13. Juni 2019 - 16:39 Uhr

Welchen Einfluss hat die Menstruation auf die sportliche Leistung?

Mythos "Menstruation und Leistungssport": Vor und während großer Sportturniere wie der gerade stattfindenden Fußball-WM der Frauen stellen sich viele die Frage: Beeinflusst die Menstruation das sportliche Leistungsvermögen von Sportlerinnen - und wenn ja, wie?

Leistungseinbußen möglich

2016 überraschte die chinesische Schwimmerin Fu Yuanhui nach dem 4. Platz bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 mit der ehrlichen Aussage: "Ich habe gestern meine Tage bekommen und habe mich deshalb erschöpft gefühlt."

Vor allem Ausdauersportarten betroffen

Prinzipiell kann die Menstruation Auswirkungen auf die Tagesform von Sportlerinnen haben. Bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Wer mit Unterleibskrämpfen zu kämpfen hat, leidet auch in puncto Leistungsfähigkeit.

"Die Menstruationsphase scheint bei etwa einem Drittel der Sportlerinnen mit einer leichten Reduktion der Leistungsfähigkeit einherzugehen, während etwa zwei Drittel der Frauen eine gleich bleibende oder sogar gesteigerte Leistungsfähigkeit erzielen", fassen Forscher der Universität Bochum zusammen.

Betroffen von einer geringeren Leistungsfähigkeit seien vor allem Ausdauersportarten. Das Ausmaß sei aber individuell. Nach der Menstruation wird oftmals sogar ein Anstieg der Leistungsfähigkeit beobachtet, in der prämenstruellen Phase hingegen eher ein Rückgang des Leistungsvermögens.

Blutung kann ganz ausbleiben

Viele Profisportlerinenn nutzen hormonelle Mittel wie die Pille, um die Monatsblutung zu regulieren. Durch Druck und Stress bleibt bei manchen Athletinnen in einer Wettkampfzeit die Blutung sogar ganz aus.

Wer sich aufgrund eines Wettbewerbs für eine Verschiebung entscheidet, sollte dies aber nur in Ausnahmefällen tun, raten die Forscher der Universität Bochum. Falls diese eingesetzt wird, sollte die Periode nach vorne verlegt werden. Dadurch könnten "ungünstige, körperliche Effekte" vermieden werden.

Anpassung der Monatsblutung? Alles begann 1971

Eine weitere Frage, die seit Jahrzehnten durch den wissenschaftlichen Flurfunk wabert: Passen sich weibliche Monatszyklen bei engen Freundinnen oder zusammen lebenden Frauen an?

In der Forschung ist die Frage umstritten. Den Ursprung nahm die Debatte vor fast 40 Jahren. 1971 beschrieb die Wissenschaftlerin Martha McClintock, dass Frauen, die eng befreundet sind oder zusammen leben, in immer engeren Abständen ihre Tage bekommen. Sie befragte hierfür Studentinnen im Wohnheim und fand tatsächlich Hinweise, dass sich mit der Zeit die Zyklen annäherten. Ihre mögliche Erklärung hierfür: Unbewusst wahrgenommene Botenstoffe, sogenannte Pheromone, steuerten diese Anpassung.

Jüngste Studien sprechen gegen die These

Damit trat sie eine Welle weiterer Untersuchungen los. Das Ergebnis: Remis. Inzwischen gibt es wissenschaftliche Studien, die auf einen Zusammenhang hinweisen, andere bestätigten diese nicht. Jüngste Studien wie von Marija Vlajic von der Oxford University nähren die Zweifel an der These der Anpassung. "Synchron zu bluten, ist kein reales Phänomen", lautete das Fazit von Vlajic. Allerdings untersuchte sie Paare nur über einen Zeitraum von drei Monaten.

Welche Rolle spielt der Zufall?

Ein grundlegendes Problem: Sehr wahrscheinlich spielt auch der Zufall eine große Rolle bzw. erschwert einen Nachweis. Da die Länge der Periode naturgemäß variiert, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich allein aus Zufall der Zyklus annähert oder es zu Überschneidungen kommt. Einen Unterschied macht es auch, ob die Pille genommen wird oder nicht, da die Einnahme den Zyklus auf 28 Tage taktet. Zudem warfen Wissenschaftler der "Mutter" des Forschungsfeldes Ungenauigkeiten im Versuchsaufbau vor.

Mythos oder Realität?

Wie so häufig ist sich also auch die Wissenschaft in dieser Frage nicht einig, wobei sich in vergangener Zeit die Widersprüche mehrten. Trotz jahrelanger Forschung ist bis heute nicht abschließend geklärt, ob die Anpassung der Monatsblutung nun ein Mythos ist – oder Realität.