Grüne Riesen mit Wunderkräften

Mehr als Sauerstoffversorger: Warum Bäume so wichtig sind

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17. September 2019 - 21:29 Uhr

Beginnt in Deutschland das große Waldsterben 2.0?

Dem Wald geht es schlecht: Trockene und heiße Sommer machen den Bäumen zu schaffen. Und durch die Dürresommer von 2018 und 2019 werden Borkenkäfer angezogen, die den Bäumen den Rest geben. Forstleute in Deutschland schlagen Alarm, dass der Klimawandel die Wälder komplett vertrocknen lässt und so das große Sterben der Mittelwälder beginnt.

Waldexperte und Autor Peter Wohlleben sieht das anders. Im Nachrichtenmagazin "Stern" gibt er nicht den Hitzewellen die Schuld am Waldsterben, sondern den Förstern und ihrer falschen Forstwirtschaft. "Der Klimawandel zeigt lediglich auf, dass viele Bäume bisher in einer Art 'Massenbaumhaltung' dahinvegetieren." In einem offenen Brief an Bundesministerin Julia Klöckner fordert er daher gemeinsam mit weiteren Naturwissenschaftlern, Forstexperten, Umweltverbänden und Bürgerinitiativen eine Abkehr von der konventionellen Forstwirtschaft. Damit sich Wälder besser an den Klimawandel anpassen und auf Umweltveränderungen reagieren können, brauche es mehr naturnahe Wälder und "keine Holzfabriken".

Bäume bieten mehr als ein Lebensraum für Mensch und Tier

Eine Welt ohne Wälder wäre nicht nur ziemlich öde, sie wäre gar nicht denkbar. Bäume sind nämlich nicht einfach nur Sauerstoffversorger und Holzlieferanten. Nicht erst seit Peter Wohllebens Bestseller-Buch "Das geheime Leben der Bäume"* (erschienen 2015) verstehen immer mehr Menschen, dass diese hochkomplexen Pflanzen vielmehr absolute Wunderkräfte haben. Auch Wohllebens neues Buch "Das geheime Band zwischen Mensch und Natur"* beschreibt die Faszination der Bäume sowie der Natur. Neugierig geworden?

Bäume haben Lebenspartner

Bäume sind soziale Wesen, die Freunde und sogar Partner haben, schreibt Peter Wohlleben in seinem Buch "Hörst du wie die Bäume sprechen?". Sie tasten mit ihren Wurzeln durch den Boden und fühlen damit die Wurzeln ihres Baumnachbarn. So prüfen sie, ob sie zur selben Baumart gehören. Die Wurzeln können nun zusammenwachsen und die Bäume können untereinander Nachrichten und Nährstoffe austauschen. Manche Bäume bleiben ihr Leben lang miteinander verwurzelt.

Bäume sprechen miteinander

Wir hören es nicht, aber Bäume reden miteinander. Sie kommunizieren mit Hilfe von Ultraschallsignalen, Duftstoffen und Pilzen. Worüber sie genau reden, ist nicht bekannt. Aber sie senden Hilferufe aus, wenn es ihnen nicht gut geht - zum Beispiel, wenn sie von Käfern angeknabbert werden. Wenn ein Baum zum Beispiel von Käfern befallen ist, schickt er eine Flüssigkeit zu seinen Wurzeln, die von Pilzen aufgenommen und weitergegeben werden. So wissen auch die anderen Bäume über eine Käfergefahr Bescheid. Als "Dankschön" erhalten die Pilze vom Baum Zucker als Nahrung.

Bäume machen uns gesund

Schon als Kinder lernen wir, dass Bäume lebensnotwendig sind. Die Pflanzen wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um, den wir zum Atmen brauchen. Aber Bäume können auch unserem Immunsystem helfen. Der japanische Umweltimmunologie-Professor Qing Li stellte schon 2009 fest, dass regelmäßige Waldspaziergänge Krebserkrankungen vorbeugen können: Probanden, die in drei Tagen sechs Stunden Waldspaziergänge gemacht hatten, wiesen eine erhöhte Zahl und Aktivität "natürlicher Killerzellen" auf. Außerdem sank die Stresshormon-Konzentrationen deutlich. Seitdem gilt Waldbaden in Japan als gängige Therapieform und erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit.

Bäume schlafen

Man sieht es ihnen natürlich nicht an, aber auch Bäume schlafen. Denn wie auch andere Lebewesen müssen auch Bäume sich regenerieren. Finnische und österreichische Forscher, so Wohlleben, haben herausgefunden, dass Bäume nachts ein wenig in sich zusammensacken, sie lassen ihre Zweige herunterhängen. Erst wenn die Sonne morgens aufgeht, richten sie sich wieder auf. Forscher vom "Finnish Geospatial Research Institute" und der "Technischen Universität Wien" stellten fest, dass aber die Änderungen mit bis zu zehn Zentimeter bei einem Baum mit einer Höhe von fünf Metern nicht all zu groß waren, weshalb wir wahrscheinlich auch nicht bemerken, dass die Bäume schlafen.

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