Studie zum Bindungsverhalten klärt es ein für alle Mal

Lieben Katzen uns oder ist ihnen egal, wer sie füttert?

Katzen lieben ihre Bezugsperson ähnlich wie Kleinkinder ihre Eltern. Das will eine Studie nun herausgefunden haben.
© iStockphoto, martin-dm

29. September 2019 - 11:48 Uhr

Katzen binden sich ähnlich wie Kleinkinder an ihre Bezugsperson

Hunde sind treu und liebevoll, Katzen gefühlskalt und arrogant – soweit das gängige Klischee, das Hundemenschen im (spielerischen?) Streit mit Katzenliebhabern gerne auskramen. Katzenbesitzern dürfte wahrscheinlich schon klar sein, dass sie ihren Miezen nicht völlig egal sind. Doch jetzt haben sie es auch schwarz auf weiß: Katzen lieben ihre Bezugsperson ähnlich wie Kinder ihre Eltern!

Abgewandelte Studie, mit der Bindung auch bei Kindern erforscht wird

Dies zeigt zumindest eine Studie von der US-amerikanischen Oregon State University in Corvallis, die in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlicht wurde. Das Studienmodell wurde dem von Forschungen zur Bindung von Kleinkindern nachempfunden. Dabei sahen sich Wissenschaftler um Kristyn Vitale das Verhalten von 79 Katzen im Alter von drei bis acht Monaten im Bezug auf ihre Halter an.

Bei dem sogenannten "Secure Base Test" (SBT) befanden sich die Katzen erst zwei Minuten zusammen mit ihren Besitzern in einer fremden Umgebung, dann zwei Minuten alleine und anschließend wieder zwei Minuten zusammen. Die Forscher bewerteten das Verhalten der Katzen, wenn ihre Besitzer nach dem Alleinlassen wieder da waren und identifizierten dieselben vier Arten von Bindung wie bei Kleinkindern, Primaten und Hunden.

Es gibt 4 verschiedene Bindungsstile bei Katzen

Eine Besitzerin mit ihrer Katze während des Secure Base Tests.
Eine Besitzerin mit ihrer Katze während des Secure Base Tests.
© deutsche presse agentur, Kristyn Vitale/Oregon State University/dpa

Waren die Katzen direkt nach der Rückkehr des Besitzers weniger gestresst und erkundeten den Raum sehr viel gelassener, sprechen die Forscher von einer sicheren Bindung. Der Halter ist damit die "sichere Basis" mithilfe derer Katzen sich wohlfühlen und mehr zutrauen.

Wenn die Samtpfoten trotz der Rückkehr des Besitzers weiterhin ängstlich waren, deuteten die Forscher dies als unsichere Bindung. Diese kann noch in zwei Unterkategorien aufgeteilt werden: die unsicher-ambivalente Bindung, bei der Katzen die Nähe ihres Besitzers suchten und sich dann verstärkt an ihn klammerten und die unsicher-vermeidende Bindung, bei der die Katzen ihren Besitzer mieden.

Bei der vierten Bindungsgruppe schienen die Katzen nicht genau zu wissen, ob sie den Besitzer meiden oder seine Nähe suchen sollten. Dies nennen die Forscher desorganisierte Bindung.

Verteilung ist bei Kleinkindern ähnlich

Insgesamt ergab diese Studie, dass 68,6 Prozent der Katzen eine sichere Bindung zu ihren Menschen haben, also der ersten Gruppe angehörten. Doch nicht nur das, auch nach einem Zeitraum von sechs Wochen, in dem die Bindung zwischen den Test-Katzen und ihren Menschen verbessert werden sollte, zeigte sich weiterhin ein ähnliches Ergebnis. Die Forscher vermuten deshalb, dass die Bindungsfähigkeit von Katzen genetisch bedingt ist. Außerdem sei die Verteilung von sicheren zu unsicheren Bindungen bei Kleinkindern zu ihren Bezugspersonen mit 65 zu 35 Prozent ähnlich verteilt wie bei den Katzen.