"Mein Mann war Nummer 57" - Peter Kloeppel über das Schicksal der Starfighter-Witwen

18. November 2015 - 12:58 Uhr

Peter Kloeppel recherchiert für die Starfighter-Witwen

Seit seinem Tod geht der Piloten-Witwe Elke von Hassel der Gedanke nicht aus dem Kopf: "Mein Mann war Nr. 57 - der 57. deutsche Starfighter-Pilot, der ums Leben kam." In Ergänzung zum Eventmovie "Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern" begibt sich RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel auf eine Zeitreise und widmet sich dem Schicksal der Starfighter-Opfer. In der infoNetwork-Dokumentation "Mein Mann war Nummer 57 – Peter Kloeppel über das Schicksal der Starfighter-Witwen" liegt der Fokus auf der Geschichte der Witwe Elke von Hassel.

Peter Kloeppel und Elke von Hassel
In der Dokumentation "Mein Mann war Nummer 57" beleuchtet RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel den Starfighter-Skandal.

An der Flensburger Förde führt Elke von Hassel Peter Kloeppel und das Kamerateam zu der Absturzstelle im Wald, an der ihr Mann, Joachim von Hassel (Sohn des früheren Verteidigungsministers und späteren Bundestagspräsidenten Kai-Uwe von Hassel), am 10. März 1970 mit seinem starb. Sie spricht über das Drama, erzählt, was damals in ihr vor sich ging und schildert, wie sie ihr Leben allein mit zwei kleinen Kindern gemeistert hat.

"Die meisten Frauen der Starfighter-Piloten waren gerade mal zwischen 20 und 25 Jahre alt, als sie Witwen werden", fasst Peter Kloeppel das tragische Schicksal der damals jungen Frauen zusammen. Sie hatten plötzlich ihren Mann verloren und hatten zudem kein regelmäßiges Einkommen mehr, "viele von ihnen haben ein kleines Kind oder sind schwanger, als der Mann ums Leben kommt", sagt Peter Kloeppel. Elke von Hassel ist eine dieser Witwen. Sie war damals Ende 20, als ihr Mann mit seinem Starfighter in den Wald stürzt und stirbt. Von dem tragischen Absturz erfährt sie aus dem Radio! "Man muss sich das auch mal vorstellen: eine der Witwen der Starfighter-Piloten hat uns in einem Vorgespräch erzählt: 'Das Einzige, was sie mir von ihm nach Hause brachten, war sein Ehering. Den hatten sie am Absturzort an einem abgetrennten Finger gefunden", berichtet Peter Kloeppel.

"Einige versuchen herauszufinden, was genau die Absturzursache war, warum sie ihre Männer verloren haben. Und manche von ihnen wollen auch Einblick bekommen in den Unfallbericht – aber das dürfen sie nicht. Den hielt die Bundeswehr unter Verschluss", so der RTL-Chefmoderator weiter. Er möchte für Elke von Hassel etwas Licht ins Dunkel um den Tod ihres Mannes bringen. Von der Bundeswehr hat die Witwe wenig Konkretes über die genaue Ursache des Absturzes erfahren – bis heute. Dieses Gefühl, gar nichts gesichert zu wissen, lässt sie auch Jahrzehnte danach immer noch nicht los. Peter Kloeppel recherchiert im Militärarchiv in Freiburg die Unfallakten ihres Mannes.

Peter Kloeppel selbst war bei einem Jagdbombergeschwader

RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel, Starfighter, Dokumentation, Nörvenich
Peter Kloeppel war bei einem Jagdbombergeschwader mit Starfighter-Maschinen stationiert.

Während seiner Bundeswehrzeit war Peter Kloeppel selbst bei einem Jagdbombergeschwader mit Starfighter-Maschinen stationiert. Nun begibt er sich auf eine Zeitreise: Er trifft weitere Witwen und Angehörige von tödlich verunglückten Starfighter-Piloten und sucht nach Erklärungen für diese einzigartige Rüstungskatastrophe. Flugzeugführer Harry Fisch, der einen Absturz mit dieser sogenannten "bemannten Rakete" überlebt hat, spricht über seine Erlebnisse. Auch Rolf Stünkel und Wulf Beeck geben einen Einblick in das Leben eines Piloten. Letzterer war beim Absturz von Marineflieger Oberleutnant zur See Joachim von Hassel dabei und erzählt von dem tragischen Unglück.

Besonders mutig zeigte sich zur damaligen Zeit Gerlind Lantzberg, Witwe des Starfighter-Piloten Manfred Hippel, denn sie wollte den Tod ihres Mannes nicht auf sich beruhen lassen. Sie kontaktierte den auf hohe Schadenersatzprozesse spezialisierten US-Anwalt Melvin Belli. Der Jurist riet der Witwe zu einer Sammelklage gegen den US-Rüstungskonzern und Starfighter-Hersteller Lockheed, möglichst gemeinsam mit vielen weiteren Witwen. Auch Elke von Hassel beteiligt sich an der Klage. Schließlich musste sich Lockheed in einem historischen Vergleich den engagierten Frauen beugen und zahlte den insgesamt 32 Witwen mit insgesamt drei Millionen Mark die höchste Entschädigungssumme, die in Deutschland bis dahin jemals ausgezahlt wurde.