Darum sind sie so beliebt

Milchalternativen aus Erbsen, Reis, Hafer oder Soya

Zu pflanzlichen Milchalternativen wie Hafer-, Soja- oder Mandeldrink haben 2020 deutlich mehr Verbraucher in Deutschland gegriffen.
Zu pflanzlichen Milchalternativen wie Hafer-, Soja- oder Mandeldrink haben 2020 deutlich mehr Verbraucher in Deutschland gegriffen.
© picture alliance, Oliver Berg

05. Mai 2021 - 10:23 Uhr

Jeder dritte Haushalt greift bereits zu Milchalternativen

Ob Hafer-, Soja- Mandel- oder Erbsendrink: Pflanzliche Milchalternativen stehen immer häufiger im heimischen Kühlschrank. Mehr als jeder dritte Haushalt in Deutschland kauft bereits pflanzliche Milchalternativen, haben die Konsumforscher von GfK ermittelt. Und der Boom geht weiter.

Junge Verbraucher greifen bewusst zu pflanzlichen Milch-Alternativen

Laut Datenanalysten von GfK und NielsenIQ sind sowohl der Umsatz als auch die Absatzmenge im deutschen Einzelhandel 2020 um weit über 40 Prozent erheblich gewachsen. "Insbesondere pflanzliche Drinks boomen und nehmen immer mehr Platz im Regal ein", sagte NielsenIQ-Expertin Corinna Ludwig. Allein im vergangenen Jahr seien zwei Millionen Haushalte hinzugekommen, erklärt Steven Brechelmacher von der GfK. Inzwischen kauf mehr als jeder dritte Haushalt in Deutschland bereits pflanzliche Milchalternativen.

Konsumpsychologe Paul Bremer verweist auf ein gestiegenes Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit. Gerade junge Leute wollten bei dem eigenen Konsum anfangen. Die Pandemie habe das noch verstärkt. Die konventionelle Landwirtschaft werde von ihnen als sehr intensiv wahrgenommen, als Agrarindustrie, bei der Tiere massenhaft im Stall gehalten werden. "Die Milch ist nicht das Problem, sondern die Bilder, die mit der Milcherzeugung in Verbindung stehen", sagt der Experte des Kölner Rheingold-Instituts. Dabei gebe es Parallelen zu pflanzlichen Wurst- und Fleischalternativen, die aber so aussehen sollen wie tierische Produkte. "Pflanzliche Milchalternativen sind der Versuch, die Muttermilch durch Mutter Natur zu ersetzen."

Wie sich die Milchalternativen im Geschmack und in der Zusammensetzung unterscheiden, erklären wir in diesem Artikel.

Milchwirtschaft hält dagegen: "Weiße Wunder" statt Klimaschädling

Die deutsche Milchwirtschaft hat unterdessen die Initiative Milch GmbH gegründet, die die Milch ins rechte Licht rücken soll. "Junge Verbraucher:innen fühlten sich zuletzt häufig von Hafer- oder Soja-Alternativen angesprochen, die hier auf höhere Marktanteile kommen als im Bevölkerungsschnitt. Die Milch muss digitaler werden, um hier Popularität zurückzugewinnen", schreibt Geschäftsführerin Kerstin Wriedt in einem Branchenbrief. Man müsse die Sprache junger Menschen und junger Familien sprechen. Vor allem in Städten bestehe bei ihnen ein großer Aufklärungsbedarf über Produktion, Inhaltsstoffe und Vorteile der Milch. "Das Narrativ des "Weißen Wunders" muss im urbanen Raum das des vermeintlichen Klimaschädlings Kuhmilch ablösen."

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Milch-Alternativen deutlich teurer - Kunde greifen trotzdem zu

Laut GfK liegen die Milchalternativen mit 1,93 Euro je Kilogramm über dem Durchschnittspreis klassischer Molkereiprodukte von 1,51 Euro je Kilogramm. "Die Haushalte sind also bereit, höhere Durchschnittspreise dafür zu zahlen", erklärt GfK-Experte Brechelmacher.

Auf den boomenden Markt kommen immer mehr Anbieter hinzu, sagt NielsenIQ-Expertin Ludwig. Neben den "Pure Playern", die sich ausschließlich auf pflanzliche Produkte fokussierten, erweiterten auch immer mehr Milchprodukte-Hersteller ihr Sortiment um pflanzliche Alternativprodukte. Auch die Eigenmarken der Händler wachsen stark.

Nestlé bietet mit "Wunda" ganze Produktlinie auf Erbsenbasis an

So will der schweizerische Nahrungsmittelkonzern Nestlé sein Geschäft mit pflanzlichen Milchalternativen in Europa durch die neue Marke Wunda ausbauen, unter der Produkte auf Erbsenbasis entwickelt wurden. Sie sollen zuerst in Frankreich, den Niederlanden und Portugal in die Läden kommen. Einen Starttermin für Deutschland gibt es noch nicht.

Als Marktführer bei pflanzlichen Milchalternativen in Deutschland sieht sich mit großem Abstand der französische Konzern Danone mit seinem Geschäftsbereich Alpro und Produkten unter seiner Stammmarke. Aber auch für deutsche Molkereien sind solche Produkte ein Thema. Von der größten deutschen Molkereigenossenschaft DMK hieß es, man sehe in diesem Markt "keine Konkurrenz, sondern eine Chance, weitere Verbraucher zu erreichen."

Quelle: DPA / AZE

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