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Lance Armstrong über Dauerrivale Jan Ullrich: Er "hat mein Leben verändert"

Doku gibt nie dagewesene Einblicke

Armstrong über Ullrich: „Ich sah einen Mann wie noch kein menschliches Wesen zuvor"

Lance Armstrong und Jan Ullrich bei der Tour 2005
Lance Armstrong und Jan Ullrich bei der Tour 2005
picture alliance

Er ist einer der tragischen Sport-Helden der Nation, Jan Ullrich. Einst gefeierter Rad-Held, später folgte der Absturz, sportlich, und vor allem privat. Als Mensch. Dopingaffäre, Drogenmissbrauch, Alkoholprobleme bestimmten die Schlagzeilen eines Mannes, der Deutschland vor fast genau 25 Jahren in Ekstase versetzte. Damals. Ein Land im Radsport-Fieber. Am 27. Juli 1997 triumphierte er als erster Deutscher bei der legendären Tour de France. Dauerrivale Lance Armstrong gibt nun nie dagewesene Einblicke in das Leben eines Sportlers, der immer bis an die Grenzen ging. Und darüber hinaus.

Ullrich "hat mein Leben verändert"

„Er machte mir Angst, kein anderer. Dieser Mann ließ mich früh aufstehen. Er hat mein Leben verändert. Er hatte mehr Talent“, sagte Armstrong in der ARD-Dokumentation „Being Jan Ullrich“. Als Ullrich seinen ersten und einzigen Toursieg feierte, arbeitete der US-Amerikaner noch an seinem Comeback. Erst 1998 kehrte er nach seiner Krebserkrankung zurück auf die Tour. Die Duelle zwischen Armstrong und Ullrich beherrschten fortan den Radsport über Jahre. Mit dem besseren Ende für den Texaner.

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Sieben Mal gewann der heute 50-Jährige die Tour. Alle Erfolge wurden ihm wegen nachgewiesener Dopingvergehen aberkannt. Doping, epische Duelle mit Ullrich in den Alpen und Pyrenäen, das prägte den Radsport Ende der 90er Jahre bis in die 2000er.

Der Absturz nach dem Aufstieg

„Ich bin sicher, dass Armstrong noch andere Waffen hatte. Wir haben nicht übertrieben, alles war medizinisch unter Kontrolle, und dann wird er so weggeblasen von Armstrong. Dann sind es nicht die gleichen Waffen“, erinnert sich Rudy Pevenage, Ullrichs langjähriger Betreuer an die legendären Duelle.

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Was beide eint, ist der Absturz nach dem Aufstieg. Enthüllungen über Dopingpraktiken während seiner gesamten Karriere nahmen Armstrong alle sportlichen Erfolge, all die Reputation. Und kosteten viel, viel Geld. Der tiefe Fall einer Radsport-Legende. Und Ullrich? Der Doping-Skandal um Eufemiano Fuentes warf ihn völlig aus der Bahn. Fortan beherrschten private Skandale sein Leben.

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„Er war ans Bett gefesselt ohne Bewusstsein"

Mittlerweile ist es ruhiger geworden um Ullrich. Auch dank Armstrong. Aus Rivalen war längst eine Schicksalsgemeinschaft geworden. Freunde, die sich helfen. So schildert Armstrong einen Besuch Ullrichs in der Betty Ford Klinik, in Bad Brückenau, vor rund vier Jahren. „Er wusste nicht, dass ich komme, ich wusste nicht, wohin ich reise. Ich sah einen Mann an einem Ort wie noch kein menschliches Wesen zuvor. Wir kennen alle ein paar verrückte Freunde. Aber in so einem Zustand hatte ich noch keinen gesehen“, schildert Armstrong in der Doku das Treffen der beiden.

Und es sollte nicht der Tiefpunkt in Ullrichs Leben bleiben. Zwei Jahre später flog er auf dem Weg nach Cancun aus einem Flugzeug, weil er randaliert hatte. Man brachte ihn vor Ort in eine Klinik. Armstrong flog sofort nach Mexiko. „Er war ans Bett gefesselt ohne Bewusstsein. Es war das Allerschlimmste“, sagte der Amerikaner. Ullrich kämpft sich peu a peu zurück ins Leben. In einen Alltag. Ein schwerer Weg. Sein Freund Lance begleitet ihn. (tme)