Experte erklärt Qualitätssicherung

Wie sicher ist eigentlich unsere Milch?

© iStockphoto, iStock, vm

12. Oktober 2019 - 9:36 Uhr

Milch wegen Durchfall-Bakterien zurückgerufen

Nachdem am Freitagmorgen Frischmilch aus sämtlichen Supermarktketten wie Rewe, Aldi, Lidl & Co. zurückgerufen wurde, fragt man sich: Was passiert mit der Milch, bis sie im Supermarktregal steht? Und vor allem: Wie sicher ist unsere Milch eigentlich?

Wann darf die Milch in den Supermarkt?

Wenn wir heutzutage Milch im Supermarkt kaufen, hat die bereits eine Menge Kontroll- und Verarbeitungsschritte hinter sich gebracht. Doch was genau muss passieren, damit die Rohmilch als Trinkmilch im Supermarkt verkauft werden kann?

Vom Experten erklärt: Diese Produktions- und Sicherungsprozesse durchläuft die Milch

Der Landwirt melkt seine Kühe in der Regel zweimal am Tag und lagert die Milch gekühlt. "Ein Milchsammelwagen holt die Rohmilch schließlich bei den Landwirten ab", erklärt Markus Stamos, Fachberater für die Landesvereinigung Milchwirtschaft NRW e.V., im RTL.de-Interview.

Von jeder Milch-Lieferung wird eine dem Hof zugeordnete Probe entnommen. "In den Molkereien wird die vermischte Milch schließlich auf Hemmstoffe wie zum Beispiel Antibiotika oder Reinigungsmittelrückstände gestest, pH-Wert und Temperatur werden gemessen, bevor sie überhaupt zur Weiterverarbeitung zugelassen wird."

Danach wird die Milch zur Reinigung entfettet, Festteile wie Staub oder kleine Heureste werden entfernt. Dann erfolgt die Standardisierung und Homogenisierung: Die Sahne, also der fettige Anteil, wird zurückgegeben, die Menge wird auf 1,5 bis 3,5 % standardisierd, größere Fettstrukturen werden verkleinert, die Milch wird homogen gemacht.

Durch Erhitzungsmethoden wird dann dafür gesorgt, dass in der Milch Krankheitskeime reduziert beziehungsweise entfernt werden. Die Erhitzungsmethoden sind unterschiedlich, was dazu führt, dass die Haltbarkeit zwischen zehn Tagen und sechs Monaten variiert, damit aber auch die Qualität der Milch.

Am bekanntesten ist die Pasteurisierung, bei der die Milch für 30 Sekunden auf 72 Grad erhitzt und dann wieder abgekühlt wird. Erst dann ist sie fertig zur Abfüllung und zum Transport in den Handel. Ganz keimfrei ist die Milch bei diesem Verfahren nicht, es bleiben aber nur natürliche, für den Menschen ungefährliche und gesunde Bakterien übrig.

Rekontamination durch verunreinigte Teile der Produktionsanlage möglich

Bevor die Milch in den Handel geht, werden noch einmal Messungen vorgenommen, so Stamos. Keimbelastung, pH-Wert und Fettanteil werden überprüft. Außerdem werden Proben zur mikrobiologischen Untersuchung entnommen, die sogenannten Standproben.

"Bis die Ergebnisse dazu vorliegen, vergehen aber ein paar Tage", erklärt uns der Experte. Dabei kann auffallen, dass unerwünschte Bakterien in der Milch enthalten sein kann. Mögliche Quellen für diese extrem selten auftretenden Fälle können durch Verunreinigungen von Teilen der Produktionsanlagen herühren oder aber aus den Verpackungen stammen. "Man spricht in diesem Fall von einer sogenannte Rekontamination." In der Regel muss die betreffende Produtionscharge dann zurückgerufen werden.

Auch im aktuellen Fall soll eine defekte Dichtung an der Produktionsanlage die Ursache für die Verunreinigung sein, wie die DMK Group mitteilte.