Diese Bedingungen gelten für Vermieter

Mieterhöhung: Muss ich wirklich mehr zahlen?

31. Juli 2019 - 15:19 Uhr

Ohne Ihre Zustimmung geht nichts

Haben Sie ein Schreiben Ihres Vermieters bekommen mit der Nachricht, dass Sie ab sofort mehr Miete zahlen müssen? Dieser Anspruch kann rechtens sein - vielleicht aber auch nicht. Welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die Mieterhöhung wirklich gefordert werden darf, haben wir in unserem Video für Sie zusammengefasst.

Etwa ein Drittel der Mieterhöhungen ist rechtswidrig

Mieterhöhung - Das können Sie tun
Flattert eine Mieterhöhung ins Haus, heißt es vor allem: Ruhe bewahren.
© dpa, Jens Kalaene

Laut Schätzungen des Mieterbundes ist von jährlich einer Million Mieterhöhungen in Deutschland etwa ein Drittel rechtswidrig. Auch wenn sich der Vermieter auf die ortsübliche Vergleichsmiete beruft oder nach der Durchführung einer Modernisierung im Recht glaubt: Mieter, die voreilig eine Mieterhöhung akzeptieren, verschenken jedes Jahr bares Geld. Mit der folgenden Checkliste sowie den Tipps im Video Sie direkt nachprüfen, ob Sie etwas gegen Ihre Mieterhöhung unternehmen können.

Checkliste für mögliche Mieterhöhung

  • Richtiger Absender?
    Nur der Vermieter darf die Miete erhöhen. Haus- oder Wohnungskäufer müssen im Grundbuch eingetragen sein, Erben müssen einen Erbschein vorweisen können, sonst dürfen sie die Miete nicht erhöhen.
  • ​Richtig adressiert? 
    Die Mieterhöhung muss zum Beispiel bei Ehepaaren oder Mitgliedern einer Wohngemeinschaft an alle Mieter adressiert sein.

  • Mieterhöhung von Bevollmächtigtem?
    Der Vermieter kann Anwälte, Hausverwaltungen oder Eigentümervereine bevollmächtigen, für ihn die Mieterhöhungserklärung abzugeben. Dann muss der Mieterhöhung aber die Original-Vollmachtsurkunde beiliegen. Fehlt sie, kann die Mieterhöhung zurückgewiesen werden.

  • Schriftlich? 
    Mündliche oder telefonische Mieterhöhungen reichen nicht aus. Die schriftliche Mieterhöhung muss von allen Vermietern stammen. Diese kann aber auch in reiner Textform geschickt werden - das heißt, diese Mieterhöhungen müssen dann nicht mehr unterschrieben werden.

  • Vergleichswohnung? 
    Oft sind Vergleichswohnungen nicht wirklich vergleichbar. Adresse, Geschoss und Quadratmeterpreis der Vergleichswohnungen müssen angegeben sein. Vergleichswohnungen sind meist überteuert. Ist ein Mietspiegel vor Ort vorhanden, muss dieser immer zum Vergleich mit herangezogen werden. Die Zahlen eines qualifizierten Mietspiegels muss der Vermieter angeben.

  • Gutachten? 
    Das Gutachten muss im vollen Wortlaut der Mieterhöhung beigefügt sein. Es muss von einem vereidigten und bestellten Sachverständigen stammen. Die Zahlen eines qualifizierten Mitspiegels muss der Vermieter als Vergleich angeben.

  • Wohnungsgröße?
    Hier muss geprüft werden, ob die im Mieterhöhungsschreiben angegebene Wohnungsgröße stimmt. Es kommt auf die tatsächliche Wohnungsgröße an.

  • Zustimmung erteilen?
    Ohne Zustimmung des Mieters wird die Mieterhöhung nicht wirksam. Der Mieter kann der Mieterhöhung auch nur zum Teil zustimmen. Will der Vermieter die Mieterhöhung ohne die Zustimmung des Mieters durchsetzen, muss er klagen.

Örtlicher Mieterverein kann helfen

Tipp: Beim örtlichen Mieterverein erhalten Mieter einen Mietspiegel und können so prüfen, ob der Vermieter die Wohnung nach Lage, Baujahr, Ausstattung, Größe usw. richtig eingruppiert hat. Bei Preisspannen kann vom Mittelwert ausgegangen werden. Alles andere ist besonders zu begründen.

Wer unsicher ist, sollte sich beim Mieterverein oder einem versierten Anwalt für Mietrecht beraten lassen. Die Experten können formale Fehler aufdecken und ausrechnen, ob die Mieterhöhung gerechtfertigt ist.

Quelle: Deutscher Mieterbund