Das Tief nach dem Lotto-Gewinn

Wie Chico gewannen sie Millionen - doch das Geld wurde zum Albtraum

08.11.2022 Dortmund Kürsat Yildrim - Chico - hat zum 2. Mal im Lotto gewonnen . Dieses mal knapp 10 Mio Eur hier in der Nordstadt von Dortmund / 081122
Lotto- Gewinner Kürsat Yildirim aus Dortmund
sy, action press, ActionPress

von Eugen Epp

Von einem Sechser im Lotto träumen viele. Einige, deren Traum wahr wurde, fielen danach aber tief: Sie wurden Alkoholiker, landeten im Knast und auf der Straße oder verloren ihre Familie.

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Auf den Jackpot folgt ein tiefer Fall: Was macht das Geld mit den Lotto-Gewinnern?

"Ich konnte kaum atmen. Ich habe vor Glück geschrien, als ich durch die Straßen zu meinen Eltern gelaufen bin. Alle hielten mich für verrückt. Zu Hause rief ich: 'Mama, wir sind reich!'" So beschrieb Kürsat Yildirim, genannt Chico, in der "Bild"-Zeitung den Moment, in dem ihm klar wurde, dass er Millionär ist. Der Dortmunder, bis dahin ein vorbestrafter Kranführer, gewann zehn Millionen Euro im Lotto. Seitdem gibt er Interviews, tritt im Fernsehen auf, prahlt auf Instagram: "Jeder soll wissen, wie reich ich bin."

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Der 42-Jährige genießt sein neues Luxusleben, er scheint das große Los gezogen zu haben. Expert:innen sehen seinen extrovertierten Umgang mit dem Gewinn allerdings kritisch. Normalerweise raten Lottogesellschaften den Glückspilzen in solchen Fällen dringend, sich zurückzuhalten. Schließlich wurde schon für manchen Lottogewinner der Jackpot zum Albtraum.

Deutschlands bekanntester Lotto-Millionär "Lotto-Lothar" wurde zum Alkoholiker

Der wohl bekannteste Lotto-Millionär Deutschlands ist Lothar Kuzydlowski, oft nur "Lotto-Lothar" genannt. 1994 gewann der damals 49 Jahre alte Arbeitslose den Jackpot im Samstagslotto und war auf einen Schlag um 3,9 Millionen Mark, also fast 2 Millionen Euro, reicher. Der Hannoveraner konnte mit diesem Vermögen allerdings kaum umgehen, er verprasste das gesamte Geld innerhalb weniger Jahre für Reisen, Partys und teure Autos.

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Der vermeintliche Glückspilz wurde zum Alkoholiker, seine Ehe scheiterte. Nur fünf Jahre nach seinem großen Gewinn starb Kuzydlowski an einer Leberzirrhose. Von seinem Reichtum war kaum noch etwas übrig.

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Der erste "Lottokönig" starb verarmt

Schon der erste Jackpot der deutschen Lottogeschichte hatte seinem Gewinner zwar ein gutes finanzielles Polster, aber kein Lebensglück beschert. Walter Knoblauch gewann 1956 500.000 D-Mark – inflationsbereinigt eine exorbitante Summe. Doch der "Lottokönig" war das Geld schon nach einigen Monaten wieder los. 1968 wurde seine Lebensgeschichte unter dem Titel "Wegen Reichtums geschlossen" verfilmt, Knoblauch bekam 3100 Euro dafür. Später landete er im Obdachlosenheim und starb verarmt.

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Michael Broers gelang 1994 der sprichwörtliche "Sechser im Lotto" – das machte 2,7 Millionen Mark. Aus dem Automechaniker wurde "Millionen-Michi", der eine Rolex trug und protzige Autos fuhr. Drei Jahre später landete er im Gefängnis wegen einer Vielzahl von Verkehrsdelikten. Das Autohaus, in das er den Großteil seines Gewinns gesteckt hatte, ging pleite, seine Frau ließ sich von ihm scheiden. Der Gewinn habe ihm kein Glück gebracht, sagte Broers 2007 dem "Spiegel": "Ich habe die ganze Packung gehabt, die man in einem Leben erleben kann. Andere hätten sich aufgehängt. Daran habe ich keine Sekunde gedacht."

Manche Lotto-Spieler bereuen ihren Gewinn – oder verklagen die Lotterie sogar

Auch im Ausland gibt es viele Beispiele von Lottogewinnern, für die es nach dem großen Erfolg schnell bergab ging. Jack Whittaker beispielsweise gewann an Weihnachten 2002 mit einem EInsatz von 100 Dollar die kaum vorstellbare Summe von 170,5 Millionen US-Dollar, die ihm sofort ausgezahlt wurde – hätte er sich für eine lebenslange Ratenzahlung entschieden, hätte der Gewinn sogar mehr als 300 Millionen Dollar betragen. Der Rest ist Tragödie: Ein Teil des Geldes wurde gestohlen, seine Frau ließ sich scheiden, die Familie zerbrach, Tochter und Enkelin starben. Später sagte Whittaker einmal, es wäre besser gewesen, er hätte den Jackpot nie gewonnen. 2020 starb er.

Der britische Lotto-Millionär Michael Carroll verzockte sich ebenfalls: Im Alter von 19 Jahren gewann er 15 Millionen Euro – mit einem Los, das nur etwa 1,50 Euro gekostet hatte. Damit begann ein wildes Leben für den gelernten Müllmann. "Morgens zog ich drei Linien Kokain und trank eine halbe Flasche Wodka. Danach bin ich aufgestanden", erzählte er über diese Zeit. Sein Geld gab er für Drogen, Autos und Frauen, nach eigenen Angaben soll er mit 4000 Prostituierten geschlafen haben. Wegen Sachbeschädigung und Prügeleien landete er im Gefängnis und danach auf der Straße. Sein Geld ist Carroll längst los, dafür ist er wieder clean. Die Zeit nach seinem Gewinn bezeichnet er immer noch als "die besten zehn Jahre meines Lebens".

Lotto-Gewinner Chico macht sich keine Sorgen: "Ich bin gut abgesichert"

Ganz anders blickt Jane Park auf ihr Schicksal. "Manchmal fühlt es sich an, als habe der Lotteriegewinn mein Leben ruiniert", sagt sie. Mit nur 17 Jahren zog sie das vermeintlich große Los und gewann umgerechnet 1,2 Millionen Euro. Die investierte sie (vernünftigerweise) in zwei Eigentumswohnungen und (eher unvernünftig) Schönheitsoperationen. Trotz ihres Reichtums wurde Park so unglücklich, dass sie sogar die Lottogesellschaft verklagen wollte: Das Mindestalter von 16 Jahren für den Gewinn hielt sie für zu niedrig. Ihrer Ansicht nach sei es unverantwortlich, so jungen Menschen eine so hohe Summe auszuzahlen.

Dass ihm ein ähnliches Schicksal drohen könnte, glaubt Zehn-Millionen-Gewinner Chico übrigens nicht. "In dieser Welt kann alles passieren. Aber diese Chance, die ich habe, kriege ich nicht noch einmal", sagte er bei stern TV über die zahlreichen warnenden Beispiele. Er könne gut auf sich aufpassen und sei gut abgesichert, behauptete er zudem in der "Bild"-Zeitung.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de.