"Jahr 2022 Bug"

Wie ein Programmierfehler von Microsoft zum Jahresbeginn für weltweite Mail-Ausfälle sorgte

Frust bei E-Mails: Zum Jahresstart gab es weltweit Ausfälle von Microsoft Exchange
Frust bei E-Mails: Zum Jahresstart gab es weltweit Ausfälle von Microsoft Exchange
© picture alliance / Zoonar | Khosrow Rajab Kordi

03. Januar 2022 - 10:19 Uhr

Programmierfehler sorgte für Mail-Ausfall

von Patrick Rösing

Ein vergleichsweise simpler Programmierfehler sorgte zu Jahresbeginn für einen weltweiten Mail-Ausfall. Bei vielen dürfte das Erinnerungen an den Y2K-Bug wecken. Zur Lösung wurde das vergangene Jahr - zumindest im Code - noch etwas verlängert.

Erinnern Sie sich noch an den Millenium-Bug, auch "Y2K-Bug" genannt? Damals, kurz vor der Jahrtausendwende, ging die Sorge um, dass mit dem Wechsel in das Jahr 2000 im schlimmsten Fall die gesamte technologische Welt aufhören würde, zu funktionieren. Der Grund: In vielen älteren Programmen wurden damals aus Speichergründen zweistellige Jahreszahlen verwendet und es wurde befürchtet, dass die Systeme mit dem Jahreswechsel entsprechend von 99 auf 00 umspringen und danach ihren Dienst versagen würden. Umfangreiche Vorsorgemaßnahmen sorgten dafür, dass schließlich gar nichts passierte.

Eine aktuelle Störung zum Jahreswechsel dürfte einige an den Y2K-Bug erinnert haben und machte in der Folge als "Jahr 2022 Bug" beziehungsweise "Y2K22-Bug" die Runde. Was war passiert? Exakt zum Jahreswechsel fielen weltweit Mailserver aus, die auf Microsoft Exchange laufen, E-Mails wurden in der Folge nicht zugestellt. Administratoren erhielten folgende Fehlermeldung: "Can't Convert '2201010001' to long".

Microsoft: Problem bei Malware-Scan-Engine

Microsoft räumte den Fehler mittlerweile ein und schrieb das Problem liege in der Malware-Scan-Engine zur Überprüfung von Mails auf Schadsoftware. Es beziehe sich jedoch auf einen Fehler bei der Datumsüberprüfung zum Jahreswechsel und nicht auf einen Fehler der Anti-Virus-Engine selbst. "Es handelt sich nicht um ein Problem mit dem Malware-Scanning oder der Malware-Engine und es ist kein sicherheitsrelevantes Problem. Die Versionsprüfung der Signaturdatei führt zu einem Absturz der Malware-Engine, was dazu führt, dass die Nachrichten in den Warteschlangen stecken bleiben", schreibt der Konzern. Betroffen seien "nur" selbst gehostete Server mit Exchange 2016 und 2019.

Microsoft verlängerte zur Lösung das Jahr 2021 quasi noch etwas

Der Grund dürfte bei Experten wahlweise ein Kopfschütteln oder Schmunzeln hervorrufen. Denn: Das Problem geht auf einen Programmierfehler von Microsoft zurück, wie unter anderem IT-Experte Joseph Roosen bei Twitter erläutert. Demnach wurde mit Int32 mit ein falscher Datentyp für die betreffende Versionsnummer der neuen Signaturdatei zum Jahresstart verwendet. Int32-Variablen können maximal einen Wert von 231 beziehungsweise 2.147.483.647 haben. Der neue Wert beginnt allerdings mit den letzten beiden Stellen der Jahreszahl 22, es folgen Monat und Tag und eine vierstelligen Zahl. Damit liegt er bei 2.201.010.001 und damit über dem Maximum. Das jedoch, so heißt seitens Menschen mit Programmier-Expertise, hätte den Entwicklern bewusst sein müssen.

Ein erster Workaround bestand darin, die Malware-Engine abzuschalten, was aus Sicherheitsgründen jedoch nicht empfohlen wird. Mittlerweile hat Microsoft eine neue Lösung veröffentlicht. Per Script wird die Versionsnummer mit der vorangestellten Jahreszahl 21 verlängert. Die neue Versionsnummer 2112330001 datiert also quasi vom 33.12.2021. Kalendarisch ist das Humbug, dem Programm ist das egal. Hauptsache, es funktioniert.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst auf stern.de.