppen ausgleichen. Es ist laut Prof. Helmut Küchenhoff deshalb besonders wichtig, nicht nur einen Mittelwert zu betrachten. "Deswegen schauen wir eben auf die unterschiedlichen Altersgruppen (…) da man ja weiß, was Corona betrifft, dass dort die älteren Altersgruppen stärker gefährdet sind."

Deutliche Unterschied in Europa

Denn auch wenn im Durchschnitt 2020 in Deutschland keine ausgeprägte Übersterblichkeit vorliegen sollte, heißt das nicht, dass das Coronavirus deshalb ungefährlich ist. Vielmehr zeigt sich an diesen Werten laut Prof. Helmut Küchenhoff wie stark die Pandemie ein Land getroffen hat: "In der ersten Welle (…) haben wir keine Übersterblichkeit, wir haben nur eine leicht in der Gruppe der Über-80-Jährigen und das zeigt, dass wir im Vergleich zu anderen Ländern die erste Welle eigentlich ganz gut überstanden habe." Beim Blick auf andere europäische Länder sieht das aber ganz anders aus. Dort zeigt sich, dass teilweise eine dramatische Übersterblichkeit verzeichnet wurde.

Forscher des Projekts "EuroMomo", das die Sterblichkeit vieler europäischer Staaten dokumentiert, sehen dabei einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt zu dem Corona-Schutzmaßnahmen und Lockdowns eingeführt wurden, und der Entwicklung der Sterblichkeit.